Kita zu teuer, Mami bleibt zu Hause: CVP-Parlamentarierin reicht Vorstoss zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein

Brigitte Gübeli fordert in einem Vorstoss günstigere Kinderbetreuung in Wil. Was die Spielgruppen anbelangt, tut die Stadt schon jetzt viel.

Gianni Amstutz
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Viele Mütter bleiben nach der Geburt zu Hause und kümmern sich um den Haushalt – auch weil die externe Kinderbetreuung zu teuer ist, vermutet CVP-Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli.

Viele Mütter bleiben nach der Geburt zu Hause und kümmern sich um den Haushalt – auch weil die externe Kinderbetreuung zu teuer ist, vermutet CVP-Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli.

Bild: Hannes Thalmann

«Die Kinderbetreuung ist in Wil zu teuer.» Das sagt CVP-Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli. Sie hat am vergangenen Donnerstag eine Interpellation eingereicht, in der sie vom Stadtrat Antworten verlangt. Besonders gross sei das Problem bei Eltern im mittleren und tiefen Einkommenssegment, wobei sich die hohen Kosten unterschiedlich auswirkten, wie Brigitte Gübeli feststellt.

CVP-Parlamentarierin Brigitte Gübeli

CVP-Parlamentarierin Brigitte Gübeli

Bild: Kurt Zuberbuehler

Bei Eltern mit hohen und mittleren Einkommen führten die Tarife oftmals dazu, dass nur ein Elternteil arbeiten gehe, der andere zu Hause bleibe, um sich um die Kinderbetreuung zu kümmern. «Frauen entscheiden sich häufig aus finanziellen Gründen, auf den Wiedereinstieg bzw. eine Erwerbstätigkeit (im Teilzeitbereich) zu verzichten.» Damit, so Gübeli, entgingen dem Arbeitsmarkt wichtige und gut qualifizierte Arbeitskräfte. Eltern mit tiefen Einkommen hätten nicht einmal die Wahl. Da beide arbeiten müssten, seien sie konfrontiert mit hohen Kosten für die Fremdbetreuung, sagt Gübeli.

Günstige Kinderbetreuung für mehr Chancengleichheit

Vorschulische und schulische Kinderbetreuung sei aber elementar für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagt Gübeli. Sie fördere die Gleichberechtigung beider Geschlechter und wirke nicht zuletzt auch dem Fachkräftemangel entgegen. Die CVP-Parlamentarierin will wissen, was die Stadt tut, um den Familien die Vereinbarkeit von Kind und Karriere zu ermöglichen. Eine Verbesserung der Situation verspricht sich die Interpellantin von einem Förderprogramm des Kantons. Ab 2021 sollen jährlich fünf Millionen Franken zur Förderung familien- und schulergänzender Betreuung an die Gemeinden bezahlt werden. Brigitte Gübeli und ihre 23 Mitunterzeichnenden wollen nun vom Stadtrat wissen, ob die Stadt das Förderprogramm in Anspruch nehmen wird und wie er das Geld einzusetzen gedenkt.

Gübeli befürchtet, dass Angebote der Kinderbetreuung anteilsmässig oft von Eltern mit einem hohen Einkommen in Anspruch genommen werden. Sie fragt, welche Massnahmen die Stadt trifft, um den Eltern tragbare Tarife anzubieten. Zumindest in Bezug auf Spielgruppen subventioniert die Stadt bereits jetzt rund die Hälfte aller Plätze.

Die Zahlen der Stadt zeigen, dass 144 von insgesamt 315 Spielgruppenplätzen von der Stadt mitfinanziert werden. Ob und zu welchem Anteil sich die Stadt an den Kosten beteiligt, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Grundvoraussetzung ist, dass es sich bei der Spielgruppe um eine Partnerin der Stadt handelt. Dazu zählen die fünf Spielgruppen Allee, Calimero, Lindenhof, Obere Mühle und die deutschsprachige Gruppe der Kits. Seit neustem gehört auch die Spielgruppe Plauderzwergli dazu. Sie befindet sich jedoch noch im Aufbau, weshalb noch keine Zahlen vorhanden sind. Es zeigt sich, dass die Subventionen der Stadt von vielen Eltern in Anspruch genommen werden. Ganze 72 Prozent der Plätze in den Partnerspielgruppen werden von der Stadt mitfinanziert.

Für Kinder mit tiefem Sprachniveau gratis

Die Höhe der Beiträge richtet sich dabei nach dem Einkommen der Eltern. Die erste Einheit – ein Spielgruppenmorgen oder -nachmittag – wird mit 2.50 bzw. 5 Franken pro Stunde unterstützt, die zweite mit 5 bzw. 7.50 Franken. Getrennt sind die Beiträge nach den Einkommensklassen bis 40000Franken und bis 80000Franken. In den Partnerspielgruppen der Stadt beziehen elf Familien die Subventionen für Einkommen bis 80000, keine einzige jene für Einkommen bis 40000 und 46 Plätze sind gar nicht subventioniert.

Die Mehrheit der Eltern muss jedoch überhaupt nichts für den Besuch einer Spielgruppe berappen. Als Integrationsmassnahme ist dieser für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen gratis. 69 Familien nehmen dieses Angebot wahr.

Generell kann gesagt werden, dass sich die Spielgruppen in Wil grosser Beliebtheit erfreuen. So sind vier der fünf Partnerspielgruppen derzeit komplett ausgebucht. Insgesamt besuchen sieben von zehn Kindern des Spielgruppenjahrgangs 2019/20 eine Spielgruppe.