Blickkontakt ist das Wichtigste

Seit sieben Jahren leitet Monika Bernold den Kirchenchor Jonschwil. Mit der Gestaltung eines Gottesdienstes legte sie am Sonntag ihre Prüfung im Lehrgang Kirchenmusik B ab.

Carola Nadler
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Unter den wachsamen Augen einer Kommission der diözesanen Kirchenmusikschule legt Monika Bernold ihre praktische Prüfung in Chorleitung ab. (Bild: Carola Nadler)

Unter den wachsamen Augen einer Kommission der diözesanen Kirchenmusikschule legt Monika Bernold ihre praktische Prüfung in Chorleitung ab. (Bild: Carola Nadler)

JONSCHWIL. Es war früh an diesem Sonntagmorgen. Richtig früh für einen Sonntag, der ein herrlicher Sommertag zu werden versprach. Viertel vor acht waren die Sängerinnen und Sänger des Jonschwiler Kirchenchores aufgeboten, der Gottesdienst sollte um 9 Uhr beginnen. Eine gute Vorprobe vor einem Gottesdiensteinsatz ist zwar immer sehr wichtig, doch über eine Stunde vor Gottesdienstbeginn ist schon etwas Besonderes.

Aufmerksame Blicke

In der Tat sollte dieser Gottesdienst ein Meilenstein im beruflichen Leben von Monika Bernold werden: Die Aufführung der «Pfingstsequenz» von Iso Rechsteiner war die praktische Prüfung für das B-Diplom in Chorleitung der Diözesanen Kirchenmusikschule St. Gallen. Die vier Experten erschienen jedoch nicht erst zum Gottesdienst, sondern sassen von der ersten Minute an mit auf der Empore, die Nasen in die Noten gesteckt, aufmerksame Blicke und Ohren immer wieder zum Dirigentenpult gerichtet, mit wohlwollender Strenge die Chorleiterarbeit der Dirigentin beobachtend.

Von Anspannung war keine Spur, im Gegenteil. Mit herzlicher Unterstützung des Chores – Schoggimarienkäferli waren auf den Stühlen und Notenpulten verteilt, ein «Viel Glück»-Zettel lag auf dem Pult der Dirigentin – war die Vorprobe von konzentrierter Präsenz durchdrungen. «Bim Ritardando – lueget füre», bittet Monika Bernold die Sängerinnen und Sänger und erinnert sie dabei an das wohl Wichtigste im gemeinsamen Musizieren: den Blickkontakt. Nimmt man diesen auf, erhält man von der Musikerin sehr viel Unterstützung: Sie singt die Texte nahezu auswendig mit, unterstützt deren Inhalte mimisch, bestätigt eine gelungene Aussage mit Kopfnicken.

Klavierlehrerin und Organistin

Ihre Hände wirken dabei wie die Pinsel eines Malers: Sie gestalten mit einer klaren Vision vom Ergebnis, vermitteln dem Chor aber auch Sicherheit und klare Führung. «Als Klavierlehrerin an der Musikschule Toggenburg und Organistin an der katholischen Stadtkirche in Winterthur komme ich manchmal in die Situation, einen Chor zu leiten», sagt Bernold. «Das hat mich vor zwei Jahren bewogen, nach dem C-Diplom für Chorleitung und der Familienpause an der Diözesanen Kirchenmusikschule in St. Gallen die B-Ausbildung in Chorleitung zu absolvieren».

Im Juni folgt noch eine interne Prüfung, dann hat sie es geschafft. Und der Kirchenchor Jonschwil wird nicht mehr so früh zu einer Vorprobe antreten müssen.