Beliebter Ort für das Jawort

Statt im Trauzimmer des Gemeindehauses können sich Paare in der historischen Ottikerstube des Ortsmuseums Flawil zivilstandsamtlich trauen lassen.

Vivien Steiger
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FLAWIL. «Da ein Museum nicht nur zum Ansehen gedacht sein kann, wird die Ottikerstube seit 1998 als Traulokal zur Verfügung gestellt», sagt Urs Schärli, Präsident des Vereins Ortsmuseum Flawil. Wände, Decke und Boden des Trauzimmers bestehen aus Holz und sind mit Brandmalereien verziert. Metallstickereien dekorieren die schweren, grünen Vorhänge. Dank dieser warmen Atmosphäre und des umliegenden Parks sei die Herrschafts-Stube in den vergangenen Jahren zum beliebten Ort für das gegenseitige Jawort geworden. Nicht nur Flawilerinnen und Flawiler lassen sich in der Ottikerstube trauen. Die Leute kommen aus der ganzen Ostschweiz und auch aus dem Kanton Zürich, erzählt Schärli. Allerdings könne er nicht sagen, aus welchen Gründen sich die Paare in Flawil trauen lassen wollen. «Wahrscheinlich wegen der vielen Möglichkeiten wie Park, Remise und Pavillon und der idyllischen und angenehmen Atmosphäre.»

Verschiedene Zeremonien

Die Vermietung der Ottikerstube erfolgt durch den Verein Ortsmuseum Flawil. Auch das Nebenzimmer zum Traulokal kann benutzt werden, in welchem 15 bis 20 Personen während der Trauung Platz nehmen könnten. Falls der Wunsch besteht, vermietet die Betriebskommission Ortsmuseum ausserdem eine originelle Remise mit Tischen und Bänken, die etwa 80 Personen Platz bietet. Auf die Frage, wie viele Trauungen in der Ottikerstube im Jahr stattfinden, antwortet Schärli: «Seit die Ottikerstube 1998 als Traulokal zur Verfügung gestellt wurde, sind es stetig mehr geworden. Anfangs waren es etwa 15 Trauungen, letztes Jahr rund 30. Es kommt oft auf die Daten an. Der 9.9.99 oder der 11.11.11 waren beliebte Hochzeitstage.» Deshalb ist die Anzahl jedes Jahr unterschiedlich. Die Hochzeiten laufen jedes Mal anders ab. Manchmal ist das Brautpaar und die Trauzeugen die einzig Anwesenden, ein nächstes Mal sind alle Verwandten und Bekannten mit Kindern dabei. An der kürzlich stattgefundenen Hochzeit traute Denise Himmelberger das Brautpaar. Sie ist im regionalen Zivilstandsamt tätig und führt im Durchschnitt eine bis zwei Trauungen in der Woche durch: «Liebe ist, nicht einander anzuschauen, sondern gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken», beginnt sie die Zeremonie. Man müsse den Partner so nehmen wie er sei, mit all seinen Stärken und Schwächen. Das sei Liebe. Das gegenseitige Ringe-an-die-Finger-Stecken symbolisiert laut Denise Himmelberger eine Ehe ohne Ende, da die Ringe kein Ende haben.

Ende 18. Jahrhundert erbaut

«Die Liegenschaft Lindengut, in der sich das Ortsmuseum befindet, wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut», erklärt Urs Schärli. «Einer der Besitzer dieser Liegenschaft war Fabrikant Huldreich Ottiker.» Daher komme der Name Ottikerstube. Im Jahre 1983 übergab die Habis Textil AG die Liegenschaft an den Verein Ortsmuseum Flawil. In den folgenden sechs Jahren wurde die Liegenschaft renoviert und eingerichtet. Seither ist das Ortsmuseum für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Museum ist jeden ersten Sonntagnachmittag im Monat (ausgenommen Sommerferien) von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter der Nummer 071 393 23 29 oder dem Link www.ortsmuseumflawil.ch.