BICHWIL: Der Kampf um Sichtbarkeit

So mancher Programmierer träumt vom eigenen Videospiel. Doch es ist nicht einfach, auf die eigenen Kreationen aufmerksam zu machen. Die Entwickler von Odddots erzählen von ihren Erfahrungen.

Jonas Manser
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Christian Almer (links) und Martin Seelhofer zeigen, wie sie damals das Spiel konzipierten – vorläufig ganz ohne Computer. (Bild: Jonas Manser)

Christian Almer (links) und Martin Seelhofer zeigen, wie sie damals das Spiel konzipierten – vorläufig ganz ohne Computer. (Bild: Jonas Manser)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Die Firma Odddots mit Sitz in Bichwil gibt es offiziell erst seit März dieses Jahres. Ihre Geschichte reicht jedoch viel weiter zurück. Die beiden Gründungsmitglieder Martin Seelhofer und Christian Almer kennen sich bereits seit der dritten Primarschulklasse. Beruflich gingen die beiden vorerst getrennte Wege, um später gemeinsam die Firma Odddots zu gründen. Seelhofer ist Programmierer und arbeitet seit 1999 in der Auftragsentwicklung. Almer ist Designer. Ihre gemeinsame Passion sind Video-Spiele. Die Einführung des ersten iPhones im Jahr 2007 ermöglichte es Informatikern weltweit, Apps mit tiefen Entwicklungskosten herzustellen. Dies sei auch die Motivation für gemeinsame Projekte gewesen: «Wir dachten: Das probieren wir auch.»

Das erste ernsthafte Projekt: «Pipe Fiction»

Drei Jahre später starteten die beiden ihr erstes ernsthaftes Projekt. Einmal in der Woche trafen sie sich, um gemeinsam nebenberuflich an der App zu arbeiten. Das Resultat war ein Puzzlespiel namens «Pipe Fiction» und kam 2012, knapp 14 Monate nach dem Start des Projektes, auf den Markt – zum Preis von einem Franken. «Wir haben dabei viele wertvolle Erfahrungen sammeln können», sind sich Seelhofer und Almer einig. «Obwohl das Spiel vom Grundprinzip einfach ist, hat es einige knifflige Rätsel. Die Schwierigkeitsstufe im Spielverlauf nach und nach anzuheben, war für uns Entwickler auch herausfordernd», beschreibt Almer den Prozess. In der Schweiz habe die Spiele-App mässige Erfolge gefeiert. «Das zweite Spiel namens ‹Voteboxx› hatten wir um einiges schneller fertiggestellt», sagt Seelhofer. Diesmal stand die App umsonst zum Herunterladen zur Verfügung, da sie die Finanzierung mit Werbung ausprobieren wollten. «Diese Finanzierungsart hatte uns aber nicht wirklich zugesagt», sagt Almer.

Vom Nebenberuf zum Vollzeitpensum

Im März dieses Jahres ist ihr gemeinsames Projekt Odddots so richtig ins Rollen gekommen. Ihr Geschäftsmodell sieht die Hälfte ihrer Arbeitszeit für Kundenaufträge vor. Die übrigen 50 Prozent verwenden sie für eigene Projekte beziehungsweise Games. Der Markt sei im Moment stark übersättigt. Das grösste Problem jedes kleinen oder mittelgrossen Entwicklerteams sei die Sichtbarkeit ihrer Produkte. Ausserordentliche Erfolge zu landen sei schwierig, da viele verschiedene Faktoren dabei eine Rolle spielen würden. Schweizer Informatiker könnten zudem preislich nicht mit den Programmierern aus dem Ausland ­konkurrieren, so Seelhofer. Sie trumpfen dafür in der Kommunikation gross auf: direkter Zugang, enge und persönliche Beratung. «Die meisten Kunden haben nur vage Vorstellungen vom Endprodukt. Bei uns können sie von Anfang bis zum Schluss mit dabei sein», nennt Seelhofer einer der Vorteile von Schweizer IT-Unternehmen. Die meisten Firmen sind in Zürich angesiedelt, doch man müsse nicht unbedingt in Zürich sein: «Bichwil ist um einiges billiger als Zürich und im Zeitalter von Cloud-Computing, auf Deutsch ‹Rechnerwolken›, kann man seinen Arbeitsplatz überall hin verlegen.»

Auch die Kampagne «IT St. Gallen rockt» möchte mehr Informatiker in den Osten der Schweiz locken oder der Abwanderung nach Zürich Einhalt gebieten. «Sie zeigt damit, dass die Ostschweiz auch Talente besitzt», sagt Seelhofer. Sie betreibt aktives Networking und fungiert gleichzeitig als Stellenvermittlungsplattform.