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BILANZ: «Mein Lohn ist akzeptiert»

Der 47-jährige Roman Habrik ist seit dem 1. Januar Gemeindepräsident in Kirchberg. Nach hundert Tagen im Amt zieht er eine positive Zwischenbilanz. Ihm gefällt das Amt im öffentlichen Dienst.
Beat Lanzendorfer
Gemeindepräsident Roman Habrik hat auf dem Dach des Gemeindehauses eine prächtige Aussicht auf seine Gemeinde. Hinten rechts der Säntis. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Gemeindepräsident Roman Habrik hat auf dem Dach des Gemeindehauses eine prächtige Aussicht auf seine Gemeinde. Hinten rechts der Säntis. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@xy.ch

Herr Habrik, sind Sie nach hundert Tagen im Amt im öffentlichen Dienst schon angekommen, nachdem Sie bisher nur in der Privatwirtschaft tätig waren?

Das Wichtigste ist überall dasselbe. Es braucht ein gutes Team. Das habe ich. Ob ich gut angekommen bin, müssen schlussendlich die Einwohnerinnen und Einwohne beantworten. Aus meiner Sicht und aufgrund der Feedbacks, die ich erhalten habe, kann ich sagen, dass ich einen guten Start hatte.

Was sind die grössten Unterschiede zwischen einer Tätigkeit in der Privatwirtschaft und einem Amt im öffent­lichen Dienst?

Ein Vergleich ist schwierig. Ich war vorher nicht Geschäftsführer, darum sind die Arbeitsinhalte nicht vergleichbar. Die Tage sind intensiver, aber abwechslungsreicher. Vorher hatte ich klare Zielvorgaben von meinem Vorgesetzten. Heute muss ich mich bei meinen Entscheiden fragen, ob eine Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohner meine Entscheidungen nachvollziehen können. Umsatz und Deckungsbeitrag sind nicht mehr die wichtigsten Kennzahlen. Die Verwaltung in Kirchberg ist effizient und muss den Vergleich mit der Privatwirtschaft aber nicht scheuen.

Mit vielen Geschäften waren Sie bisher nicht vertraut. Müssen Sie viel Zeit aufwenden, um einen Einblick in die einzelnen Dossiers zu erhalten?

Die Vielfalt an Themen ist riesig. Ich bin es den Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinde schuldig, dass ich Entscheide treffe, die fundiert sind. Darum lese ich mich in die einzelnen Dossiers vertieft ein. Das braucht am Anfang etwas mehr Zeit, das ist aber normal.

Bereitet Ihnen die massive Verschuldung, die aufgrund der Schulneubauten auf die Gemeinde Kirchberg zukommt, Kopfzerbrechen?

Auf der einen Seite konnte ich unbelastet an die Planung herangehen und die Projekte nun starten. Auf der anderen Seite hatte ich schon ein, zwei schlaflose Nächte bezüglich der Finanzierung. Nun bin ich überzeugt: «Wir schaffen das.» Bis die Schulhäuser stehen und wir definitiv wissen, wie viel sie gekostet haben, werden wir die eine oder andere sonstige Investitionen nach hinten schieben müssen. Ich bin mir aber sicher, dass die Einwohner für die Situation Verständnis aufbringen.

Im Februar hat das «St. Galler Tagblatt» die Löhne der Gemeindepräsidenten öffentlich gemacht. Gab es darauf für Sie spürbare Reaktionen?

Ich wurde in der Öffentlichkeit ein einziges Mal darauf ­an- gesprochen. Wenn die Einwohner spüren, dass man mit Leib und Seele an der Arbeit ist, und erkennen, wie hoch das Arbeitspensum ist, dann denke ich, ist der Lohn akzeptiert.

Gab es auch etwas, von dem Sie nicht wussten, dass es zu den Aufgaben eines Gemeindepräsidenten gehört?

Klärschlammkommission und Grubenkommission sind zwei Beispiele, die für mich vorher ­unbekannt waren. Es kommen sicher noch Aufgaben hinzu, mit denen ich nicht gerechnet habe. Dass ich so viel Zeit mit Themen rund ums Bauen verbringe, hätte ich ebenfalls nicht erwartet.

Wie werten Sie die Abstimmungsergebnisse an der Bürgerversammlung vom 31. März?

Für mich ist es grundsätzlich ein Zeichen des Vertrauens, dass die Vorschläge des Gemeinderates von der Bevölkerung mitgetragen wurden. Wir informierten offen und transparent im Gemeindeblatt und an den Anlässen vor der Bürgerversammlung. Ich bin sicher, es werden in Zukunft auch Themen kommen, die kontrovers diskutiert werden. Dann wünsche ich mir, dass die Diskussion vor und nicht erst an der Bürgerversammlung aufkommt – oder noch besser, dass Personen an einem offenen Ohr vorbeikommen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind.

Welche Geschäfte haben aktuell für Sie ­Priorität?

Die Schulbauten, die Energie­versorgung mit Fernwärme, die Integration der Asylsuchenden und Flüchtlinge und das neue ­Baureglement. Zudem der Austausch mit Industrie und Ge­werbe, um zu verstehen, was es braucht, um noch bessere Rahmenbedingungen zu bieten. Und dies alles bei einer guten Kostenkontrolle.

Wie werden Asylsuchende und Flüchtlinge in der ­Gemeinde integriert?

Derzeit betreuen wir 85 Personen, die noch nicht sieben Jahre in der Schweiz sind. Das A und O ist es, Deutsch zu lernen, anschliessend die Vermittlung von Praktika oder Arbeitsintegrationsprogrammen mit dem Ziel, eine feste Arbeit zu finden.

Welches Fazit ziehen Sie persönlich nach den ersten hundert Tagen Amtszeit?

Gemeindepräsident ist eine der schönsten und vielfältigsten Aufgaben, die es gibt. Ich bin dankbar, dass ich die Chance dazu erhalten habe. Aus meiner Sicht bin ich am richtigen Ort. Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung ist positiv.

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