BRASSICAL: Wenn im AKW das Cornet erklingt

Musik, Theater und Film vereint: Das hat die Musikgesellschaft Zuckenriet am diesjährigen Unterhaltungsabend geboten. Ein Abend der anderen Art – aufwändig, unterhaltsam und qualitativ hochstehend.

Zita Meienhofer
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«Brassical» ist, wenn Theater, Musik und Film zu einem Ganzen verschmelzen. (Bild: Zita Meienhofer)

«Brassical» ist, wenn Theater, Musik und Film zu einem Ganzen verschmelzen. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Was wäre, wenn das Zuckenrieter Atomkraftwerk stillgelegt würde, wenn die betriebseigene Brass Band Becquerel-Brass deshalb aufgelöst werden müsste, wenn sich Dirigent Danny nicht mehr von seiner Krankheit erholen würde, wenn sein Sohn Phil (Bruno Giger) seine Familie nicht mehr zurückgewinnen könnte? Um diese Themen – basierend auf dem Film «Brassed Off» – wurde vom Urner Sing- und Songwriter sowie Gitarrist Mario Schelbert eine Geschichte gewoben, die den Alltag im AKW-Dorf Zuckenriet widerspiegelt. Da wird Reales (Besuch im Landgasthof Adler, Zigarettenkauf im Dorfladen von Näfs, die gesunde Rivalität mit der Musig Lenggenwil) mit Fiktivem gemischt und in eine tragische Erzählung gepackt, der immer wieder ein guter Schuss Humor beigegeben wurde. Die Lacher verdankt das Stück der Figur «Tscheggi», gut umgesetzt von Simon Zwick, der durch seine unbeholfen linkische Art und seine gewollt ungewollten Sprüchen zu unterhalten vermag.

Das Stück gibt dem Abend den roten Faden. Doch nicht weniger wichtig ist die Musik. Und damit vermag die Musikgesellschaft Zuckenriet zu gefallen. Die Titel aus «Brassed Off» wurden aufgenommen und in einer wunderbaren, qualitativ hochstehenden Art dem Publikum serviert, darunter der Florentiner-Marsch, die Ouvertüre aus Rossinis Oper «Guillaume Tell» und «En Aranjuez con tu Amor». Dieses Solo spielte Matthias Keller mit einer aussergewöhnlichen Hingabe. Keller hatte zudem in «Brassical» die Rolle des AKW-Mitarbeiters Andy übernommen.

Die Tiefs und Hochs in «Zuckenriet 1 und 2» hatten letztlich auch die AKW-Mitarbeiterinnen (Sereina Fritsche, Julia Schlauri, Anna Schlauri) sowie Phils Frau (Valeria Kesseli) glücklich überstanden. Das AKW wurde nicht geschlossen, Phils Familie kehrte zurück und die «Becquerel-Brass» siegte. «Musik und Freundschaft bleiben bis zum Schluss», das war schliesslich die Botschaft von Dirigent Danny alias Sepp Zürcher.

Auf Zürchers Idee beruhte das Konzept dieses äusserst aufwendigen und aussergewöhnlichen Unterhaltungsabends. Und er dirigierte nicht nur das Korps, sondern spielte auch eine der Hauptrollen.