Bittersalz statt Bitterschokolade

FLAWIL. Vorab gesagt: Ich esse sehr gerne. Ich bin keines dieser Püppchen, das jede Kalorie einzeln zählt oder abends auf das Essen verzichtet.

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Bittere Zeiten brechen an: Der bittere Kampf gegen den leeren Teller – ein Selbstversuch zum Thema Fasten. (Bild: uam.)

Bittere Zeiten brechen an: Der bittere Kampf gegen den leeren Teller – ein Selbstversuch zum Thema Fasten. (Bild: uam.)

Flawil. Vorab gesagt: Ich esse sehr gerne. Ich bin keines dieser Püppchen, das jede Kalorie einzeln zählt oder abends auf das Essen verzichtet. Wenn ich nach dem Ausgang nach Hause komme und Heisshunger auf Pasta habe, dann koch ich mir ohne schlechtes Gewissen einen Topf voll «Pasta cinque Pi» oder lege einen Stop bei Mac Donald's ein. Doch als ich an diesem Mittwochabend den Saal im unteren Stock des Pfarreizentrums betrat, hatte ich meinen Entscheid bereits gefällt: Fasten als Selbstversuch – das ziehe ich durch.

Ursprung im Darm

Zu siebt sitzen wir am besagten Mittwochabend um den grossen Tisch; in der Mitte eine Kerze, die dem grau in grau gehaltenen Raum ein entspanntes Ambiente verlieh. «Ich möchte fasten, um meinem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Ausserdem interessiert es mich, wie lange ich so etwas durchhalte und wo sich meine Grenze befindet», erklärt eine Besucherin ihre Motivation am Informationsabend. Die Fastenwoche in Flawil findet dieses Jahr schon zum 17. Mal statt. Unter der Leitung von Pfarreiratspräsidentin Ruth Rohde Ehrat und dem Ehepaar Heidi und Walter Salis wird das Fasten vom Sonntag, 3. März, bis am Freitag, 8. März, durchgeführt. Das Wichtigste dabei: auf den eigenen Körper hören. In der Fastenwoche soll es aber nicht nur darum gehen, nichts zu essen, sondern auch darum, den gesamten Darm zu entleeren. Klingt unglaublich widerlich, soll aber sehr gesund sein und selbst von Ärzten empfohlen werden. Denn der Ursprung vieler Krankheiten befinde sich im Darm.

Als Abführmittel wird sogenanntes Bittersalz verwendet, das proportional zum Körpergewicht, in Wasser gelöst, getrunken wird. Schliesslich wird der Körper entsäuert und von Giftstoffen befreit. «Ich faste beinahe schon, seit es die Fastenwoche in Flawil gibt. Trotzdem finde ich es jedes Mal wieder erstaunlich, wie fit und vital man sich in dieser Woche fühlt und auch danach. Die Zeit, die man normalerweise fürs Essen aufwendet, kann für Dinge genutzt werden, für die sonst keine Zeit bleibt – zum Beispiel um ein gutes Buch zu lesen», sagt Walter Salis.

«Reine Kopfsache»

Obwohl dieses Jahr die Möglichkeit zum Teilfasten besteht, wobei man nur auf gewisse Dinge verzichtet, habe ich mich dafür entschieden, im März das Vollfasten zu praktizieren, das – wie der Namen bereits verrät – gar nichts essen bedeutet. Und zu meinem Entsetzen werden meine Mahlzeiten durch Tee, Wasser ohne Kohlensäure und salzlose Gemüsebrühe ersetzt – im Moment unvorstellbar für mich.

«Fasten ist eine Kopfsache. Der Prozess beginnt bereits im Kopf, das gibt einem Energie», sagt Ruth Rohde Ehrat und betont: «Diesen Entschluss muss jeder für sich selbst fassen.» Das vereinfache es, den Hunger zu bekämpfen. Und das Positive am Fasten: Nach einer Woche würde das Essen umso besser schmecken – kein Wunder bei diesem Bärenhunger.

Vanessa Meier Linero

In loser Folge wird die Wiler Zeitung über den Selbstversuch im Vollfasten berichten.