Bis zu zehn Insekten sind von einer einzigen Pflanzenart abhängig

Die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen nimmt im Projekt der Gemeinden Oberuzwil, Uzwil und Jonschwil grosse Bedeutung ein. Am Samstag lud die Vernetzungskommission zum öffentlichen Austausch ein.

Christine Gregorin
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Eine Frage des Blickwinkels: Flora und Fauna besser verstehen lernen.

Eine Frage des Blickwinkels: Flora und Fauna besser verstehen lernen.

Johannes Burri ist kaum mehr zu sehen. Hat er sich doch in die fast hüfthohe Formentalwiese an der oberen Rifenau geduckt und streicht mit seinem ausgestreckten linken Arm scheinbar liebevoll über die Gräser. Fasziniert beobachtet ihn eine Gruppe von Interessierten. Auf dessen Geheiss ducken sie sich ebenfalls. Sofort werden seine Ausführungen noch nachvollziehbarer. Alles eine Frage des Blickwinkels, eindrücklich, was so ein Perspektivenwechsel bewirken kann.

Zehn Insekten pro Pflanze

Wildblumenspezialist Johannes Burri taucht mit seinen Gästen voll und ganz in die Welt der Zeigerpflanzen ein. (Bilder: Bilder: Christine Gregorin)

Wildblumenspezialist Johannes Burri taucht mit seinen Gästen voll und ganz in die Welt der Zeigerpflanzen ein. (Bilder: Bilder: Christine Gregorin)

Als eine der Untersten in der Nahrungskette sind Pflanzen die Basis allen Lebens. Pro Pflanzenart gibt es um die zehn Insekten, die darauf angewiesen sind. «Die Wiese ist ein Kulturgut, geschaffen von Menschenhand», betonte der Agronom und Wildblumenspezialist Johannes Burri. Besonders wertvolle oder schützenswerte Zeigerpflanzen seien Hinweise darauf, dass ein Biodiversität-Qualität-II-Standard erreicht und eine Weiterführung der Nahrungskette gewährleistet ist. Denn der Hauptzweck einer Wiese sei die Futterproduktion. «Der Pflanzenbestand passt sich sehr rasch an die Pflege an», weiss Johannes Burri aus langjähriger Erfahrung. Daher rät er, den Schnittzeitpunkt stets etwas zu variieren, um den verschiedenen Zeitpunkten des Aussamens gerecht zu werden.

Doppelt und dreifach sinnvoll

Jürg Kolb, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Uzwil, machte sich fürs Monitoring stark. Neben Distelfink, Gartenbaumläufer, Grünspecht, Neuntöter und Gartenrotschwanz – um nur einige zu nennen – gehören auch Schachbrettfalter, Sumpfschrecke oder Zauneidechse zu Zeigerarten für einen Biodiversität-Qualität-II-Standard. Ein regelmässiges Monitoring gibt Aufschluss über den effektiven Bestand und ist gleichzeitig Grundlage für den Erhalt von Beiträgen. In einem Obstgarten kann ausserdem durch die Anwesenheit von verschiedenen Vogelarten die Menge an Insektiziden markant reduziert werden.

Kontrolle als Standortbestimmung

Roman Steiger, Geschäftsführer des Kontrolldienstes für umweltschonende und tierfreundliche Qualitätsproduktion (KUT), gewährte einen Einblick in deren Tätigkeit. 2018 hat das KUT 604 Betriebe kontrolliert und 70 Mängel im Bereich der Vernetzung festgestellt, 123 falsche Baumzahlen eruiert, 60 Unstimmigkeiten in Bezug auf Biodiversität-Qualität-I und 207 auf Landschaftsqualität ausgemacht.

Erfahrungsaustausch

Informationen von Rückzugsstreifen oder Altgrasbestand, flexiblem Schnittzeitpunkt mit Auflagen über Strukturen aus Stein, Asthaufen, Tümpel, offene Bodenstellen und/oder einheimische dornentragende Sträucher bis hin zum Mähen mit dem Einachs-Motormäher muteten für den einen oder anderen der weit über 50 Anwesenden wie ein Buch mit sieben Siegeln an. Aber eigentlich war der Anlass ja eher als Erfahrungsaustausch unter Landwirten gedacht. Dennoch waren die Erklärungspuzzleteile für das Erkennen von Zusammenhängen innerhalb des grossen Ganzen hilfreich und machten die zwei Stunden auf dem Hof von Peter Künzle auch für Laien spannend.