Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Berner lassen im Ortsmuseum Flawil 104 Taschentücher besticken

Im Ortsmusem Flawil stickt Maria Weber auf der Handstickmaschine. Zurzeit vermehrt. Für ein Museum in Bern.
Zita Meienhofer
Maria Weber (rechts) und Lina Bischofberger spannen die 104 Taschentücher in die entsprechenden Rahmen. (Bilder: Zita Meienhofer)

Maria Weber (rechts) und Lina Bischofberger spannen die 104 Taschentücher in die entsprechenden Rahmen. (Bilder: Zita Meienhofer)

St.Gallen, die einstige Textilhochburg. Dahin fuhr Helen Moser vom Alpinen Museum der Schweiz, als sie jemanden suchte, der ihr Taschentücher besticken konnte. Im Textilmuseum St.Gallen traf sie Maria Weber. Die 69-Jährige stickt dort seit zehn Jahren zwei- bis dreimal pro Woche auf der Band-Handstickmaschine. Taschentücher können hingegen nur auf einer Monogramm-Handstickmaschine gefertigt werden.

Maria Weber, eine der wenigen Personen in der Ostschweiz, welche die komplexe Bedienung dieser Maschinen noch beherrscht, wusste sofort, wo Mosers Vorhaben realisiert werden konnte. Weber stickt nicht nur in St.Gallen, sie stickt zeitweise auch im Ortsmuseum Flawil. Dort steht im Keller eine Monogramm-Handstickmaschine.

Urs Schärli, Leiter des Ortsmuseums Flawil, stand der Anfrage aus Bern von Beginn weg positiv gegenüber:

«Wir sind froh, wenn die Maschine in Gebrauch ist.»

Diese Handstickmaschine für «Rahmentüchli», wie sie bezeichnet wurde, war ein Geschenk der Stickereifirma A. Naef AG.

Der erste auswärtige Auftrag

Es ist der erste Auftrag, der von auswärts kommt, den Maria Weber auf der Flawiler Maschine nicht für den Bedarf des Museums stickt. «Es ist eine Herausforderung», sagt die versierte Stickerin. Einerseits, weil Helen Moser bestimmte Erwartungen hat, anderseits, weil Maria Weber die Routine auf der Monogramm-Handstickmaschine fehlt.

Von Beginn weg hat sie deshalb bei Lina Bischofberger-Bänziger angeklopft, die 95-Jährige aus dem Ausserrhodischen Reute um Unterstützung angefragt. Diese stickt seit rund 60 Jahren. Ihr Mann war Sticker. Von ihm lernte sie das Handwerk. Auf ihren beiden Maschinen der Firma F. Martini & Co., Frauenfeld, arbeitete sie bis vor drei Jahren, bis diese ins Museum nach Stein transportiert wurden. Die Verantwortlichen waren auf der Suche nach Handstickmaschinen; Lina Bischofberger war bewusst, dass sie nicht mehr Jahre auf diesen Maschinen arbeiten wird. Das Sticken hat die umtriebige Dame noch nicht ganz aufgegeben – zurzeit ist sie noch dreimal im Monat in Stein tätig.

Unterstützt wird Maria Weber auch von Agnes Rüegg-Rütsche aus Lütisburg. Rüeggs Vater war Sticker. Die Mutter starb früh. Agnes Rüegg hatte ihrem Vater zu helfen und dadurch die Technik des Stickens gelernt. Seit Jahren ist sie ebenfalls im Ortsmuseum anzutreffen – immer dann, wenn die Handstickmaschine in Betrieb ist.

Agnes Rüegg setzt die Rahmen in die Schiene.

Agnes Rüegg setzt die Rahmen in die Schiene.

An der Stickmaschine arbeitet Maria Weber erst seit einem Jahrzehnt. Sie arbeitete zwar in der Textilindustrie, allerdings war die gelernte Kauffrau im Export tätig. Gelernt hat sie das Sticken von ihrem Cousin Bernhard Hollenstein, Dreien. Er gehört zu den bekanntesten Stickern in der Ostschweiz.

Idee aus Bern in eine Stickvorlage umgewandelt

Auf die 104 Taschentücher, die künftig im Shop des Alpinen Museums der Schweiz erhältlich sein werden, wird ein Sujet gestickt, das von Helen Moser und ihrem Mitarbeiter entworfen wurde – immer in Absprache mit Maria Weber. Helen Moser erklärt:

«Wir legten ihr den Entwurf vor, sie musste entscheiden, ob er technisch umgesetzt werden konnte.»

Dann lag es an Maria Weber, den Entwurf aus Bern in eine Stickvorlage «umzuwandeln». Dabei war sie froh um die Tipps von Bernhard Hollenstein. Es gebe verschiedene Varianten, wie gestickt, wie die Stiche gelegt werden können, erklärt Maria Weber. Jetzt, da die Vorlage auf dem seitlich der Handstickmaschine montierten Brett steckt, sagt sie: «Ich habe viel gelernt.» Jeder Stich, jede Farbe und jeder Spezialeffekt muss entsprechend aufgezeichnet sein.

1100 Stiche in sieben verschiedenen Farben

Nicht nur die Stickerei auf dem Taschentuch stammt aus der Ostschweiz, auch das Tuch. Es wurde von der Fehrlin Textil AG in Appenzell hergestellt. Die 104 Stoffteile wurden schliesslich in die Rahmen gespannt und auf die Schienen gesetzt, je 26 auf 4. Diese werden anschliessend in der Handstickmaschine befestigt. 1100 Stiche in sieben verschiedenen Farben sind nötig, bis das Sujet des Museums auf dem Taschentuch komplett ist. «Die Vorbereitungen waren spannend und es hat sich gelohnt, dass Lina gekommen ist», sagt Maria Weber. Von «einer kostbaren Geschichte» spricht Helen Moser, die für die Vorbereitungen im Keller des Flawiler Ortsmuseums weilte.

Maria Weber hat nun mit Lina Bischofsberger alle Einstellungen vorgenommen, alle Schrauben angezogen und bereits einige Stiche gestickt. «Ich freue mich nun auf die Arbeit, vor allem auf das Sticken des Schwungs», sagt Maria Weber. Wer die Stickerin bei ihrer Arbeit beobachten möchte, kann dies tun. Das Ortsmuseum öffnet an diesen Tagen die Türen.

Hinweis: Maria Weber stickt im Ortsmuseum Flawil am Mittwoch, 11. und 18. September, jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr, und am Sonntag, 22. September, von 14 bis 17 Uhr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.