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Blanker Horror im Tropenparadies: Die Theaterklasse der Kanti Wil überzeugt mit ihrem Drama

Die Theaterklasse der Kantonsschule Wil führte Andreas Galks einaktiges Drama «Die Insel» auf – und liess am Ende dabei die Zuschauer ebenso verstört wie begeistert zurück.
Christof Lampart
Die Theaterklasse der Kantonsschule Wil bei der Aufführung von «Die Insel» in der Kantonsschul-Aula. (Bild: Christof Lampart)

Die Theaterklasse der Kantonsschule Wil bei der Aufführung von «Die Insel» in der Kantonsschul-Aula. (Bild: Christof Lampart)

Acht schiffbrüchige Waisenmädchen auf einem ansonsten menschenleeren Eiland liegen in der Eröffnungsszene bewusstlos am Strand. Bei dieser Ausgangslage fängt das innere Frösteln im Zuschauerraum schon in den ersten Minuten an – da kann die Brandung noch so verheissungsvoll rauschen und das üppige Grün des nahen Dschungels (Bühnenbild: Yael Letnansky) Erinnerungen an die eigenen Ferien in den Tropen hervorrufen.

Die «Kälte» bleibt eine stete Begleiterin in der Theaterproduktion der Kantonsschule Wil (Regie: Adrian Kämpfer), welche im Rahmen des Freifachs Theater am Mittwochabend in der Aula der Kantonsschule Andreas Galks «Die Insel» aufführte.

Zerbrechlichkeit und Brutalität

Andreas Galk ist dafür bekannt, in seinen (Jugend-)Stücken die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Heranwachsenden zu thematisieren. Hier, bei der «Insel», ist es jedoch nicht einfach die psychische Unversehrtheit, die auf dem Spiel steht, sondern das Leben der Protagonistinnen als solches.

Tatsächlich: So rasch die Feriengefühle schwinden, so schnell nimmt die Brutalität innerhalb der Gruppe zu, die sich sehr schnell entlädt. Spätestens mit der Rückkehr von Cassy, die im Dschungel als einzige erfolglos nach ihrer verlorengegangenen Schwester Dana suchte, bricht das fragile soziale Gefüge im Camp zusammen, das man bis dahin mit gemeinsamen Arbeiten wie Feuermachen, Wassersammeln und Wachestehen mühsam aufrechterhalten hat.

Dass Dana schon längstens tot ist – sie starb vor Jahren zusammen mit ihren Eltern an einem tropischen Fieber, nur Cassy überlebte – weiss niemand, nicht einmal Cassy selbst, welche in ihrem immer mehr offenbarenden Wahn sich gegen Ende des einaktigen Dramas selbst als Dana bezeichnet und alle anderen terrorisiert. Doch zu Beginn schöpft niemand Verdacht – schliesslich stand Danas Name auf der Passagierliste – und jedes Mädchen kennt man in einem riesigen Waisenhaus auch nicht.

Wie es sich herausstellt, war zwar nicht die Reise, wohl aber die Passagierliste fingiert. Anders aber als beispielsweise bei Agatha Christies «Und dann war keines mehr» – Cassy zitiert sogar das Kinderlied «Zehn kleine Negerlein» – hat das Drama ein halbes Happy-End. Die Mädchen werden dank eines Peilsenders gefunden und abgeholt – nur die geistig verwirrte Cassy, deren Ende absehbar ist, bleibt zurück.

Geschlossene Ensembleleistung

Die Theaterklasse schaffte es, die Spannung Stück für Stück glaubhaft aufzubauen. Die Ensembleleistung war harmonisch und in ihrer Gesamtheit überzeugend. Insbesondere dort, wo Panik und Gewalt ausbrachen, hatten die jungen Schauspielerinnen ihre Stärken (Cassy: Pascale Hilber; Giorgina: Simone Lötscher; Lucy: Valentina Kopp; Ally: Erlinda Shabani; Fiona: Livia Schmidt; Syrah: Victoria Schnadt; Ruby: Marion Broger und Ezra: Laura Cerasuolo) .

Durch eine Art Matrosenlook (blau-weiss gestreifte Sweater) wurden Waisenhauszugehörigkeit und Schiffbrüchigkeit gekonnt durch die Kleidung wieder gespiegelt. Das Publikum dankte den Schauspielerinnen für ihr engagiertes Spiel mit einem herzlichen Applaus.

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