BICHELSEE: Harfen für Armenien

Daniel Zurlinden und Olga Bernasconi Logunova unterstützen die musikalische Ausbildung in Armenien. Dazu suchen sie in der Ostschweiz nicht mehr benötigte Harfen.

Jörg Rothweiler
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Der Bichelseer Harfenfachmann Daniel Zurlinden und die Harfenistin Olga Bernasconi Logunova sammeln nicht mehr benötigte Harfen. Zurlinden macht die Instrumente wieder spielbereit und Bernasconi Logunova organisiert den Transport nach Armenien. (Bilder: Jörg Rothweiler/PD)

Der Bichelseer Harfenfachmann Daniel Zurlinden und die Harfenistin Olga Bernasconi Logunova sammeln nicht mehr benötigte Harfen. Zurlinden macht die Instrumente wieder spielbereit und Bernasconi Logunova organisiert den Transport nach Armenien. (Bilder: Jörg Rothweiler/PD)

Jörg Rothweiler

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Harfe, das «Instrument der Engel», ist ihr Leben: Daniel Zurlinden, Harfenfachmann aus Bichelsee, und die in Armenien geborene, seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz lebende Harfenistin Olga Bernasconi Logunova widmen all ihr Können diesem zauberhaften Instrument. Nun bündeln sie ihre gemeinsame Leidenschaft für einen guten Zweck: Sie wollen Harfen, die in der Schweiz nicht mehr benötigt werden, herrichten und nach Armenien transportieren, damit junge Talente dort wieder vernünftige Instrumente erhalten.

«Ich selbst erhielt meinen ersten Harfenunterricht mit elf Jahren an der Sayat-Nova-Musikschule in Yerevan, wo ich aufgewachsen bin», erzählt Olga Bernasconi Logunova. «Damals gab es dort gute Instrumente, hergestellt und gewartet von der Lunatscharsky-Harfenfabrik St. Pe­ters­burg. Doch seit dem Zusam­menbruch der ehemaligen Sowjetunion werden die Instrumente nicht mehr reguliert oder repariert. Auch Harfensaiten sind in Armenien unerschwinglich teuer. Darunter leidet die Ausbildung der dortigen jungen Talente sehr.»

Ernüchternde Rückkehr

Sie verliess Armenien mit 18 Jahren Richtung Schweiz. In Freiburg im Breisgau setzte sie ihr Harfenstudium fort, wirkte in Opernproduktionen der Theater Basel und Freiburg mit, engagierte sich in Kammermusikformationen sowie als Solistin. Seit 2005 ist Olga Bernasconi Logunova Harfenlehrerin der Jugendmusikschule Dornach, 2011 erhielt sie von der Hochschule für Musik Lausanne ihren Master in «Instrumentaler Performance». 2013 reiste sie für eine Konzertreihe und um Unterricht zu erteilen, nach Armenien – und kehrte ernüchtert zurück.

«Die Sayat-Nova-Musikschule gibt es zwar noch und sie verfügt auch über viele sehr begabte und hoch motivierte Schüler und Studenten», erzählt Bernasconi Logunova. «Doch die In­strumente sind steinalt, in desolatem Zustand, samt und sonders nicht mehr spielbar. Aber die Musikschule und das staatliche Konservatorium können sie nicht reparieren lassen, geschweige denn neue kaufen.»

Unterstützung durch Thurgauer Fachmann

Um diese Situation zu verbessern, gründete sie nun den Verein «Harfen für Armenien». Als der Thurgauer Harfentechniker Daniel Zurlinden von diesem Engagement erfuhr, war für ihn klar: Ich bin dabei!

«In der Schweiz gibt es sicher zahlreiche Harfen, welche nicht mehr gespielt werden. Die wären für Armenien ein Segen. Wir würden sie abholen, ich würde sie fachmännisch überholen, nötigenfalls reparieren, neu besaiten, regulieren und spielbereit machen. Olga organisiert dann den Transport nach Armenien. So können wir dem Harfenspiel in einem der ärmsten Länder Osteuropas eine Zukunft schenken», sagt Zurlinden.

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