BETEILIGUNG: Auch Politik will gelernt sein

Remo Wirth, Präsident der CVP Uzwil, hat an der Bürgerversammlung den Antrag zur Gründung eines Jugendgemeinderats gestellt. Für ihn ist klar: Nur in der Praxis können politische Prozesse verstanden werden.

Gianni Amstutz
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Bald könnte in Uzwil ein Jugendgemeinderat über gewisse Angelegenheiten der Gemeinde mitentscheiden. (Symbolbild: Roman Ehrbar)

Bald könnte in Uzwil ein Jugendgemeinderat über gewisse Angelegenheiten der Gemeinde mitentscheiden. (Symbolbild: Roman Ehrbar)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

«Die Jungen müssen in unserer Gemeinde mehr mitreden können.» So lautete ein Votum an der Bürgerversammlung in Uzwil von vergangener Woche. Zum Ausdruck gebracht wurde dieser Antrag vom Präsidenten der CVP-Ortspartei Remo Wirth. Es sei ja schön und gut, wenn in der Schule die Politik auf einer theoretischen Ebene gelernt werden würde, sagt er. «Erst mit der Praxis kommt aber die Erfahrung und das handwerkliche Geschick dazu.»

Wirth stellt sich dabei eine Art Jugendgemeinderat vor. Auf kantonaler und nationaler Ebene existieren solche Jugendparlamente bereits. Tatsächliche Entscheidungskompetenzen besitzen diese allerdings nicht. Das soll in Uzwil anders sein. «Der Jugendgemeinderat soll über einen eigenen Budgetposten verfügen und diesen zielgerichtet für mehrheitsfähige Lösungen der Jugendlichen einsetzen.» Denn Jugendliche hätten andere Ziele für die Gemeinde als die älteren Generationen. Ihm sei es ein Anliegen, dass diese gehört und wenn möglich umgesetzt werden. Die Jugendlichen sollen aber auch Priorisierungen und Entscheide treffen müssen. Denn wie in der «echten» Politik, könne nicht jede Idee umgesetzt werden, sagt Wirth. Die aktive Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der Gemeindepolitik erziele einen Lerneffekt, der über die Schultheorie hinaus gehe. So lernen die Beteiligten, welche Widerstände und Hürden zu überwinden sind, um eine Idee in die Tat umzusetzen. Das zeige ihnen auch auf, dass das Bestehende nicht einfach so entstanden sei, sondern gute Ideen mit entsprechend verbundenem Engagement umgesetzt worden seien.

Wichtig sei ihm dabei, dass die Jugendlichen sich aus eigenem Antrieb an der Politik in der Gemeinde beteiligen. Das Interesse hierfür sei durchaus vorhanden, sagt der Präsident der Ortspartei. «In der Familie und in meinem Umfeld habe ich bemerkt, dass sich viele Jugendliche für die aktuell diskutierten Themen interessieren.»

Als Kritik, dass die Gemeinde bisher zu wenig getan hat, um Jugendliche für politische Themen zu begeistern, will Wirth seinen Antrag indessen nicht verstanden haben. «Die Gemeinde ist offen für die Anliegen der Jugendlichen», sagt er. Das habe auch der Besuch einer Schulklasse an der diesjährigen Bürgerversammlung gezeigt.

Damit die Idee nicht im Sand verläuft, beinhaltet Wirths Antrags, dass der Gemeinderat und die Verwaltung dem Jugendgemeinderat unterstützend zur Seite stehen werden. Das eigene Budget, welches gemäss Wirths Antrag dem Jugendgemeinderat zur Verfügung gestellt würde, soll eine unkomplizierte Umsetzung der Ideen der Nachwuchspolitiker ermöglichen.