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Brand zerstörte gesamten Weiler

Vor 150 Jahren, am 21. Mai 1862, fielen im Weiler Dietenwil, Gemeinde Niederhelfenschwil, 34 der 35 Firste einem Grossbrand zum Opfer. An einem erstmals durchgeführten Dörflifest begegneten sich ehemalige und jetzige Einwohner.
Ernst Inauen
Der Bauernhof Keller war der einzige Hof in Dietenwil, der 1862 nicht niederbrannte. Dieses Bild entstand um 1920. (Bild: zVg)

Der Bauernhof Keller war der einzige Hof in Dietenwil, der 1862 nicht niederbrannte. Dieses Bild entstand um 1920. (Bild: zVg)

DIETENWIL. An der thurgauischen Grenze der Gemeinde Niederhelfenschwil liegt der Weiler Dietenwil, der zum Schulkreis Zuckenriet gehört. Der Niederhelfenschwiler Chronist Jakob Traber, langjähriger Korrespondent der regionalen Zeitungen, wohnte bis in die Fünfzigerjahre in Dietenwil. Er hinterliess aufgrund von mündlichen Überlieferungen Aufzeichnungen über die folgenschweren Geschehnisse am 21. Mai 1862. Seine Grossmutter Marie Traber-Bisegger erlebte den Schrecken als 20-Jährige. Sie erzählte ihrem Enkel, wie das Leben damals in Dietenwil ablief: Die Kleinbauern bewirtschafteten zusammen 132 Parzellen. Einige von ihnen besassen kleine Rebflächen. Nebenbei arbeiteten die Frauen und schulentlassenen Mädchen in den meisten Kellern an Webstühlen.

Westwind verbreitete das Feuer

Als die Brandkatastrophe vor 150 Jahren ausbrach, rückten unter anderem auch vom thurgauischen Gabris Helfer mit einer Feuerspritze aus. Sie wurde mit Löschwasser nachgefüllt, das aus Webstoffkübeln herangetragen werden musste. So sei wenigstens der etwas abseits stehende Hof der Familie Keller gerettet worden, erzählt die Chronik. Die Gebäude waren mit Schindeldächern bedeckt. Ein starker Westwind trug die Flammen von Liegenschaft zu Liegenschaft. Glühende Schindeln flogen kilometerweit in die Landschaft hinaus. Im Nachbarweiler Olmerswil wurden nasse Tücher als Schutz vor die Gebäude gespannt.

Die Chronik der Gemeinde Niederhelfenschwil berichtet, dass nach der Brandkatastrophe eine grosse Hilfsaktion in den Nachbargemeinden ins Rollen kam. Der Kanton St. Gallen spendete 3000 Franken mit der Auflage, dass ein Drittel davon für den Bau einer Strasse nach Dietenwil verwendet werde. Es heisst, dass der Neukircher Pfarrer Keller mit einem grossen Leiterwagen obdachlose Kinder abholte und bei Bauernfamilien in seiner Gemeinde unterbrachte. Viele zerstörte Liegenschaften wurden wieder neu aufgebaut. So liess auch Trabers Grossmutter den stattlichen «Quellenhof» erstellen. Jakob Traber eröffnete darin im Jahr 1930 eine Dorfwirtschaft, die nach dem Verkauf vom neuen Besitzer Ludwig Looser bis in die 1970er-Jahre geführt wurde.

Beschauliches Dorfleben

Ein intensives Dorfleben pflegen die heute rund 50 in Dietenwil lebenden Personen im Normalfall nicht. Die Infrastruktur mit Dorfläden oder Dorfwirtschaft fehlt – und damit auch ein Treffpunkt für Begegnungen. Viele Landwirtschaftsbetriebe gaben in den vergangenen Jahrzehnten auf. Nur auf vier Höfen wird heute noch aktiv Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben. Zahlreiche Berufstätige arbeiten auswärts. Auch das Vereinsleben findet im benachbarten Zuckenriet oder in anderen Dörfern statt. Dennoch gibt es immer wieder einen Grund für kleine Festivitäten, welche die Dorfgemeinschaft zusammenschweissen.

Der ehemalige Gemeinderat Ludwig Looser, der den Weiler Dietenwil von 1992 bis 2000 im Niederhelfenschwiler Rat vertrat, ergriff die Initiative für ein gemütliches Dörflifest. Zusammen mit einem kleinen Helferteam organisierte er in Erinnerung an den Dorfbrand vor 150 Jahren ein Fest. Eingeladen wurden ehemalige und heutige Bewohner von Dietenwil. Rund 100 Personen folgten der Einladung der Initianten. Als Gast nahmen auch Gemeindepräsident Simon Thalmann und die Dorfverwaltung Zuckenriet teil. Die weiteste Anreise trat Heidi Looser-Klaus an. Sie wohnt in Kanada und verbringt nun bis zum 90. Geburtstag ihres Vaters Albert Klaus, der seinen Lebensabend in Dietenwil verbringt, Ferien bei ihm im Elternhaus.

Die Dorfchronik weiterführen

Ein Begrüssungsapéro auf dem neugestalteten Platz im Zentrum eröffnete das Dörflifest. Heimweh-Dietenwiler, die den Weiler zum Teil schon vor Jahrzehnten verlassen haben, tauschten Erinnerungen aus. Das junge Bläserquartett Dägetschwiler Brass und die gemütvollen Keyboard- und Panflöten-Melodien von Nadine Fritsche und Madeleine Keller unterhielten die Festgemeinde. Die Halle des Tiefbauunternehmers Markus Wenk war als Festsaal für das Mittagessen vorbereitet worden. Das Salat-, Hauptgang- und Dessertbuffet sowie der Rebensaft förderten die Stimmung. Das Fest setzte sich nach dem offiziellen Teil bis weit in die Nacht hinein fort.

In einer kurzen Ansprache sprach Ludwig Looser von den Ereignissen vor 150 Jahren und der aktuellen Situation. Hans Fritsche präsentierte eine Zusammenstellung von Dokumenten und Fotos. Seit 1959 führt die Familie Looser eine Dorfchronik, in der Versammlungen und andere Ereignisse festgehalten sind. Die junge Generation der Familie will diese Chronik weiterführen, so dass auch spätere Generationen etwas über das Geschehen erfahren können. Gemeindepräsident Simon Thalmann verband sein Grusswort mit dem Tip, dass mit der Fertigstellung der sanierten Strasse wieder ein Grund für ein Fest gegeben wäre.

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