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BRAUNAU: «Das Veterinäramt hat eine übertriebene Tierschutz-Optik»

Ein Thurgauer Bauer aus der Region Wil musste sich vor Obergericht verantworten, weil er eine verletzte Kuh während Tagen auf der Weide liegen gelassen hat. Der Verteidiger findet, sein Mandant werde für seine guten Absichten bestraft.
Silvan Meile

Ob er auch noch was zu sagen habe, will der Obergerichts-Präsident zum Schluss der Verhandlung wissen. Der beschuldigte Bauer fasst sich ein Herz: «Dass ich überhaupt zu Ihnen kommen muss», sagt er zum Oberrichter, sei aufgrund einer Hexenjagd, die gegen ihn veranstaltet werde. Sein Blick schweift zur Staatsanwältin. Sie erhob Klage wegen Tierquälerei, will den Bauern zu 100 Tagessätzen à 80 Franken verurteilt wissen. Nachdem das Bezirksgericht Münchwilen den Bauern freigesprochen hatte, zog sie den Fall ans Obergericht weiter. «Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt», sagt der Beschuldigte. Seit 50 Jahren lebe er auf seinem Hof in Braunau. Noch nie habe es zuvor eine Beanstandung gegeben.

«Es bestand noch Hoffnung, das Kalb gebären zu lassen»

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bauern vor, eine trächtige Kuh, die sich bei einem Sturz verletzte, neun Tage lang auf der Weide liegen gelassen zu haben. Regelmässig gab ihr der Bauer zwar Futter und Wasser, doch die Besserung trat offensichtlich nicht ein. Dritte alarmierten schliesslich das kantonale Veterinäramt. Bei einer Kontrolle stellte dieses fest, dass die Kuh sich selbst nicht mehr erheben kann und gar Lähmungserscheinungen aufwies. Das Tier wurde später durch den Tierarzt eingeschläfert.

Weil das Veterinäramt einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz feststellte, erstattete es Anzeige. Zu lange habe der Bauer zugewartet, die Würde des Tieres missachtet, sagte die Staatsanwältin. «Hätte er sie vorher abgetan, wäre ihr viel Leid erspart geblieben.»

Der Anwalt des Bauern betonte, der Beschuldigte habe die Kuh erst nach Rücksprache mit seinem Tierarzt auf die Weide gebracht. Und der Veterinär habe das Tier untersucht. Der Tierarzt stellte keine Knochenbrüche fest. Anfänglich konnte die Kuh sogar noch selber aufstehen. Auch aus ethischer und moralischer Sicht habe sein Mandant die Kuh nicht getötet. «Es bestand noch Hoffnung, auch darauf, dass die Kuh ihr Kalb noch gebären kann.»

Ein verletztes Tier bringe man ins Freie, damit es sich ungestört erholen könne. Das sei nicht aussergewöhnlich. Das Thurgauer Veterinäramt sei aber im nationalen Fokus. Dadurch hätte dieses derzeit eine «übertriebene Optik eines Tierschützers». Sein Mandant habe sich nicht strafbar gemacht. Der Freispruch des Bezirksgerichts sei zu bestätigen. «Er wollte die Kuh gesund pflegen und hat nun ein Verfahren am Hals», sagte der Anwalt. Das sah die Staatsanwältin anders: «Er hat viel zu lange zugewartet.» Am Tag der Kontrolle durch das Veterinäramt habe das Tier gar im strömenden Regen auf der Weide gelegen.

«Ich weiss, wenn eine Kuh Schmerzen hat», verteidigte sich der angeschuldigte Bauer. Nie habe der die Hoffnung verloren, das Tier käme wieder auf die Beine. «Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.» Obwohl er vor Bezirksgericht freigesprochen wurde, habe sich die Beschuldigung überall rumgesprochen. «Die ganze Sache greift meine Ehre als Bauer an.»

Das Urteil des Obergerichts folgt in den nächsten Tagen.

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

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