Blumen für Madame Courage

Spätestens seit Donnerstagabend kennt sie (fast) jeder in der deutschsprachigen Schweiz: Erna Niedermann, die Flawilerin, die für die Rettung von zwei 17jährigen Eritreerinnen aus der Thur mit dem Prix Courage des «Beobachters» ausgezeichnet worden ist.

Andrea Häusler
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Erna Niedermann zu Gast bei Kurt Aeschbacher. (Bild: Screenshot: srf)

Erna Niedermann zu Gast bei Kurt Aeschbacher. (Bild: Screenshot: srf)

Spätestens seit Donnerstagabend kennt sie (fast) jeder in der deutschsprachigen Schweiz: Erna Niedermann, die Flawilerin, die für die Rettung von zwei 17jährigen Eritreerinnen aus der Thur mit dem Prix Courage des «Beobachters» ausgezeichnet worden ist. Verschiedene Zeitungen hatten über ihren selbstlosen Einsatz berichtet, ihre Nomination für den Preis kommentiert, dessen Verleihung gefeiert, ihr Gesicht und ihre Geschichte verbreitet. Mit ihrem Gastauftritt bei «Aeschbacher» im Schweizer Fernsehen hievte sich die 70-Jährige in Sachen Bekanntheit noch eine Liga höher – und dies mit verblüffender Gelassenheit.

Wertschätzung erfahren

Blauer Pullover, graue Hose, schicker Schmuck und perfektes Styling. Scheinbar frei von Lampenfieber nimmt Erna Niedermann unter dem Applaus des Studiopublikums einen Blumenstrauss entgegen, setzt sich Kurt Aeschbacher gegenüber und spricht unbefangen über die «gewaltigen Veränderungen in ihrem Leben» nach der Rettungsaktion und der Nomination für den Prix Courage. Von der Anerkennung und Wertschätzung, die ihr zuteil geworden seien. Aber auch über die Depression nach dem Verlust des Arbeitsplatzes kurz vor der Pensionierung und dem Tod der Mutter. «Die jüngsten Erlebnisse haben mir einen Kick gegeben», sagte «Madame Courage», wie Aeschbacher sie begrüsst hatte.

Haarband «gerettet»

Fragen nach dem Sinn ihres Daseins stellten sich heute nicht mehr. Dafür andere. Die nach der Verwendung der 15 000 Franken Preisgeld etwa. Shoppen wolle sie, mit einer der geretteten Frauen, fein Essen mit der Familie und etwas in ihr Haus investieren, sagt sie im Gespräch mit Aeschbacher. Vielleicht bleibt ja auch noch ein Batzen für Hund Nico übrig. Dieser war nämlich mit Frauchen in die Thur gesprungen. Leben hat er zwar keines gerettet, dafür aber ein Haarband, das eine der beiden jungen Frauen im Wasser verloren hatte.