Braunau hat ein Raserproblem

In Braunau rasen Autofahrer vor dem Kindergarten und der Schule vorbei. Die Gemeinde möchte gegen die Raser etwas unternehmen und hat Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Die Auswertung der Daten liegt nun vor.

Valentin Schneeberger
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Gefährlich: Viele Autofahrer überfahren den Fussgängerstreifen neben dem Schulhaus von Braunau schneller als die erlaubten 50 km/h. (Bild: Reto Martin)

Gefährlich: Viele Autofahrer überfahren den Fussgängerstreifen neben dem Schulhaus von Braunau schneller als die erlaubten 50 km/h. (Bild: Reto Martin)

BRAUNAU. Noch ist nichts zu hören. Am Anfang der langen, geraden Strecke erscheint ein kleiner Punkt. Dann ein Geräusch. Ein sich steigerndes Rauschen. Das Auto passiert mit übersetzter Geschwindigkeit die Ortseinfahrt, braust am Schulhaus und am Kindergarten vorbei und wird nach ein paar hundert Meter von einer Kurve verschluckt. Es braucht kein Messgerät, um zu wissen, dass es dieser Automobilist mit der Tempobegrenzung innerorts nicht so genau genommen hat. Für die Bewohner der Gemeinde Braunau gehört dies zum Alltag. Die Hauptstrasse gleicht einer Landebahn. Diesen Eindruck hat sich Braunau nun anhand von Geschwindigkeitsmessungen bestätigen lassen. Die Resultate liegen nun vor.

Mit 115 km/h unterwegs

So zeigen die Messungen klar auf, dass auf der Höhe des Kindergartens und der Schule zu schnell gefahren wird. «Der gerade Verlauf der Strasse lädt die Autofahrer geradezu dazu ein, aufs Gas zu drücken», sagt Gemeindeammann David Zimmermann. Ein nächtlicher Raser brachte es sogar auf 115 Stundenkilometer, bei einem Tempolimit von 50 km/h. Bei dem Raser handelt es sich zwar nur um einen einzelnen, extremen Ausreisser – die Auswertung sämtlicher Messresultate bestätigen aber den Eindruck der Bevölkerung. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Hauptstrasse ist höher als erlaubt.

Zimmermann sieht sich darum verpflichtet zu handeln. «Wir haben die Bevölkerung im Gemeindeblatt über die Erkenntnisse der Messungen informiert und uns mit dem Kanton und der Polizei in Verbindung gesetzt.» Aufgrund der Messresultate will die Kantonspolizei Thurgau nun vermehrt Verkehrskontrollen in Braunau durchführen. Für Zimmermann eine erfreuliche Nachricht. Doch noch lieber hätte er, dass der Kanton bauliche Massnahmen prüft, um die Strasse sicherer zu machen, beispielsweise mit Hilfe von Bodenmarkierungen oder einem Verkehrshindernis auf Höhe des Kindergartens und der Schule. «Bei der Hauptstrasse handelt es sich um eine Strasse des Kantons. In baulichen Fragen sind uns als Gemeinde die Hände gebunden», sagt er.

Kanton macht keine Ausnahme

Die Abteilung Strassenbau des kantonalen Tiefbauamtes sieht in Braunau jedoch keinen Handlungsbedarf. Der Verkehr durch die Gemeinde sei nicht ausreichend, um bauliche Massnahmen zu rechtfertigen, lautete die Antwort. «Das ist natürlich eine Enttäuschung», sagt David Zimmermann. Dennoch zeigt der Gemeindeammann auch ein gewisses Verständnis für die Antwort aus Frauenfeld. «Wenn der Kanton bei uns eine Ausnahme macht, müsste er das bei anderen Gemeinden auch tun.»

Die Bevölkerung ist besorgt

Trotz des Verständnisses für den Kanton nimmt der Gemeinderat die besorgten Stimmen aus der Bevölkerung ernst. Denn diese haben in bezug zur Verkehrssituation in Braunau immer mehr zugenommen. «Viele Bewohner sind der Ansicht, dass nicht nur auf der Hauptstrasse, sondern auch in den Quartieren zu schnell gefahren wird», sagt Zimmermann. Aus diesem Grund führte die Gemeinde die Geschwindigkeitsmessungen mit einem mobilen Messgerät, welches sie von der Nachbargemeinde Affeltrangen ausgeliehen hatte, neben der Hauptstrasse auch an mehreren Standorten in den Quartieren durch. «Die Messstation kam an vier Orten zum Einsatz und hat im Sommer jeweils 14 Tage lang den Verkehr aufgezeichnet», beschreibt Zimmermann.

Angepasst im Quartier

Mit einem spannenden Ergebnis. «Der Verdacht, dass in Braunau auf den Wohnstrassen zu schnell gefahren wird, liess sich nicht bestätigen», sagt der Gemeindeammann. «Bis auf wenige Ausnahmen, welche auch in anderen Gemeinden vorkommen, halten sich die Automobilisten in den Quartieren an die Verkehrsregeln und fahren dementsprechend angepasst.»