Bleiben Beizen auf Corona-Zeche sitzen? Grüner Stadtparlamentarier fordert die Stadt Wil auf, die Gastrobranche zu unterstützen

Die Coronapandemie stellt die Gastronomiebranche vor riesige Herausforderungen. Jetzt soll die Stadt Wil helfen. Einerseits sollen Gebühren für das Wirtenpatent erlassen , anderseits eine Vergrösserung der Aussenfläche unkompliziert ermöglicht werden. Das fordert Michael Sarbach, Stadtparlamentarier der Grünen Prowil.

Gianni Amstutz
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Die Coronakrise führt bei vielen Restaurants zu teils massiven finanziellen Einbussen.

Die Coronakrise führt bei vielen Restaurants zu teils massiven finanziellen Einbussen.

Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott

Noch sind die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise nur schwer abzuschätzen. Das Ausmass wird sich wohl erst in den nächsten Monaten und Jahren zeigen. Fest steht, dass einige Branchen von der Pandemie besonders hart getroffen wurden. Jetzt schlägt Stadtparlamentarier Michael Sarbach (Grüne Prowil), Programmchef des Gare de Lion, Alarm.

Michael Sarbach, Stadtparlamentarier Grüne Prowil.

Michael Sarbach, Stadtparlamentarier Grüne Prowil.

Bild: PD

Die Coronakrise habe Wil mit voller Wucht getroffen, sagt er. Die Veranstaltungs- und Gastronomiebranche habe die Massnahmen mitgetragen und so geholfen, die Pandemie – zumindest aus aktueller Sicht – einzudämmen. Das blieb aber nicht ohne Folgen. Sarbach sagt:

«Die behördlich verfügten Schliessungen, das Veranstaltungsverbot sowie die darauffolgenden strengen Hygiene- und Abstandsregeln für Bars, Clubs und Restaurants haben massive Umsatzausfälle zur Folge.»

Umso wichtiger sei deshalb der Rest des Geschäftsjahres für die Betriebe. Und hier sieht er eine Möglichkeit, wie die Stadt Wil der Branche unter die Arme greifen könnte.

«Zeichen der Wertschätzung»

Michael Sarbach schweben einfache, unbürokratische Massnahmen zur zusätzlichen Unterstützung der Gastronomie vor. Schliesslich sei diese ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens in Wil.

«Als Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Betrieben könnte auf die Erhebung der Gebühren im Jahr 2020 verzichtet werden», argumentiert Sarbach. Ihm geht es hierbei um die Patentgebühren, die Betriebe jährlich an die Stadt bezahlen müssen.

Dies ist aber nur ein Ansatz von Sarbach zur finanziellen Entlastung der Restaurants. Als weitere Massnahmen schlägt er vor, dass Restaurants ihre Aussenbereiche über den Sommer unkompliziert ausdehnen können. Selbstverständlich könne dies nur im Rahmen der geltenden Sicherheitsbestimmungen geschehen und auf nicht öffentlichem Grund nur dann, wenn die Eigentümer damit einverstanden wären.

Aktive Unterstüzung für Spezialanlässe

Als weitere Idee bittet er die Stadtbehörde darum, direkt von den Gastwirtschaftsbetrieben initiierte Massnahmen zur Verbesserung ihrer Situation, wie zum Beispiel die Durchführung von Spezialanlässen, rasch und wohlwollend zu prüfen und wo möglich aktiv zu unterstützen.

Sarbach möchte vom Stadtrat wissen, ob die Stadt Wil bereits Massnahmen getroffen habe, um der lokalen Gastronomie in dieser ausserordentlichen Situation Unterstützung zu leisten.

Zudem erkundigt er sich, inwiefern solche Hilfsleistungen – etwa der Erlass der Patentgebühren oder eine gebührenfreie Vergrösserung der Aussenfläche – möglich seien und ob der Stadtrat dazu bereit wäre, dies zu gewährleisten.

Stadtrat zeigt sich offen

Die Antwort des Stadtrats steht noch aus. Da das Parlament Erstinformationsrecht geniesst, kann er zu diesem Zeitpunkt keine Auskunft zum Sachverhalt geben. Trotzdem kann man schon jetzt sagen, dass Sarbach mit seiner Anfrage tendenziell auf offene Ohren stossen dürfte.

Susanne Hartmann, ehemalige Wiler Stadtpräsidentin.

Susanne Hartmann, ehemalige Wiler Stadtpräsidentin.

Bild: PD

In ihrem Abschlussinterview mit dieser Zeitung Ende Mai sagte die damalige Stadtpräsidentin Susanne Hartmann:

«Wir haben grössere Aussenflächen für Gastronomiebetriebe unkompliziert ermöglicht. Ich denke, dass wir das weiter so handhaben können.»

Auch wer die Obere Bahnhofstrasse betrachtet, sieht, dass einige Restaurants anscheinend bereits die Bewilligung erhalten haben, ihre Aussenflächen zu vergrössern.

Was den Erlass der Gebühren angeht, so ist die Frage weniger klar. Mit der Annahme der SVP-Resolution zur Unterstützung des lokalen Gewerbes hat das Parlament dem Stadtrat aber zumindest bereits ein Zeichen gegeben, dass es einer solchen Massnahme gegenüber grundsätzlich wohlwollend gesinnt wäre.

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