Bibliotheken der Region
Postkartengrüsse aus dem Liegestuhl: «Lesegruss» heisst die Sommeraktion der regionalen Bibliotheken

Während der Sommerferien sollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene einen Anreiz haben, um zu lesen. Acht Bibliotheken zwischen Wil und Waldkirch-Bernhardzell initiierten deshalb die Aktion «Lesegruss», ein regionales Leseförderungsprojekt.

Zita Meienhofer
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Sie freuen sich auf viele Postkartengrüsse mit Buchtipps (von links): Jolanda Erismann (Uzwil), Jeannette Bühler (Oberbüren), Karin Häfliger (Flawil), Marianne Hälg (Degersheim), Myriam Niedermann (Waldkirch-Bernhardzell), Sibylle Eberle (Kirchberg), Jeannine Gehrig (Wil), Martina Kappeler (Sproochbrugg Zuckenriet).

Sie freuen sich auf viele Postkartengrüsse mit Buchtipps (von links): Jolanda Erismann (Uzwil), Jeannette Bühler (Oberbüren), Karin Häfliger (Flawil), Marianne Hälg (Degersheim), Myriam Niedermann (Waldkirch-Bernhardzell), Sibylle Eberle (Kirchberg), Jeannine Gehrig (Wil), Martina Kappeler (Sproochbrugg Zuckenriet).

Zita Meienhofer

«Ein Buch habe ich immer dabei», sagt Sibylle Eberle, Leiterin der Bibliothek Kirchberg und für das Sponsoring der Aktion zuständig. Sie nimmt es aus ihrer Tasche und legt es auf den Tisch des Stickereizimmers im obersten Stock des Gemeindehauses Uzwil. Eigentlich wollten die Bibliothekarinnen für ihre Sommeraktion «Lesegruss» an die Thur. Doch das Wetter machte nicht mit und deshalb treffen sie sich kurzfristig in Uzwil. Auch die weiteren sieben Leiterinnen der örtlichen Bücherausleihen nehmen ihre Bücher aus den Taschen. Als Bibliothekarinnen wissen sie: Lesen muss immer wieder gefördert werden.

Vorlesetag: Ein gemeinschaftliches Erlebnis

Heute Mittwoch ist der Schweizerische Vorlesetag. Er ermöglicht nicht nur erste Begegnungen mit der Welt der Literatur, regelmässiges Vorlesen unterstützt die Kinder auch in ihrer Entwicklung. Es existieren einige Studien zur Wirkung des Vorlesens, vor allem auch im anglofonen Raum. Sie kommen allesamt zum Fazit, dass regelmässiges Vorlesen in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen auf Kinder hat. Im deutschsprachigen Raum forscht Jürgen Belgrad, Professor an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, über die Auswirkungen des Vorlesens. Während 15 Wochen lasen die Lehrkräfte den Achtklässlern an Hauptschulen in Baden-Württemberg drei- bis viermal wöchentlich zwischen 20 und 15 Minuten einen literarischen Text ihrer Wahl vor, dabei – so zeigt Belgrads Studie – verbesserte sich die Lesefertigkeit ausserordentlich. Infos: schweizervorlesetag.ch. (PD)

«Der heutige Medienkonsum ist geprägt von Inhalten ohne Wort und Schrift», sagt Jolanda Erismann, Leiterin der Bibliothek Uzwil und Verantwortliche dieser Aktion. Sie sagt:

«Die Fähigkeit, zu lesen, ist für eine funktionierende Gesellschaft von höchster Wichtigkeit.»

Deshalb starten acht Bibliotheken aus der Region zum fünften Mal eine Sommeraktion.

Neue Aktion ist auch für Erwachsene

«Lesegruss» heisst das Vorhaben in diesem Jahr und löst das vorherige Leseförderungsprojekt «Lesesommer» ab. Es ist ein Projekt, das an einen Wettbewerb gekoppelt ist und die Kinder im Vorschulalter über die Jugendlichen bis hin zu den Erwachsenen zum Lesen motivieren soll. Studien zeigen bekanntlich, dass durch regelmässiges Lesen die in der Schule erworbene Lesefähigkeiten gefestigt werden kann. Die vergangenen Leseförderprojekte waren zudem erfolgreich. Rund 1200 Kinder und Jugendliche machten jeweils bei der Aktion mit. Dieses Jahr sind auch die Erwachsenen eingeschlossen. Karin Häfliger, Leiterin der Bibliothek Flawil und für die Finanzen zuständig, sagt:

«Sie sollen schliesslich eine Vorbildfunktion ausüben.»

Start des «Lesegruss» ist am Samstag, 5. Juli, Ende am Samstag, 23. August. Während dieser sieben Wochen sollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene lesen oder sich vorlesen lassen und letztlich einen einzigen Lesetipp in Form einer Postkarte an eine der regionalen Bibliotheken senden. Jede der Bibliotheken wird aus den eingegangenen Lesetipps drei Karten ziehen. Die entsprechenden Absender erhalten je einen der Hauptpreise, ein Erinnerungsgeschenk gibt es für jeden Teilnehmenden.

Nachfolgerin des «Lesesommers»

Jolanda Erismann, Leiterin der Bibliothek Uzwil und Verantwortliche des Projekts «Lesegruss».

Jolanda Erismann, Leiterin der Bibliothek Uzwil und Verantwortliche des Projekts «Lesegruss».

Bild: Zita meienhofer

Der «Lesegruss» basiert auf der Idee des «Lesesommers». Diese stammt aus Nordamerika, der Leiter der Bibliotheken Winterthur hatte sie nach einem Auslandsaufenthalt nach Hause gebracht. 2008 wurde der «Lesesommer» erstmals von einigen Bibliotheken in der Region durchgeführt.

2011 folgte die nächste Ausgabe, 2014 und 2018 zwei weitere. Stets konnten verschiedene Bibliotheken für die Aktion gewonnen werden. Während der Vorbereitung auf die aktuelle Aktion entschieden die Bibliotheksleiterinnen, diese Sommeraktion in einer neuen Form durchzuführen. Es entstand der «Lesegruss».

Dieses Jahr dabei sind die Bibliotheken aus Degersheim, Flawil, Kirchberg, Oberbüren, Waldkirch-Bernhardzell, Wil, Sproochbrugg Zuckenriet und Uzwil. Jolanda Erismann weiss, dass durch die Zusammenarbeit der einzelnen Bibliothek die unterschiedlichen Ressourcen der Bibliothekarinnen so eingesetzt werden können, dass alle profitieren. 8000 Postkarten liegen in den Bibliotheken auf und werden an die Schüler, Jugendlichen und Erwachsenen verteilt. Im Hinblick auf diese Aktion arbeiten die Bibliotheken eng mit den Schulen zusammen.

Mitmachen können alle, Bibliotheksnutzer zu sein, ist keine Bedingung. Die Kosten, die das Projekt generiert, werden zu einem Viertel von den Bibliotheken als Eigenleistung verbucht, für den Rest konnten Sponsoren und Gönner gewonnen werden.

Der «Lesegruss» der Bibliotheken in der Region startet am 5. Juli und endet am 23. August. Lesetipps müssen bis am 23. August abgegeben werden. Infos sind bei den teilnehmenden Bibliotheken erhältlich.