Biodiversität
«Es wäre schön, wenn das Beispiel Schule machte»: Private Bauherrschaft gleicht überbaute Flächen ökologisch aus

Die Überbauung Sonnenberg in Zuzwil ist fast fertiggestellt, die 15 Eigentumswohnungen bereits verkauft. Nun will die Bauherrschaft die Umgebung ökologisch aufwerten. Auf knapp 10000 Quadratmetern sollen Biodiversitätsflächen entstehen.

Andrea Häusler
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Das knapp 10'000 m² grosse Wiesland nördlich und östlich der beiden im Bau befindlichen Terrassenhäuser wird ökologisch aufgewertet.

Das knapp 10'000 m² grosse Wiesland nördlich und östlich der beiden im Bau befindlichen Terrassenhäuser wird ökologisch aufgewertet.

Bild: Andrea Häusler

Am südöstlichen Abhang Zuzwils reiht sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus. Moderne Terrassenhäuser mit gehobenen Eigentumswohnungen tragen, als Alternativen zu freistehenden Eigenheimen, dem Gebot zur inneren Verdichtung Rechnung. Zigmal findet sich die Adresse «Sonnenbergstrasse» im Telefonbuch. Noch Anfang der 80er-Jahre hatte der «Sonnenberg» für eine einzige Liegenschaft gestanden: das Wohnhaus mit Ökonomiegebäude der Drogistenfamilie Paul und Ursula Maeder.

Die auf vier Ebenen angelegten 15 4 ½- und 5 ½ -Zimmer-Wohnungen sind bereits verkauft. Im Herbst sollen sie bezugsbereit sein.

Die auf vier Ebenen angelegten 15 4 ½- und 5 ½ -Zimmer-Wohnungen sind bereits verkauft. Im Herbst sollen sie bezugsbereit sein.

Bild: Andrea Häusler

Hier ist Linus Maeder, Architekt in Engelburg, aufgewachsen. Aus seinem Büro stammt auch das Projekt der beiden Terrassenhäuser, die auf dem Areal der elterlichen Liegenschaft am Entstehen sind. Die 15 Eigentumswohnungen sind bereits verkauft. Im Herbst sollen sie bezugsbereit sein.

Der Natur etwas zurückgeben

Jetzt liegt ein weiteres Projekt öffentlich auf. Dieses betrifft die knapp 10'000 Quadratmeter der Grünfläche oberhalb und östlich der neuen Überbauung. Die beiden Parzellen sind ebenfalls im Besitz der Familie und sollen nun ökologisch aufgewertet werden. Linus Maeder sagt:

Linus Maeder, Architekt ETH, Engelburg.

Linus Maeder, Architekt ETH, Engelburg.

«Für die neue Überbauung musste das elterliche Grundstück vollständig gerodet werden – leicht fiel mir das nicht.»

Nun sei das Neubauprojekt weitgehend und erfolgreich abgeschlossen. «Ich habe das ehrliche Bedürfnis, der Natur etwas zurückzugeben.» Maeder betont, dass es sich beim Aufwertungsprojekt ausschliesslich um die Gestaltung von Flächen zu Gunsten Biodiversität gehe: «Wir haben keinen Anspruch auf Aussenflächen für die Siedlung, planen nicht etwa eine parkartige Landschaft.»

Benachbarter Biobauer als Pächter

Bewirtschaftet wird das abfallende Wiesland von Biobauer Urs Flammer, dessen Hof am Fuss des Sonnenbergs liegt. «Mit ihm wird ein Pachtvertrag abgeschlossen», sagt Linus Maeder. Alles Weitere obliege dem Landwirt, auch was die Entschädigung für die Pflege ökologischer Ausgleichsflächen betrifft.

Bislang wurden die der Grünzone zugewiesenen Parzellen als Viehweide genutzt. Ein Zuzwiler Bauer habe die Fläche in Absprache mit seinen Eltern ganz formlos und unbürokratisch unterhalten, sagt Linus Maeder und ergänzt: Verträge gab es keine. Mit der Überbauung «Sonnenberg» hätten jedoch die Zufahrtsmöglichkeiten zu den beiden Grundstücken geändert, was – seitens des Landwirts – das Interesse an einer Fortführung der bisherigen Lösung geschmälert habe.

Obstbäume, Hecken und ein Trockenbiotop

Die Entwicklung des Projekts, das bis zum 17. Juni im Zuzwiler Gemeindehaus aufliegt, ist aus einer Zusammenarbeit zwischen der Grundeigentümerschaft mit Pro Natura und der Bernhard Gartenbau hervorgegangen. Gemäss Planung sollen hier Apfel- und weitere Obstbäume, Kastanien- und Nussbäume, Wildhecken mit Totholz oder Kräutersäumen gepflanzt und Steinhaufen aufgeschichtet werden. Im Bereich des bestehenden Quellschachts ist ein Trockenbiotop vorgesehen.

Für Linus Maeder ist das Projekt aufgrund des persönlichen Ortsbezugs eine Herzensangelegenheit. Aber nicht nur: «Es wäre schön, wenn das Beispiel Schule machte und weitere Investoren veranlasste, überbaute Flächen aus eigener Initiative ökologisch auszugleichen.