Vier Abgänge für ein Hallelujah: Bischof Markus Büchel hält an Entscheidung im Kirchenstreit der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg fest

Trotz einer Petition mit 1600 Unterschriften: Vier Angestellte der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg müssen im Sommer gehen. 

Gianni Amstutz
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Firmung 2017 in Kirchberg, da war die Welt zumindest gegen aussen noch in Ordnung. Von links: Pastoralassistent Jürgen Kaesler, Pastoralassistentin Monika Oberholzer, Bischof Markus Büchel und Pfarrer Albin Rutz.

Firmung 2017 in Kirchberg, da war die Welt zumindest gegen aussen noch in Ordnung. Von links: Pastoralassistent Jürgen Kaesler, Pastoralassistentin Monika Oberholzer, Bischof Markus Büchel und Pfarrer Albin Rutz. 

Bild: Beat Lanzendorfer

«Es ist sehr schwierig, eine Lösung für eine solche Situation zu finden», sagt Bischof Markus Büchel. Tatsächlich schien ein Ausweg aus dem Kirchenstreit, der in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg entbrannte, beinahe unmöglich.

Auslöser waren die Demissionen von Pfarrer Albin Rutz, Seelsorgerin Katrin Blome und Religionspädagogin Monika Oberholzer. Als Grund gaben sie Differenzen im Pastoralteam und zwischen den Kirchenverwaltungsräten an und klagten über schlechte Zusammenarbeit mit dem Kirchberger Seelsorger Jürgen Kaesler.

Nun steht der Entscheid des Bistums: Alle vier müssen die Seelsorgeeinheit im Sommer verlassen.

Auch Petition bringt keine Entspannung der Situation

Eine Petition mit 1600 Unterschriften von Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern, die den Verbleib von Rutz, Blome und Oberholzer forderte, bleibt somit wirkungslos. «Eine Zusammenarbeit im Pastoralteam war nicht mehr möglich», sagt Bischof Markus Büchel.

In der Medienmitteilung heisst es, dass auch die Petition keinen Weg aufgezeigt habe, die Situation grundlegend zu entspannen. Das Bistum sah keinen anderen Weg als den Neustart. Die Demissionen, welche im November akzeptiert wurden, bleiben wirksam.

Versöhnung durch Haltung einzelner Personen verhindert

Auch Administrationsratspräsident Raphael Kühne sei in den vergangenen Monaten mit den Kirchenverwaltungsratspräsidenten und den Kirchenverwaltungen im Gespräch gewesen, schreibt das Bistum. Leider hätten auch auf dieser Ebene Spannungen und die Haltungen von Einzelnen eine Versöhnung und einen Neuanfang mit dem gesamten Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg verhindert.

Dass auch Jürgen Kaesler gehen wird, obwohl er ursprünglich kein Gesuch um eine Demission eingereicht hatte, ist als Zeichen des Neuanfangs zu werten. Büchel sagt:

«Es ist schwierig und müssig festzustellen, bei wem die Schuld liegt oder wo sie grösser war.»

Alle Beteiligten – auch das Bistum – hätten Fehler gemacht. Angesichts der angespannten Situation sei Kaesler zur Einsicht gelangt, eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Seelsorgeeinheit am sinnvollsten sei.

«Radikaler Schnitt war unumgänglich»


Das Bistum wisse darum, dass die vier bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren Pfarreien gute Arbeit leisteten und von den Gläubigen geschätzt werden. Umso bedauerlicher sei, dass das gelingende Miteinander im Team nicht möglich gewesen sei und nach den schwierigen Ereignissen in den vergangenen Monaten «der radikale Schnitt unumgänglich geworden ist». «Für die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger ist das traurig. Sie verlieren geschätzte Mitglieder des Seelsorgeteams», sagt der Bischof.

Übrig bleibt ein Imageschaden für die Katholische Kirche. Der öffentlich ausgetragene Streit zwischen den Kirchgemeinden Kirchberg, Bazenheid und Gähwil hinterlässt ein unrühmliches Bild über die Abläufe im Bistum.

Bischof und Bistumsleitung teilen mit den Gläubigen in den drei Pfarreien die Sorge um den grossen Schaden, den die öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen angerichtet haben, heisst es im Communiqué. Dies auch deshalb, weil gewisse Sachverhalte falsch dargestellt worden seien. Unter anderem sei dem Bischof vorgeworfen worden, er hätte den drei Mitarbeitenden, die von sich aus demissioniert hatten, «gekündigt». Das entspreche nicht den Tatsachen.

Der Bischof sagt aber auch selbstkritisch: «Seitens Bistum hätten wir rückblickend wohl offener kommunizieren und beispielsweise die Pfarreiräte frühzeitig einbeziehen sollen.»

Streit als Auslöser für eine Fusion der Kirchgemeinden?

Für das Team der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg bedeutet der Entscheid, dass sie im Sommer vier Mitarbeiter auf einen Schlag verliert. Sie zu ersetzen, wird keine leichte Aufgabe. Die Bistumsleitung werde die Verantwortlichen des heutigen Zweckverbands mit den drei Kirchgemeinden Bazenheid, Gähwil und Kirchberg dabei unterstützen, den Neustart ab Sommer 2020 mit geeigneten Mitarbeitenden anzugehen, lässt das Bistum St. Gallen verlauten.

Nebst der Trennung von vier Mitarbeitenden scheint die Angelegenheit aber auch ein Umdenken bezüglich der Strukturen bewirkt zu haben. Es gibt zumindest Anzeichen einer Annäherung der Kirchgemeinden. «Es besteht eine Spannung zwischen den Kirchgemeinden, aber auch die Einsicht, dass es nur funktionieren kann, wenn sie zusammenarbeiten», sagt Büchel.

In der Mitteilung ist die Rede von der Bereitschaft der Beteiligten, «gemeinsame Gespräche wiederaufzunehmen». Zudem hätten Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenverwaltungsräte an der Aussprache am Montag bekundet, eine Vereinigung der drei Kirchgemeinden ernsthaft zu prüfen.

Vier Betroffene wollen sich nicht öffentlich äussern

Und was sagen die vier Betroffenen selbst zur Angelegenheit? Vorerst gar nichts. Sie sind entweder nicht erreichbar – zwei von ihnen sind krankgeschrieben – oder wollen sich gegenüber den Medien nicht äussern. Es wird deutlich, dass sie die Geschichte ruhen lassen wollen. Der öffentlich ausgetragene Streit scheint auch ihnen zugesetzt zu haben. Der definitive Entscheid muss erst einmal verdaut werden.

Denn für die vier Betroffenen bedeutet der Entscheid auch, dass sie vor einer ungewissen Zukunft stehen, ging es doch beim Entscheid des Bistums auch um ihre Jobs. Sie müssen sich nun beruflich neu orientieren. Das Bistum schreibt dazu: «Der Priester, die zwei Seelsorgenden und die Religionspädagogin können sich für neue Aufgaben im Bistum bewerben.» Ob eine Arbeit im Bistum nach dem Geschehenen für sie noch in Frage kommt, bleibt allerdings abzuwarten.

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