BESCHWERDE: «Eine unanständige Abzockerei»

Für Markus Hilber, ehemaliger Gaschef der Technischen Betriebe Wil, ist es unverständlich, dass die TBW günstigere Gaseinkaufspreise nicht an die Kunden weitergeben. Nun gelangt er an den Preisüberwacher.

Philipp Haag
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Die Technischen Betriebe Wil versorgen das Stadtgebiet und die Gemeinden rund um Wil mit Gas. (Bild: Philipp Haag)

Die Technischen Betriebe Wil versorgen das Stadtgebiet und die Gemeinden rund um Wil mit Gas. (Bild: Philipp Haag)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Für Markus Hilber ist das Verhalten der Stadt eine «unanständige Abzockerei». So sehr, dass er nun wegen der «exzessiven» Gewinnmarge beim Erdgas der Technischen Betriebe Wil (TBW) an den nationalen Preisüberwacher gelangt. Die TBW haben im vergangenen Jahr 3,4 Millionen Franken aus dem Gasgeschäft an die Stadtkasse abgeliefert (siehe ­Kasten). Als Eigentümerin der Erdgasversorgung sei die Stadt berechtigt, etwas zu verdienen. «Die Stadt hat Anrecht auf eine Abgabe, doch nicht in dieser Höhe.» Für ihn ist nun das vertretbare Mass, sogar der Anstand überschritten.

Politische Gier und fadenscheinige Argumente

Hilber spricht auf Anfrage von politischer Gier, welche mit ­fadenscheinigen Argumenten schöngeredet werde. Dass einige Kältetage und somit ein gestiegener Gasabsatz im Winter 2016 für das gute Ergebnis mitverantwortlich seien, lässt er nicht gelten. Über das Jahr gerechnet sei der Anstieg bei den Heizgradtagen im Vergleich zum Jahr 2015 marginal. Unverständlich, für Hilber gar die reine Form der Abzocke, ist der Umstand, «dass die TBW günstigere Einkaufspreise nicht an die Kunden weitergeben und somit stillschweigend die Gewinnmarge erhöhen». Der ­gesamte Gasabsatz im ganzen Versorgungsgebiet habe im Jahr 2016 rund 400 GWh betragen. Daraus ergäbe sich eine Abgabe von rund 0,85 Rappen pro Kilowattstunde oder fast 20 Prozent bei einem Arbeitspreis von derzeit 4,5 Rappen/kWh.

Dass der Wiler Gaspreis am Markt besteht, ist für Hilber kein Grund für die Abzockerei. Und dass die TBW im vergangenen Jahr den Gastarif für die Kunden gesenkt haben, ist in seinen Augen eine schönfärberische Rechfertigung, da die Preisminderungen in den Vorjahren zurück­gehalten wurden. Im Jahr 2015 betrug der Überschuss bei der Gasversorgung bereits 2,8 Millionen Franken. Früher – Hilber verantwortete bis ins Jahr 2012 während 25 Jahren die Gas-Division bei den TBW – seien die tieferen Einkaufstarife «tell quel» an die Kunden weitergegeben worden. Darum habe noch vor wenigen Jahren die Abgabe der TBW an die Stadt aus der Erdgasversorgung etwa eine Million Franken betragen. «Und damals schon zählte Wil schweizweit zu den Spitzenreitern im ­Abzocken von Gaskunden.»

Monopolstellung der TBW

Der ehemalige Gaschef wird deutlich: «Die TBW nutzen ihre Monopolstellung schamlos aus.» Das Interesse des Kunden bleibe auf der Strecke. Seiner Meinung nach wird über den Gaspreis eine indirekte Steuer erhoben. Notabene bei denjenigen Kunden, die ­bereits «für das stadträtliche Debakel bei der Biogasproduzentin Biorander AG aufkommen mussten». Mit einem Betrag von rund 10 Millionen Franken. Mehr als die Hälfte des Gasabsatzes wird in den Gemeinden rund um Wil erzielt, Nicht-Wiler-Kunden leisten also einen erheblichen Beitrag. Ebenfalls entscheidend ist für Hilber, dass die Arbeitspreisreserve (APR) durch die Gaskunden in den vergangenen Jahren auf über acht Millionen Franken geäufnet wurde. «Die Bedingungen für eine massive Senkung des Gaspreises sind vorhanden», sagt Hilber. Er wünscht sich denn auch, dass die Stadt und die TBW in Zukunft stärker an ihre Kunden denken.