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«Bis das Feldschiessen abgeschafft wird»: Lokale Schützenvereine sind für Schengen aber gegen das neue Waffenrecht

In rund zwei Wochen stimmen die Bürger über das neue Waffenrecht ab. Die lokalen Schützenvereine fürchten um ihren Sport. Sie sind sich einig: Das neue Recht schadet mehr, als dass es nützt.
Dinah Hauser
Feldschiessen: Schützen befürchten in Zukunft Einschränkungen im traditionsreichen Sport. (Bild: Andrea Stalder)

Feldschiessen: Schützen befürchten in Zukunft Einschränkungen im traditionsreichen Sport. (Bild: Andrea Stalder)

Der Termin rückt immer näher: Schon bald entscheidet das Schweizer Volk, ob das heimische Waffenrecht der EU angepasst werden soll. Die Interessengemeinschaft Schiessen Schweiz stellt sich gegen die Anpassung des Waffenrechtes. Es wird das Ende des Schiessens als Breitensport befürchtet. Die «Wiler Zeitung» hat bei lokalen Schützenvereinen nachgefragt.

Bei den Stadtschützen Wil wäre ein grosser Teil der Mitglieder vom neuen Gesetz betroffen, weil sie ein halbautomatisches Sturmgewehr benutzen, wie vom Präsidenten Paul Schönenberger zu erfahren ist. Genau auf solche Schusswaffen zielt das neue Waffengesetz ab (siehe Kasten). Künftig sollen sie als verboten gelten. Ein Sportschütze müsste neu statt eines Waffenerwerbscheins eine Ausnahmebewilligung beantragen. Kostenpunkt: 100 Franken. Schönenberger sagt:

«Für alle Beteiligten entsteht so ein grosser administrativer Mehraufwand.»

Auch für ein Ersatzteil müsste künftig zusätzlich ein Waffenerwerbsschein beantragt werden. Er fügt als Beispiel den Lauf an: «Ein aktiver Schütze wechselt diesen alle drei bis vier Jahre und müsste in diesem Zeitraum regelmässig bei den Behörden einen Antrag stellen.»

Sportgeräte statt Einbrecherschutz

Charly Klaus, Vereinsleiter der Sportschützen Wil, stimmt dem zu: «Es kann nicht sein, dass wir als Schützen von A nach B, ja gar nach C rennen müssen, um unsere Waffen zu behalten.» Er betont: «Für uns sind das Sportgeräte und nicht etwa Waffen für den Einbrecherschutz.»

Die Pistolen der Sportschützen Wil wären zwar nicht vom neuen Gesetz betroffen, der Verein stellt sich aber dagegen: «Wir stehen für den ganzen Schiesssport und dessen Tradition ein», sagt Klaus. Er befürchtet, dass in Zukunft die Einschränkungen zunehmen werden und beruft sich auf Artikel 17. Dieser sähe eine Überprüfung der Anwendung des Gesetzes im Fünfjahresrhythmus vor. Im Zuge dessen können auch Gesetzgebungsvorschläge gemacht werden.

Der Militärschützenverein Oberrindal stuft genau die längerfristigen Auswirkungen des Gesetzes als gefährlich ein für den Schiesssport in der Schweiz. «Somit wird die totale Entwaffnung in kleinen Schritten vollzogen, ohne dass das Schweizervolk dazu Stellung nehmen könnte», heisst es beim Verein. Klaus befürchtet:

«Erst wird die obligatorische Bundesübung und dann das Feldschiessen abgeschafft, bis man eine komplette Entwaffnung erwirkt hat.»

Der MSV Oberrindal gibt zu bedenken: «Viele Jugendliche lernen in Kursen den verantwortungsvollen Umgang mit Waffen.» Der Verein sieht keine Notwendigkeit einer Erneuerung des Waffenrechtes. «Mit der EU hätte man eine bessere Lösung finden müssen, zumal der Bundesrat bei der Einführung von Schengen versprochen hat, dass sich für die Schützen nichts ändert.»

«Grösster Teil der Waffen ist bereits registriert»

Die EU erhofft sich mit dem neuen Waffenrecht mehr Sicherheit für die Bevölkerung, auch in Bezug auf terroristische Anschläge. «Humbug» nennen die Schützenvereine diese Argumentation. Zum einen seien die Anschläge mit damals schon verbotenen vollautomatischen Schusswaffen verübt worden, zum anderen könne sich eine Person mit kriminellen Absichten die Waffen auch illegal besorgen. In der geplanten Markierung der Waffenbestandteile sehen die Vereine eine gewisse Hilfe für die Polizei. Jedoch sei dies mit grösseren Kosten für die Schützen verbunden, heisst es beim MSV Oberrindal. Klaus von den Sportschützen Wil hingegen sagt: «Der grösste Teil der Waffen ist bereits registriert. Als Schütze brauche ich einen Waffenschein. Die Behörden wissen also bereits, welche Waffe ich besitze.»

Die Abstimmungsvorlage zum neuen Waffenrecht

Die Europäische Union hat 2017 neue Waffenrichtlinien verabschiedet. Als Mitglied im Verbund der Schengen- und Dublinstaaten hatte die Schweiz Mitspracherecht und muss ihr Waffengesetz entsprechend anpassen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen; nun muss das Volk am 19. Mai darüber befinden.

Bei einer Annahme gäbe es wesentliche Änderungen im Bereich der halbautomatischen Schusswaffen mit grossen Magazinen (Sturmgewehr: mehr als zehn Schuss, Pistole: mehr als 20 Schuss). Diese gälten als verbotene Waffen. Prominente Beispiele sind das Sturmgewehr 90 und dessen Vorgänger 57, welche auch von der Armee verwendet werden oder wurden. Nach neuem Gesetz könnten diese Ordonanzwaffen wie bisher nach dem Militärdienst übernommen werden. Freie Schützen müssten künftig jedoch statt eines Waffenerwerbscheins eine Ausnahmebewilligung beantragen, sowie nach fünf und nach zehn Jahren nachweisen, dass sie einem Schützenverein angehören oder regelmässig an Schiessen teilnehmen. Als regelmässig gelten fünf Schiessen in fünf Jahren.

Sammler und Museen müssten neu nachweisen, dass sie die Waffen sicher verwahren und eine Verzeichnis führen. Waffenhändler müssten dem kantonalen Waffenbüro jegliche Transaktionen mit Waffen oder deren Bestandteilen innert 20 Tagen melden. Schliesslich müssten Hersteller die Feuerwaffen und ihre Bestandteile markieren.
Der Bundesrat und das Parlament empfehlen die Vorlage anzunehmen. Sie bringe punktuelle Verbesserungen im Schutz gegen Waffenmissbrauch. Besonders das Markieren aller wesentlichen Bestandteile einer Waffe soll es der Polizei erleichtern, die Herkunft einer Waffe zu klären und dem Schwarzmarkt soll so entgegengewirkt werden. Zudem soll der Informationsaustausch zwischen den Schengen-Staaten verbessert werden, wie etwa die Dokumentation, wem in der EU eine Waffe verweigert wurde. Der Bundesrat argumentiert, dass die friedliche Schiesstradition der Schweiz nicht gefährdet sei und niemand entwaffnet werde.

Bei einer Ablehnung der Vorlage drohe gemäss Bundesrat der automatische Ausschluss aus den Schengen- und Dublin-Abkommen. Dies sei so in den Verträgen festgehalten. Es sei denn, die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission beschliessen innerhalb von 90 Tagen etwas anderes. (dh)

Ein weiteres Argument der Befürworter ist, dass mit einer kontrollierteren Waffenabgabe Suizide verhindert werden könnten. Gemäss Statistiken des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums sind tatsächlich mehr als 20 Prozent der Selbsttötungen im Jahr 2016 auf Schusswaffen zurückzuführen. Die drei Vereine sind sich einig: Jeder Fall von Suizid ist tragisch. Sie sehen aber nicht, wie durch das neue Gesetz Suizide verhindert werden sollen. «Es wird argumentiert, dass Waffen schnell verfügbar sind», sagt Schönenberger von den Stadtschützen. Andere Mittel seien aber ebenso schnell zugänglich. Klaus von den Sportschützen weiss von Fällen in seinem Umfeld: «Die Personen besassen Waffen, entschieden sich aber für einen anderen Weg.»

Vielerorts wird argumentiert, dass bei einem Nein am 19. Mai die Ausschliessung der Schweiz aus den Schengen- und Dublin-Abkommen drohe. «Wir Schützen sind für Schengen», sagt Schönenberger. Bei einer Ablehnung müsse man sicherlich neu verhandeln. «Die EU wird sich nicht auf die Äste hinaus wagen und die Schweiz ausschliessen», prognostiziert Klaus.

«Wenn man will, dann schafft man es, innert den vorgegebenen 90 Tagen eine Lösung zu finden.»

Er appelliert an die Politiker: «Man muss sich für das Volk einsetzen und nicht immer das tun, was die EU sagt.»

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