Bilanz nach 18 Qualifikationsspielen: Der EC Wil ist auf dem Weg zum Spitzenteam im Amateureishockey

Starker Angriff, verbesserte Defensive: Der EC Wil liegt kurz vor der Weihnachtspause auf Platz vier der 1. Liga Ost. Die Wiler Erfolgsfaktoren sind die Heimstärke, geschickte Transfers in der Verteidigung − und eine starke Sturmformation.

Tim Frei
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Wil-Verteidiger Florian Huber (links) war lange verletzt. Am Dienstag erzielte er sein erstes Saisontor.

Wil-Verteidiger Florian Huber (links) war lange verletzt. Am Dienstag erzielte er sein erstes Saisontor.

Bild: Urs Bucher (Wil, 4. September 2019)

Der EC Wil hat vor der Saison den fünften Platz als Minimalziel kommuniziert. Kurz vor der Weihnachtspause sind die Wiler über dem Soll: Mit 33 Punkten aus 18 Partien sind sie auf Rang vier der 1. Liga Ost klassiert.

Wil ist sportlich auf bestem Weg zum Spitzenteam im Amateureishockey. Nach starkem Saisonstart waren die Ostschweizer zweimal Leader. Gewiss, sie hatten ein vergleichsweise einfaches Startprogramm. Dass sie aber bis heute nie schlechter als Vierter waren, beweist ihr konstant hohes Niveau. In den Direktbegegnungen mit den Topteams Frauenfeld, Wetzikon und Pikes Oberthurgau hielten sie oft gut mit – auch wenn die Bilanz mit 2:3 negativ ist.

Die Regionalsport-Redaktion hatte vor Saisonbeginn der 1. Liga Wils Rangierung nach der Qualifikation getippt. Eine Zwischenbilanz nach 18 von 27 Spielen, also deutlich mehr als die Hälfte:

Zu Hause unbesiegt, auswärts schwächelnd

Basis des Höhenflugs ist die Wiler Heimstärke. Sie sind in der Eishalle Bergholz noch unbezwungen, und dies nicht nur in der Meisterschaft, sondern auch in der Cup-Qualifikation: Vergangenen Sonntag besiegten sie den oberklassigen EHC Arosa mit 2:0. Mit acht Erfolgen in acht Heimspielen holten sie 24 ihrer 33 Punkte zu Hause, was 73 Prozent entspricht.

Nebst Wil hat nur noch der souveräne Leader Frauenfeld in Heimspielen keine Punkte abgegeben. Die Wiler liegen 15 Punkte hinter den Thurgauern. Ihr Rückstand erklärt sich also vor allem durch die schwache Auswärtsleistung. Auf fremdem Eis resultierten sieben Niederlagen und drei Siege, wovon einer nach Penaltyschiessen.

Offensichtlicher wird die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsauftritten, wenn man Wils Torverhältnisse in Beziehung setzt: zu Hause 39:15, auswärts 33:46 und insgesamt 72:61. Daraus folgt: Auswärts kassierten die Wiler 75 Prozent aller Gegentore und erzielen 46 Prozent aller Tore. In Heimspielen ist auch der Schnitt pro Partie deutlich besser: 4,88 Treffer statt 3,3 und 1,88 erhaltene Tore statt 4,6.

Leicht stabilere Defensive als in der Vorsaison

Aus diesen Daten zeigt sich eindeutig: Die Abwehr ist nach wie vor die grosse Baustelle. Mit 3,39 Gegentreffern pro Spiel gelang eine kleine Steigerung zur Vorsaison mit einem Wert von 3,56. Im Vergleich mit der Konkurrenz sind die Wiler gleich stark wie in der Vorsaison: Damals stellten sie mit 96 Gegentoren die statistisch fünftschlechteste Defensive, aktuell sind sie das mit 61 erhaltenen Treffern auch.

Natürlich reichen diese Leistungen noch nicht für den Sprung nach ganz vorne. Doch die Mannschaft spielt oft defensiv gefestigter als in der vergangenen Spielzeit. Gegen Arosa oder beim 4:1-Heimsieg im Spitzenspiel gegen Frauenfeld war dies nicht zu übersehen.

Verteidiger Simon Steiner gab der Wiler Defensive Stabilität.

Verteidiger Simon Steiner gab der Wiler Defensive Stabilität.

Urs Bucher

Die Transfers des Torhüters Daniel Schenkel und der Verteidiger Noah Isler und Simon Steiner haben sich ausbezahlt. Mit seinen Paraden gab Schenkel den Wilern oft eine Siegchance – wie zuletzt auch Oliver Etter gegen Arosa. Steiner bestritt zwar nur zwölf Meisterschaftspartien, doch er gab dem Team defensive Stabilität. Offensivverteidiger Isler war auch mehrheitlich sattelfest.

Viertbester Sturm – nicht zuletzt dank Toplinie

Das Wiler Prunkstück ist eindeutig die Offensive. Mit 72 Toren in 18 Spielen und damit vier pro Partie haben sie den viertbesten Angriff der 1. Liga Ost – vergangene Saison waren sie die Nummer zwei. Ein Erfolgsfaktor ist die beste Angriffsreihe mit Andreas Ambühl, Elia Mettler und Fabio Högger: Die drei Stürmer sind an 65 Prozent aller Wiler Tore beteiligt und waren nur beim 4:1 gegen Frauenfeld ohne Punkt. Diese hohe Abhängigkeit ist ein weiterer Unterschied zu den Thurgauern, die über grosse Ausgeglichenheit verfügen.

Neuzugang Dominik Senn überzeugt als Punktesammler und pfeilschneller Flügelstürmer.

Neuzugang Dominik Senn überzeugt als Punktesammler und pfeilschneller Flügelstürmer.

Michel Canonica

Mit den Abgängen von Remo Heitzmann und Dario Eigenmann hatten die Wiler Substanz im Sturm verloren. Doch es gelang ihnen, dies über mehrere Schultern zu kompensieren. Dominik Senn, in dieser Saison neu dabei, sammelte neun Punkte in elf Partien, und überzeugte vor allem als pfeilschneller Flügelstürmer.

Matteo Schärer hat sich im Vergleich zur Vorsaison gesteigert.

Matteo Schärer hat sich im Vergleich zur Vorsaison gesteigert.

Urs Bucher

Högger profitiert davon, dass er als Mittelstürmer von Ambühl und Mettler spielen kann. In 14 Partien ist er bei 18 Punkten angelangt. Damit hat er den Wert der vergangenen Qualifikation – 16 Punkte in 23 Spielen – bereits übertrumpft. Gleiches gilt für Tommy-Lee Kälin: In 18 Spielen liegt er bei neun Punkten, vergangene Saison holte er acht Punkte in 22 Spielen. Matteo Schärer hat sich leicht gesteigert: 0,89 Punkte pro Spiel statt 0,85.

Wurden schon Verträge verlängert?

Für die Wiler kann es fürs neue Jahr nur ein Ziel geben: mindestens Rang vier nach der Qualifikation und damit das Heimrecht im Playoff. Dass der Verein trotz der starken ersten Saisonhälfte noch keine Vertragsverlängerungen mit Spielern kommuniziert hat, überrascht. «Es wäre schade, wenn man dieses erfolgreiche Team nicht zusammenhalten könnte», sagt Captain Lars-Kevin Spillmann. Er weiss bisher auch nicht, wie das Kader in der nächsten Saison aussieht. Das ist kein gutes Zeichen, zumal einige Wiler Spieler begehrt sein dürften.

Redaktionstipp vor der Saison: Rang 6. Aktuelle Rangierung: 4.

EC Wil empfängt am Samstag Herisau


Im letzten Spiel dieses Jahres treffen die Wiler am Samstag, 17.30 Uhr, zu Hause auf Herisau. Im ersten Saisonvergleich resultierte eine 2:5-Auswärtsniederlage gegen die Appenzeller. Für Stürmer Andreas Ambühl ist es bisher eine erfolgreiche Woche. Am Mittwoch erzielte er für den EHC Arosa seinen ersten Treffer in der dritthöchsten Liga. Die Partie endete 3:2 für den Gast aus Chur. Arosa hatte Ende Oktober eine B-Lizenz für Ambühl gelöst. (tm)

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