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«Besser als Kadaverstelle oder Begräbnis»: Im Haustierkrematorium in Münchwilen bekommen Fido und Co. einen würdevollen Abschied

Renato Brunner arbeitet im Haustierkrematorium in St. Margarethen. Es sei ein emotionaler Job, den man nur als Tierfreund ausüben könne, sagt er.
Nicola Ryser
Letzte Ruhestätte: Im Haustierkrematorium kann die Asche der Tiere in unterschiedliche Urnenformen gefüllt werden. Bilder: Nicola RyserLetzte Ruhestätte: Im Haustierkrematorium kann die Asche der Tiere in unterschiedliche Urnenformen gefüllt werden. Bilder: Nicola Ryser
In diesem Ofen werden die Kadaver kremiert.In diesem Ofen werden die Kadaver kremiert.
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Fido den würdigen Abschied geben

Eine blaue Pyramide, glatt geschliffene Holzkugeln, ein Granit-Engel, der ein Herz umarmt – darauf eingraviert «in stillem Gedenken» –, ein liegender Hund und eine sitzende Katze, beide ganz in Weiss. Alle sind sie Formen von Urnen, in denen verstorbene Tiere aufbewahrt werden können, sprich die letzte Ruhestätte für Fido und Co.. Still stehen sie in einem Regal im Büro des Fried-Baum-Haustierkrematoriums in St.Marga­rethen aneinandergereiht.

Zwei Türen weiter befindet sich der Ofen, der hörbar in Betrieb ist. Die Luke ist geschlossen, bis zu 900 Grad Celsius heiss wird es im abgedichteten Raum. Gerade in diesem Moment wird ein Tier kremiert. Ein Prozess, der im Schnitt anderthalb Stunden andauert. Danach sind nur noch Knochenstücke vorhanden, der Rest ist zerfallen. «Aus den Knochen machen wir dann die Asche», sagt Renato Brunner.

Die beste Lösung für jeden Tierfreund

Brunner arbeitet seit eineinhalb Jahren im kleinen Krematorium, seit Anfang September ist er gar Leiter. Ursprünglich stammt der 51-Jährige aus der Autobranche, doch habe er bereits früh mit dem Gedanken gespielt, in einem Tierkrematorium zu arbeiten. Seine Begründung:

«Ich bin Tierbesitzer. Und wenn man mal eine Kadaverstelle gesehen hat, ist man froh, dass das eigene Haustier kremiert werden kann.»

Bei einer Kadaverstelle werde das tote Tier wie Abfall einfach weggeworfen. Ein unschöner Gedanke für alle Tierfreunde. «Wenn man einen Hund zehn Jahre lang besass, will man nach dessen Tod lieber nicht mitansehen, wie das Tier einfach so weggeschmissen wird», erklärt Brunner.

Auch ein Begräbnis komme bei vielen Haustieren nicht in Frage. Das Gesetz schreibt nämlich vor, dass nur Tiere mit einem Körpergewicht bis maximal 10 Kilogramm begraben werden dürfen. «Darum ist ein Tierkrematorium in vielen Fällen wohl die beste Lösung.»

Von Papiersäcklein bis Holzkistchen

Wöchentlich kremiert Brunner 25 bis 30 Tiere. Die Arten variieren: von Hund und Katze über Meerschweinchen, Hasen, Schafe und Ziegen bis hin zu Vögeln und Fischen. Limitationen gibt es nur bei der Grösse:

«Wir können natürlich keine Pferde einäschern, dafür ist der Ofen zu klein. Die Grenze liegt wohl bei der Grösse einer Deutschen Dogge.»

Der Ablauf wiederum gestaltet sich stets gleich: Entweder wird der Kadaver vom Besitzer gebracht oder selbst abgeholt oder das Krematorium bekommt das tote Tier vom Tierarzt, beispielsweise nach einer Einschläferung. Der nächste Schritt ist dann, das Tier – eine hygienische Vorschrift – in einen Leichensack zu legen und in den Kühlraum zu verfrachten. «So dämmen wir den Verwesungsprozess ein.» Nach spätestens drei Tagen wird der Kadaver im Ofen eingeäschert. Übrig bleibt nur noch Staub und Asche.

Was die Kunden damit anstellten, könnten sie individuell entscheiden, sagt Brunner: «Manche nehmen die Asche in einem einfachen Papiersäcklein oder Holzkistchen mit, anderen reicht es, wenn wir es auf unserem Grundstück verstreuen.» Die meisten Kunden entscheiden sich jedoch für eine Urne, die mit der Asche gefüllt werden soll.

Fast schon ein spiritueller Abschied

Bei einer Sammelkremation, bei welcher mehrere Tiere aufs Mal eingeäschert werden, muss der Kunde 70 Franken zahlen, bei einer Einzelkremation mindestens 145. Eine Urne kostet zusätzlich 50 Franken. Doch den Leuten sei der Preis egal – und teils auch der Weg. Die Kundschaft des Krematoriums stammt nicht nur aus der Region, sondern aus der ganzen Ostschweiz – und teils sogar aus Österreich. «Die haben nur ein Haustierkrematorium. Das erscheint aber vielen zu weit weg.»

Doch zynisch gefragt: Warum nehmen so viele Kunden diesen Aufwand, beispielsweise für ein totes Meerschweinchen, auf sich? Brunner weiss die Antwort:

Renato Brunner, Leiter des Haustierkrematoriums

Renato Brunner, Leiter des Haustierkrematoriums

«Für viele ist ein Haustier ein Familienmitglied, das genauso wie ein Mensch geliebt wird. Diesem Mitglied wünscht man einen würdigen Abschied.»

Darum ist auch der Umgang mit den Kunden sehr wichtig. «Sie legen Wert darauf, dass man Verständnis zeigt. Dass man mit ihnen über das verstorbene Tier redet und es nicht einfach respektlos in den Leichensack wirft.» Dieses Verständnis könne man nicht vorspielen: «Man muss wirklich ein Tierfreund sein, um den Beruf ausüben zu können.»

Brunner redet teils lange mit den Kunden, zeigt sich mitfühlend, lässt sie verarbeiten und Abschied nehmen – auch auf spiritueller Ebene. «Es gibt einige, die legen Briefe, Spielzeuge, Münzen oder Blumen bei, die dann mit dem Tier eingeäschert werden. So nehmen sie Abschied.» Und wählen dann eine blaue Pyramide, ein Granit-Engel oder eine Holzkugel, die dann zu Hause ins eigene Regal gestellt wird.

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