Bisher 1800 Kinder behandelt

WIL. Vor 25 Jahren wurde in Wil eine Therapiestelle für Psychomotorik gegründet. Ihr Angebot richtet sich an Kinder mit Auffälligkeiten in der Bewegung, Wahrnehmung und im Verhalten. Organisiert ist die Therapiestelle als Verein.

Ursula Ammann
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In der Psychomotoriktherapie kann beim Entwicklungsstand des Kindes angesetzt werden. (Bild: pd)

In der Psychomotoriktherapie kann beim Entwicklungsstand des Kindes angesetzt werden. (Bild: pd)

Aus grossen Schaumstoffklötzen haben sich zwei Kinder eine Burg gebaut. Mit einem grossen Sprung flüchten sie hinein. Eine Übung, welche die räumliche Vorstellungskraft und deren praktische Umsetzung fördern soll.

«Psychomotorik ist eine Therapie, die sehr kindergerecht ist, da vieles über die Bewegung und das Spiel läuft», sagt Annette Schneider, Stellenleiterin der Psychomotoriktherapiestelle in Wil. Bereits seit 25 Jahren werden dort Kinder mit Auffälligkeiten in der Bewegung, in der Wahrnehmung und im Verhalten behandelt.

In den Stärken unterstützen

1989 legte Bruno Mock den Grundstein zur Therapiestelle. Er arbeitet heute noch dort – zusammen mit vier weiteren Therapeutinnen. Sie verfügen zusammen über 280 Stellenprozente und sind an den zwei Standorten in Wil und Niederuzwil tätig. In der 25jährigen Geschichte der Therapiestelle nutzten 1800 Kinder das Angebot. 81 Prozent davon sind Buben. Diese seien im Primarschulalter tendenziell eher betroffen von Entwicklungsrückständen als Mädchen, erklärt Annette Schneider.

Die Zuweisung erfolgt jeweils durch den schulpsychologischen Dienst oder durch Kinderärztinnen und Kinderärzte. Dies stets in Absprache mit den Eltern. Mit ihnen werden auch die Ziele der Therapie festgelegt. Letztlich gehe es immer darum, das Kind in dem, was es besonders gut könne, zu stärken, erklärt Annette Schneider. «So werden positive Erfahrungen und Erlebnisse vermittelt, was wiederum zu einem besseren Selbstbewusstsein führt.» Teil der Therapie ist es aber auch, das Kind mit spielerischen Übungen an seine Schwächen heranzuführen. «Man lernt durch das Handeln», erläutert Annette Schneider. Ist ein Kind beispielsweise ausserordentlich ängstlich, traut sich im Turnen nicht von einem Bock herunterzuspringen, so wird es in der Therapie zuerst ganz kleine Höhenunterschiede bewältigen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sei, dass die Kinder sich in einem geschützten Raum ausprobieren können, wo sie weder ausgelacht werden noch sich mit anderen vergleichen müssen und dazu noch die volle Aufmerksamkeit der Therapeutin geniessen. «Man kann genau beim Entwicklungsstand eines Kindes ansetzen», sagt Annette Schneider.

Zwölf Trägergemeinden

Während Therapiestellen für Psychomotorik andernorts direkt den Schulgemeinden angegliedert sind, ist jene in Wil eigenständig. Seit 1996 wird sie durch den «Verein Regionaler Stellen für Psychomotorik» getragen. Die zwölf Trägergemeinden stellen den Schulen das Leistungsangebot im Rahmen des sonderpädagogischen Konzeptes bereit. Die Kosten werden unter diesen Mitgliedergemeinden nach einem festgelegten Schlüssel verteilt. Zusätzlich übernehmen die Eltern und vereinzelt die Krankenkassen einen Teil der Kosten. Für die Eltern bleibt ein Selbstbehalt von zehn Prozent. Bei tiefen Einkommen kann dieser Betrag reduziert werden. Mitglieder des Vereins sind folgende Gemeinden: Wil/Bronschhofen, Flawil, Uzwil, Oberuzwil, Kirchberg, Jonschwil, Niederhelfenschwil, Oberbüren, Niederbüren, Zuzwil, Lütisburg und Mosnang.

Annette Schneider Stellenleiterin, Psychomotoriktherapiestelle Wil (Bild: uam)

Annette Schneider Stellenleiterin, Psychomotoriktherapiestelle Wil (Bild: uam)