Bildung aus Eigenanbau

Über Kürbisse, die sich in Halloween-Fratzen verwandeln, aber auch über Eier, die an den Privathäusern von Lehrern in Wallenwil landeten, las man diesen Herbst in der Zeitung.

Ursula Ammann
Drucken
Teilen
St. Gallen - Ursula Ammann Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

St. Gallen - Ursula Ammann Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Über Kürbisse, die sich in Halloween-Fratzen verwandeln, aber auch über Eier, die an den Privathäusern von Lehrern in Wallenwil landeten, las man diesen Herbst in der Zeitung.

Vor 100 Jahren wäre diese Zweckentfremdung von Lebensmitteln undenkbar gewesen. Es herrschte Krieg, die Ernte fiel wegen des nassen Sommers schlecht aus. Es mangelte an Nahrung. In einem Zeitungsartikel, der am 28. Oktober 1916 – also vor genau einem Jahrhundert – in der Wiler Zeitung erschien, informierte der Gemeinderat Wil über einen Entschluss des Regierungsrats. All jenen, die auf ihrem Land Gemüse, Kartoffeln oder Getreide anbauen, sei eine Prämie von 50 Franken pro Hektare zu entrichten, hiess es darin. Dies, um den Feldbau angesichts der Nahrungsknappheit zu fördern.

Gegen den vermehrten Anbau von Nahrungsmitteln auf freien Flächen wäre auch in Zeiten des Überflusses nichts einzuwenden. Man stelle sich vor, die Schulkinder könnten ihre Räben für den Räbeliechtliumzug oder ihre Kürbisse für Halloween eigenhändig in einer städtischen Grünanlage anbauen und dort wieder ernten. Das wäre nicht nur ein pädagogisch sinnvolles Erlebnis, sondern würde auch die Wertschätzung gegenüber einem Lebensmittel steigern. Und wenn sie dann erst noch Hühner halten müssten, um Eier für nächtliche Wurfattacken zu generieren, würden sie sich wohl zweimal überlegen, ob sich der hohe Aufwand dafür wirklich lohnt.