Blasmusik nach Stundenplan: Flawil hat eine Bläserklasse

Mathe, Deutsch und Instrumentalunterricht. Neu wird im Flawiler Enzenbühlschulhaus eine Bläserklasse geführt.

Andrea Häusler
Drucken
Teilen
Hier spielt die Musik: Im Klassenzimmer von Stephanie Elmer macht Trompetenlehrer und Harmoniemusik-Dirigent Wolfgang Dautel die Viertklässler mit den Noten vertraut. (Bilder: Andrea Häusler)

Hier spielt die Musik: Im Klassenzimmer von Stephanie Elmer macht Trompetenlehrer und Harmoniemusik-Dirigent Wolfgang Dautel die Viertklässler mit den Noten vertraut. (Bilder: Andrea Häusler)

Es ist eine multikulturelle Truppe, die am frühen Morgen das Klassenzimmer von Stephanie Elmer im Enzenbühlschulhaus füllt: 20 Kinder mit unterschiedlicher Hautfarbe, individuellen Vorlieben und Talenten, aus verschiedenen sozialen Schichten. Ausgeglichen ist einzig die Geschlechterverteilung: Die vierte Primarklasse setzt sich fast hälftig aus Knaben und Mädchen zusammen.

«Die Klasse veranschaulicht wunderbar die Idee des Projekts Bläserklassenunterricht», sagt die Leiterin der Musikschule Flawil, Ursula Jaggi. Unabhängig von seiner Herkunft und losgelöst von bekannten Interessen solle damit jedem Kind die Chance geboten werden, das Musizieren für sich zu entdecken. Dass gerade die Viertklässler aus dem Enzenbühlschulhaus diese Möglichkeit erhalten, ist Klassenlehrerin Stephanie Elmer zu danken. Sie – selber eine gute Klarinettistin – habe sich für das Projekt Bläserklasse angeboten, sagt Jaggi.

Die frischgebackenen Mittelstufenschüler hingegen hatten keine Wahl: Sie sind im Boot, ob sie wollen oder nicht. Wie Deutsch oder Mathematik ist der Instrumentalunterricht, als Alternative zum Fach Musik, Teil des Stundenplans – die einen mögen ihn, andere haben halt weniger Bock darauf.

Durchzogenes Interesse an der klanglosen Theorie.

Durchzogenes Interesse an der klanglosen Theorie.

Keine Rekrutierung von Blasmusiknachwuchs

«Das macht aber nichts», sagt Ursula Jaggi. Denn Ziel sei es nicht, möglichst viele Kinder in den Instrumentalunterricht der Musikschule zu lotsen. Wolfgang Dautel sieht das ähnlich. Der Musikschullehrer und musikalische Leiter der Jugendorchesters und Bläserensembles erteilt die beiden Mittwochslektionen im Enzenbühlschulhaus und doppelt nach. Es gehe nicht darum, Nachwuchs für die Harmoniemusik zu rekrutieren, sondern den Kindern zweierlei Erfahrungen zu ermöglichen:

«Die individuelle Beschäftigung mit einem Instrument und das Gemeinschaftserlebnis beim Musizieren im Orchester. 

Ob einzelne Lernende nach den zwei Projektjahren privat weiter musizieren, sei völlig offen.

Jedem Kind das persönliche Instrument

Ursula Jaggi ist vom Projekt überzeugt. Nicht nur, weil Kinder im Rahmen des regulären Schulunterrichts ein Instrument erlernen können und die musikalische Ausbildung per se etwas Ganzheitliches ist – etwas was Kopf und Gefühl fordert. Den wesentlichen Vorteil sieht auch sie in der sozialen Komponente:

«Die Klasse muss sich zu einem Team, einem Orchester zusammenraufen.»

Bevor jedoch orchestriert werden kann, gilt es, die nötigen Grundlagen zu erarbeiten. Am Mittwochmorgen stand Notenkunde an. Im Musikraum im Untergeschoss wurde dann die Theorie in der Praxis umgesetzt: mit stampfenden Füssen und raschelnden Klangkissen.

Die Instrumente sind bereits zugeteilt, lagern aber noch unbenützt in den Kästen und Hüllen. Sie werden gratis an die Kinder ausgeliehen: fünf Klarinetten, vier Flöten und Trompeten, drei Saxofone sowie je zwei Posaunen und Tenorhörner. Wer worauf tutet und bläst, ist zum Schuljahresbeginn während einer Instrumentepräsentation und -probe eruiert worden. «Die Kinder konnten drei favorisierte Instrumente notieren», sagt Wolfgang Dautel. Tatsächlich sei es gelungen, jedem sein ein Wunschinstrument zuzuweisen. Dieses darf nach Hause genommen werden: Wer üben mag, der darf dies tun.

Einbezug weiterer Schulhäuser und Klassen

Ende der fünften Klasse wird eine erste Bilanz gezogen. Ursula Jaggi hofft, dass das Schülerorchester fortbestehen wird. Werden die Erwartungen an den Instrumentalunterricht im Klassenzimmer erfüllt, könnte sie sich den Einbezug weiterer Schulhäuser oder auch die Führung einer Streicherklasse vorstellen.