BESICHTIGUNG: Ein «Schiffsrumpf» zwischen Natur und Kultur

Der Flawiler Marktplatz erhält eine neue Funktion und ein neues Gesicht. Fünf im Rahmen des ausgeschriebenen Studienauftrags eingereichte Ideen sowie das Siegerprojekt sind ab heute ausgestellt.

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Der Entscheid ist gefallen. Den Auftrag für die Neugestaltung des Flawiler Marktplatzes erhalten die Schmid Landschaftsarchitekten/Esch Sintzel Architekten aus Zürich. Ihr Projekt hatte die Jury überzeugt. Aus zweierlei Gründen, wie Jurymitglied Bernhard Müller gestern an der erstmaligen Präsentation der fünf favorisierten und deshalb weiterbearbeiteten Wettbewerbsprojekte sagte. Einerseits habe das Architektenteam einen ganz anderen gestalterischen Zugang zum Raum gefunden als die anderen Bewerber. Tatsächlich waren die Verfasser des Siegerprojekts die Einzigen, die den für Märkte oder kulturelle Anlässe nutzbaren Gebäudetrakt dominant in die Arealmitte platzierten. «Damit haben sie eine eigenständige, überraschende und clevere Antwort auf die Frage gefunden, was den Besucher auf dem Marktplatz erwarten soll», stellte Müller fest. Ein zweites Kriterium, welches die Studie «Schmid/Esch Sintzel» auszeichne, sei der Umgang mit den offenzulegenden Bächen. Aus Platzgründen verzichteten die Projektverfasser auf treppenartige, bepflanzte Böschungen. Das Wasser wird stattdessen zwischen senkrechten Betonwänden geführt.

Schiffsrumpf in einer Parklandschaft

Die Grenzen zwischen dem Aussenraum und dem teils geschlossenen, teils offenen Baukörper verschwinden – die Elemente verschmelzen zu einem einzigen Sozial- oder eben Kulturraum. Landschaftsarchitekt André Schmid nannte die germanischen Anger als Vorbild – ein Dorfplatz in Gemeindebesitz, der von jedermann für vielerlei genutzt werden kann. Der Baukörper selbst, ein einfaches Holzgerippe, hingegen wecke Assoziationen zu einem Schiffsrumpf, sagte Architekt Stefan Sintzel. Dieser soll in eine grüne Parkanlage eingebettet werden. Damit eine Bepflanzung mit Bäumen möglich wird, werde die Tiefgarage bewusst tief angelegt.

Projekt kommt Kulturhaus-Idee nahe

Der Bau des Kulturraums Marktplatz bedingt den Abbruch des alten Feuerwehrdepots, für dessen Erhalt die IG Kulturhaus ab Sommer 2015 mit Ideen und Herzblut gekämpft hatte. Bernhard Müller war dazumal Mitglied der IG. Wie sich deren Protagonisten zum aktuellen Projekt stellen, weiss er nicht, findet aber: «Der Vorschlag kommt dem, was man wollte, doch sehr nahe.»

Heute hat die Bevölkerung erstmals Gelegenheit, die besten 5 der 28 eingereichten Projekte zu besichtigen und auch zu beurteilen. Obwohl eine direkte Einflussnahme auf die Wahl des Siegerprojekts nicht möglich ist. «Wir erhoffen uns ein Stimmungsbild», sagte Gemeindepräsident Elmar Metzger. Auch im Hinblick auf das Bauprojekt, beziehungsweise den Baukredit. Mit einem Vorprojekt rechnet er im nächsten Jahr.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Hinweis

Die Bevölkerung ist eingeladen, das Siegerprojekt sowie die weiteren vier Studien im alten Feuerwehrdepot zu besichtigen: am Freitag, 19. Mai, 16–19 Uhr, am Samstag, 20. Mai, 10–15 Uhr und Mittwoch, 24. Mai, 16–19 Uhr.