BILDUNG: Gefördert und gefordert

Die Musiktalentschule im Oberstufenzentrum Degenau in Jonschwil geht im August ins dritte Jahr. Mit den Zusatzlektionen wird von den Schülerinnen und Schülern einiges abverlangt. Talent allein genügt nicht.

Urs Bänziger
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Talentschülerin Jeannine Häberli aus Oberuzwil mit Klavierlehrerin Yoshiko Arnold. (Bild: PD)

Talentschülerin Jeannine Häberli aus Oberuzwil mit Klavierlehrerin Yoshiko Arnold. (Bild: PD)

Urs Bänziger

urs.baenziger@wilerzeitung.ch

Sie ist die sechste und jüngste im Kanton und geht im August ins dritte Schuljahr: die Musiktalentschule im Oberstufenzentrum Degenau in Jonschwil. Ab Sommer kommen zwei Mädchen und zwei Knaben hinzu. Insgesamt sind es dann neun Jugendliche, welche an der Talentschule unterrichtet werden. Eine Bewerberin wurde abgewiesen. «Sie hat die Aufnahmeprüfung nicht bestanden», sagt Schulratspräsident Köbi Zimmermann. Die Anforderungen an die Musiktalente sind hoch. «Wir nehmen nur ­Jugendliche mit ausgewiesenen Fähigkeiten auf», sagt Zimmermann. Eine Schülerin hat die ­Talentschule abgebrochen. Ihr sei die Doppelbelastung mit der gezielten Musikförderung und dem Unterricht in der Regel­klasse zu viel geworden, erklärt Schulleiter Thomas Plattner.

Jugendliche, welche die Musiktalentschule besuchen wollen, müssen überdurchschnittlich motiviert sein. «Die Schülerinnen und Schüler müssen sich bewusst sein, was auf sie zukommt und sich ganz auf den Unterricht konzentrieren. Viel Zeit für Hobbys bleibt nicht mehr», sagt der Schulratspräsident. Er und der Schulleiter finden es deshalb ideal, wenn pro Schuljahr vier bis fünf Jugendliche in die Talentschule eintreten. Für mehr würde es auch aus Kapazitätsgründen nicht reichen.

Schüler kommen aus der Region

Die Jugendlichen, welche die Musiktalentschule besuchen, kommen aus Jonschwil und der Region. «Unsere Talentschule ist kein Selbstläufer», betont Zimmermann. «Die Jugendlichen müssen sich mit ihren Eltern den Eintritt gut überlegen. Denn sie machen einen Riesenschritt. Neben den hohen Anforderungen müssen die Jugendlichen, die von auswärts kommen, einen längeren Schulweg in Kauf nehmen und die Mittagsverpflegung in der Schule einnehmen.»

Schulratspräsident und Schulleiter sind zufrieden, wie sich die Musiktalentschule entwickelt. «Im Oberstufenzentrum Degen­au führen wir eher kleinere Klassen. Dieser Umstand und die gute Infrastruktur, die uns hier zur Verfügung seht, waren ausschlaggebend, dass im August 2015 die Musiktalentschule eröffnet wurde», sagt Zimmermann. Aus finanzieller Sicht ist sie nicht gewinnbringend. «Mit den Schulgeldern, das wir für die auswärtigen Jugendlichen erhalten, können wir die Zusatzkosten decken.» Der Gewinn liege auf der ideellen Ebene. «Die Musiktalentschule ist eine Aufwertung für die Schule Jonschwil. Dank ihr können wir uns als innovative Schule positionieren», sagt Zimmermann. Auf die Mitschüler in den Regelklassen hätten die Talentschüler einen positiven Einfluss, ergänzt der Schulleiter. «Ihre Motivation überträgt sich auf andere Jugendliche.» Die Talentschule schaffe keine Konkurrenz, sondern bereichere den Schulbetrieb. Thomas Plattner nimmt die zusätzliche Herausforderung und Mehrbelastung gerne in Kauf. «Kopfzerbrechen habe ich eigentlich nur, wenn ich den Stundenplan erstelle und schauen muss, dass für alle Lektionen Räume zur Verfügung stehen.»

Neben dem Unterricht in der Regelklasse absolvieren die Talentschüler sechs Zusatzlektionen in der Woche. Drei davon sind theoretische Fächer wie Stimm- und Gehörbildung, Rhythmus und Harmonielehre. In den anderen drei Lektionen üben sie im Einzelunterricht auf ihrem Haupt- und dem Nebeninstrument. «Unsere Musiktalentschule bewegt sich dank ausgewiesener Lehrpersonen auf ­hohem Niveau. Sie ist eine gute Basis für weiterführende Schulen», sagt Köbi Zimmermann.

Zurzeit bereiten sich die Musikschüler auf das Konzert zum Schuljahresschluss vom 15. Juni vor. An diesem öffentlichen Anlass (19.30 Uhr im OZ Degenau) spielen sie auf ihren Haupt- und auf den Nebeninstrumenten.

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