«Bisher» als Gütesiegel

Die SVP hat mit ihren Kandidaturen dafür gesorgt, dass die Sitze im Uzwiler Gemeinderat umkämpft sind. Sonst hätten CVP, FDP und SP die zu vergebenden Mandate wieder redlich untereinander aufgeteilt. Die CVP, die drei Sitze inklusive dem Gemeindepräsidenten stellt, will diesen Besitzstand wahren.

Merken
Drucken
Teilen

Die SVP hat mit ihren Kandidaturen dafür gesorgt, dass die Sitze im Uzwiler Gemeinderat umkämpft sind. Sonst hätten CVP, FDP und SP die zu vergebenden Mandate wieder redlich untereinander aufgeteilt. Die CVP, die drei Sitze inklusive dem Gemeindepräsidenten stellt, will diesen Besitzstand wahren. Obwohl sie, gemessen am Wähleranteil, im siebenköpfigen Gremium klar übervertreten ist. Da bisherige Gemeinderäte nur schwer aus dem Sattel zu heben sind, wird es wohl zu einem Zweikampf der beiden «Neuen» kommen. Haben doch CVP und SVP je eine Kandidatin für den freiwerdenden Sitz nominiert. Ob die SVP als wählerstärkste Partei reüssiert, bleibt offen. Sind doch bislang alle Versuche am absoluten Mehr gescheitert.

Das Adjektiv «bisher» ist so etwas wie ein Gütesiegel. Es scheint die Wiederwahl zu sichern. Nur ganz selten wird ein Bisheriger abgewählt. Dabei sind Bürger in Unkenntnis darüber, wie sich Gemeinderäte während der vergangenen Legislatur verhalten haben. Sind sie gut informiert zu Sitzungen erschienen? Haben sie die Unterlagen studiert oder sind sie unvorbereitet an die gemeinderätliche Zusammenkunft gegangen? Sind sie sattelfest in ihren Dossiers? Fragen über Fragen. Zumal der Bürger nicht erfährt, wie Gemeinderäte in Sachfragen abgestimmt haben. Schliesslich handelt es sich hier um eine Kollegialbehörde. Und so werden Beschlüsse gemeinsam gefällt und getragen.

Ein Entscheid allerdings erwies sich als aussergewöhnlich. Hatte doch die Exekutive ihr Gemeindepersonal dazu verknurrt, Überzeit bei gleichem Lohn zu leisten. Ganz im Gleichklang mit der hiesigen Industrie, die ihre Mitarbeiter ebenfalls länger arbeiten liess, ohne dies zu entschädigen. Der Gemeinderat verstand seine Aktion als Solidarität zum Technologiekonzern Bühler. Als ob eine Gemeindeverwaltung, die sich als Dienstleistungsbetrieb versteht, mit einem exportorientierten privatwirtschaftlichen Unternehmen zu vergleichen wäre. Dieser Entschluss hat über die Kantonsgrenzen hinweg für Aufsehen gesorgt. Uzwil, sonst in Medien kaum eine Randnotiz wert, fand sich plötzlich in den Schlagzeilen. Doch die Reaktionen blieben überwiegend negativ. Die rund hundert Angestellten der Gemeinde nahmen die verordneten Überstunden hin, ohne dafür Verständnis zu zeigen. Eine derartige Solidaritätsbezeugung sei grotesk und völlig fehl am Platz, monierten die Gewerkschaften. Inzwischen ist durchgesickert, dass dieser umstrittene Entscheid von allen Gemeinderatsmitgliedern mitgetragen worden ist. Auch von den beiden Sozialdemokraten, die doch eigentlich die Arbeitnehmer vertreten müssten. Sie treten als Bisherige wieder an.

Fritz Studli ist Journalist im Ruhestand und kommentiert in loser Folge das Lokalgeschehen.