Biorender klagt gegen Wil

MÜNCHWILEN. Seit dem 1. Juli 2013 verweigert Wil der Biorender AG die Bezahlung des ökologischen Mehrwerts von 50 Rappen pro Kilowattstunde Biogas. Das will die Münchwiler Biogasproduzentin nicht länger hinnehmen und bereitet eine Klage vor.

Hans Suter
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«Es gibt einen Weg in die Zukunft»: CEO Marcel Jaggi (links), VR-Vizepräsident Marcel Steiger und Verwaltungsratspräsident Markus Sägesser. (Bild: Hans Suter)

«Es gibt einen Weg in die Zukunft»: CEO Marcel Jaggi (links), VR-Vizepräsident Marcel Steiger und Verwaltungsratspräsident Markus Sägesser. (Bild: Hans Suter)

An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Winterthur wurde gestern Klartext gesprochen. «Die fehlenden Zahlungen der Aktionärin Wil bringt die Biorender AG an den Rand des finanziell Tragbaren», sagte Verwaltungsratspräsident Markus Sägesser. Notwendige Investitionen in den Betrieb und Unterhalt könnten nur unter grossen Einschränkungen getätigt werden. Der Verwaltungsrat erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Wil. Kernkritikpunkte sind, dass Wil seit dem 1. Juli 2013 den ökologischen Aufpreis von 50 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) Biogas nicht mehr bezahlt und zudem am 4. April diesen Jahres der Biorender AG mitteilte, ab sofort gar kein Biogas mehr zu beziehen.

«Fragwürdiger Versuch»

«Die politische Situation in Wil bezüglich der Biorender AG ist offensichtlich nicht einfach. Aber der fragwürdige Versuch der Stadt Wil, aus dem Engagement bei der Biorender AG aussteigen zu wollen, löst keines der anstehenden Probleme. Diese werden auf die Biorender AG und jene Aktionäre abgewälzt, die den Verpflichtungen bisher nachgekommen sind», sagte Markus Sägesser vor den Medien. Und er wurde noch deutlicher: «Die Stadt Wil entzieht sich mit ihrem aktuellen Verhalten ihrer Verpflichtungen und läuft damit Gefahr, massgebend die Verantwortung für ein allfälliges Scheitern der ohnehin schwierigen Mission Biorender AG übernehmen zu müssen.»

Klage in Vorbereitung

Durch die Kündigung des Gas-Swap-Vertrags der Stadt Wil per 30. Juni 2013 sind der Biorender bislang mehr als 1,5 Mio. Franken entgangen. Zu Unrecht, wie man bei der Biorender AG überzeugt ist und sich auf ein Rechtsgutachten beruft. Durch den Ausstieg Wil habe der Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) der Biorender AG einen bereits zugesicherten Beitrag von einer Million Franken verweigert. Dagegen hat die Biorender AG bereits Klage eingereicht. «Gegen die Stadt Wil ist die Klage in Vorbereitung», sagte Verwaltungsrats-Vizepräsident Marcel Steiger.

Gelassenheit bei der Stadt Wil

In welcher Form fühlen sich die Verantwortlichen bei der Stadt Wil den anderen Biorender-Aktionären verpflichtet? «Unter den Gas beziehenden Aktionären wurde ein Aktionärsbindungsvertrag abgeschlossen. Darin sind die Rechte und Pflichten geregelt. Für die Stadt Wil ist dieser Vertrag massgebend. Wil ist den Pflichten aus dem Aktionärbindungsvertrag zu jedem Zeitpunkt vollumfänglich nachgekommen», lautet die Antwort von Stadtschreiber Christoph Sigrist. Werden dennoch Rückstellungen gebildet? «Die Stadt Wil stuft aufgrund des heutigen Kenntnisstandes die Möglichkeit, einen allfälligen Prozess zu verlieren, als gering ein», antwortet Sigrist. Einer Übernahme der Biorender AG durch einen Investor steht Wil «grundsätzlich positiv gegenüber».

Gasbezug eingestellt

Christoph Sigrist bestätigt auch, dass die Stadt Wil seit April kein Biogas mehr von der Biorender AG bezieht. Ab 1. Juli 2013 habe gar kein Vertragsverhältnis mehr über den Bezug von Biogas bestanden. Wil habe die Biorender AG mehrfach auf den vertragslosen Zustand hingewiesen und ein Preisangebot gemacht. Das sei aber bis zur Kündigung unbeantwortet geblieben.

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