BILDUNG: Lernschwache Kinder sollen in Regelklassen bleiben

Auf Basis des kantonalen Sonderpädagogikkonzepts hat der Wiler Stadtrat die Ausrichtung des lokalen Förderkonzepts für die Schulen der Stadt Wil genehmigt. Dies bedeutet integrativen Unterricht statt Kleinklassen.

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Der Erziehungsrat des Kantons St. Gallen hat im Frühling 2015 ein kantonales Sonderpädagogikkonzept verabschiedet. Zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten favorisiert dieses Konzept eine integrierte schulische Förderung (ISF) ab dem 1. Kindergartenjahr und damit eine integrative Beschulung in Regel- statt in Kleinklassen.

Die St. Galler Schulgemeinden seien aufgefordert worden, ihre lokalen Förderkonzepte bis zum Schuljahr 2018/19 diesen neuen Vorgaben anzupassen, heisst es in einer Mitteilung der Stadt. In Wil seien Schulrat und Schulleitungen sowie die Arbeitsgruppe Sonderpädagogik und eine Begleitgruppe mit Lehrpersonen aus diversen Schuleinheiten diesem Auftrag des Erziehungsrats nachgekommen.

Das System harmonisieren

Aktuell wird in den Wiler Kindergärten nur vereinzelt ISF praktiziert; auf der Unter- und Mittelstufe erfolgt eine integrative Beschulung in den Primarschulen Allee, Bronschhofen und Rossrüti, in den anderen Schuleinheiten gibt es Kleinklassen für Schüler mit Lernschwierigkeiten. Die derzeit unterschiedlichen Fördersysteme an den Schulen der Stadt Wil sollen harmonisiert werden. Die beteiligten Gremien sprachen sich dabei für eine vermehrt integrative Richtung aus. Im Sinne eines Richtungsentscheids hat der Schulrat diese Haltung im Dezember bestätigt: «Die inte­grative Beschulung ermöglicht Kindern mit besonderem Förderbedarf, in einer Regelklasse zu verbleiben und trotzdem eine adäquate Förderung zu erhalten», schreibt die Stadt. Auf dieser Basis entwickelte die Arbeitsgruppe Sonderpädagogik verschiedene Varianten, die den Schuleinheiten zur Stellungnahme unterbreitet wurden. Aufgrund der Beratungsergebnisse aus der Arbeits- und Begleitgruppe sowie den Teamrückmeldungen aus den Schuleinheiten hat der Stadtrat die Eckpunkte des neuen lokalen Förderkonzepts für die Schulen der Stadt Wil gutgeheissen, wobei die bisherigen Ressourcen für die sonderpädagogischen Unterstützungsmassnahmen (Personalpool Sonderpädagogik) beibehalten werden sollen. Im neuen Förderkonzept sind folgende Aspekte vorgesehen: Im Zyklus 1 und 2 (1. Kindergartenjahr bis 2. Klasse sowie 3. bis 6. Klasse) wird ein Schwerpunkt auf der integrativen Förderung gesetzt, ergänzend dazu werden im Zyklus 2 zwei zentrale städtische Kleinklassen mit sozialpädagogischem Ansatz geführt. Um die Fördermassnahmen an die spezifischen Gegebenheiten anpassen zu können, wird den Schuleinheiten der Primarstufe ein entsprechender Gestaltungsspielraum ermöglicht. Im Zyklus 3 (1. bis 3. Oberstufe) wird vorläufig am bisherigen System mit Kleinklassen festgehalten – dies vor allem darum, weil die Konzipierung eines neuen Fördersystems auf der Oberstufe abhängig ist von der geplanten Überarbeitung des kantonalen Oberstufenkonzeptes, welches bis Frühling 2017 vorliegen sollte. (sk/red)