BICHWIL: Ein Tag, der nie vergessen geht

Die Wirren um die F/A-18, die an einer Felswand im Sustengebiet zerschellt ist, rufen auch in der Region Erinnerungen wach. Vor 18 Jahren stürzte ein Trainingsflugzeug der Schweizer Armee auf einer Wiese bei Bichwil ab. Der 36jährige Pilot kam dabei ums Leben. Ein Rückblick.

Ursula Ammann
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Feuerwehrleute bei der Absturzstelle des Trainingsflugzeuges. Der Unfall ereignete sich am Morgen des 14. Oktober 1998. (Archivbild: Rainer Bolliger)

Feuerwehrleute bei der Absturzstelle des Trainingsflugzeuges. Der Unfall ereignete sich am Morgen des 14. Oktober 1998. (Archivbild: Rainer Bolliger)

BICHWIL. Ein Gedenkstein erinnert heute noch an das tragische Ereignis, das sich am 14. Oktober 1998 in Bichwil abspielte. Nach einer Streifkollision stürzte eines von zwei PC-9-Trainingsflugzeugen der Schweizer Luftwaffe ab und zerschellte auf einer Wiese. Dem Piloten gelang es zwar noch, den Schleudersitz zu betätigen. Doch der Schirm öffnete sich offenbar nicht mehr vollständig. Der 36jährige zweifache Vater aus dem Kanton Nidwalden wurde mit schweren Verletzungen ins Spital eingeliefert und starb noch am selben Tag.

Im Boden «eingebohrt»

Einer der Augenzeugen des Unfalls war Arnold Chiavi. Er und sein Arbeitskollege hielten sich gerade ausserhalb der Werkstatt auf und waren dabei, ein Blech zu transportieren. «Plötzlich gab es einen riesigen Knall in der Luft, und es fielen feine Teilchen herunter», erzählt der Bichwiler. Die beiden stellten das Blech sofort hin und rannten zur Absturzstelle, wo die Maschine in Flammen aufgegangen war. Der Pilot befand sich ein Stück weiter entfernt unter seinem Fallschirm. «Er war richtiggehend im Boden <eingebohrt> und hat stark geblutet», erinnert sich Chiavi. Gemeinsam mit einem anderen Anwohner, der sich zuerst an Ort befand, versuchten sie, dem Schwerverletzten zu helfen. «Wir haben ihm noch gut zugeredet, wollten ihm Hoffnung machen», sagt Chiavi.

Militär hielt sich bedeckt

«Das Militär hat nie, aber auch gar nie etwas gesagt nach dem Unfall», bedauert Arnold Chiavi. Diese Erfahrung hat auch Philipp Stutz gemacht. Als Redaktor der Wiler Zeitung war er einer der ersten an der Unfallstelle. Es sei nicht einfach gewesen, zu Informationen zu kommen, sagt er. Das Militär habe sich bedeckt gehalten. Bei der Berichterstattung musste er sich vornehmlich auf die Aussagen der Zeugen stützen. «Im Dorf war die Betroffenheit gross, und der Unfall war noch lange Tagesgespräch», erinnert er sich. Viele hätten nicht verstanden, wieso die Armee solche Übungen über besiedeltem Gebiet durchführe. Für ihn selbst sei dieses Erlebnis eines der prägendsten in seiner ganzen Journalistenkarriere gewesen, sagt Stutz. «Diesen Tag vergesse ich nie mehr.»

Auch der gebürtige Oberuzwiler Mario Fuchs hat die Bilder des Absturztages noch immer präsent. Er war damals gerade mal zehn Jahre alt und stand an jenem Morgen auf einem Mäuerchen im Garten des Elternhauses. «Ich sah, wie sich die Flieger in der Luft streiften und wie ein Flugzeugteil herunterfiel.» Erst dachten er und seine Mutter – sie hatte den Crash ebenfalls mitbekommen – dass «alles nochmal gutgegangen ist». Dann sei eine der Maschinen doch abgestürzt, erzählt Mario Fuchs. Er konnte zusehen, wie sie am gegenüberliegenden Hang in die Wiese donnerte.

Mit dem Leben bezahlt

Als der Absturz passierte, hatte der Oberuzwiler Gemeindepräsident Cornel Egger gerade seinen letzten Ferientag. Zusammen mit seiner Familie sass er zu Hause beim Frühstück. «Wir hörten einen Crash», erinnert er sich. Das Flugzeug sei schätzungsweise 300 Meter vom Haus entfernt zu Boden gegangen.

An diesem Tag begleitete Cornel Egger einen Offizier der Schweizer Armee zur Unfallstelle, hielt engen Kontakt mit der Feuerwehr. Auch an die vielen Anfragen aus der Bevölkerung kann er sich gut erinnern. «Insbesondere die Anwohner in Bichwil waren sehr betroffen», sagt er. Nicht zuletzt deshalb, weil der Pilot, der beim Unfall starb, die Maschine vom Siedlungsgebiet weg auf eine Wiese gelenkt habe. «Offenbar gewichtete er den Schutz der Bevölkerung höher als sein Leben.»