Belebend und doch störend: Musikanten in Wil sorgen für Unmut – die Stadt sucht nach neuen Lösungen

Strassenmusik belebt die Fussgängerzone. Doch nicht immer halten sich die Musikanten an die Regeln, was in Wil immer wieder zu Konflikten führt. Der Stadt ist dies bekannt, sie führt derzeit eine Evaluation durch.

Dinah Hauser
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Die Wiler Fussgängerzone ist seit dem Ende des Lockdowns wieder belebt. Auch Musikanten kamen wieder.

Die Wiler Fussgängerzone ist seit dem Ende des Lockdowns wieder belebt. Auch Musikanten kamen wieder.

Bild: Dinah Hauser

Geraume Zeit war es still an der Oberen Bahnhofstrasse. Wegen der Coronapandemie sowie Einreisebeschränkungen verstummten die Strassenmusikanten. Mittlerweile sind sie wieder zurück. Einige stammen aus Osteuropa. Einige sind bekannte Gesichter, andere kamen neu hinzu. Eines haben sie gemeinsam: Sie versuchen sich und ihre Familien finanziell über Wasser zu halten.

Auch ein studierter Musiker ist dabei. Normalerweise spiele er nicht auf der Strasse. Doch wegen der Pandemie konnte er nicht mehr auftreten, fast alle Auftritte wurden storniert. Er sehe keine andere Möglichkeit, deswegen reist er regelässig nach Wil. Eine angetroffene Familie reist fast täglich in eine andere Stadt bis nach Winterthur oder Baden.

Nun ist die Fussgängerzone wieder belebt. Die Strassenmusikanten sorgen aber immer wieder für Unmut bei den Anwohnern und Geschäften. Nämlich dann, wenn sie sich nicht an die Regeln halten, länger an einem Ort verweilen oder mit Verstärker spielen. Ab und an ist keine Bewilligung vorhanden.

Die Stadt hat ein Reglement

Das entsprechende Reglement ist auf der Website der Stadt Wil öffentlich einsehbar. Die aktuelle Version schreibt etwa die Standplätze vor. Gemäss Plan darf sich ein Künstler rund 50 Minuten an einem Ort aufhalten, bevor er den Standort wechseln muss. Der Plan wird jedem Strassenmusiker als Richtlinie mitgegeben, wie von Stefan Sieber, Leiter Markt und Gewerbe zu erfahren ist.

«Es geht dabei jedoch nicht darum, auf den Meter genau am richtigen Ort zu sein.»

Die Plätze sollen zudem regelmässig gewechselt werden.

Nicht bekannte Musikanten müssen vorspielen

Desweiteren soll die Qualität stimmen. «Mir unbekannte Musiker lasse ich vorspielen. Ich bin keine Jury, kann aber beurteilen, ob zumindest das Instrument beherrscht wird», sagt Sieber. Kostenpunkt einer Bewilligung, die am Spieltag persönlich abgeholt werden muss: 30 Franken für Wochentage, 50 Franken am Samstag. Für Sonn- und Feiertage werden keine Bewilligungen erteilt. Ein und derselbe Musikant kann erst zwei bis drei Wochen später erneut einen Antrag stellen. Pro Tag erteilt die Stadt nur eine Bewilligung.

Strassenmusikanten, die sich nicht an die Regeln halten und bei der Stadt gemeldet werden, sperrt diese für mindestens sechs Monate, im Wiederholungsfall länger, sagt Sieber. Das Verbot von Verstärkern gelte nicht grundsätzlich, sondern diene dazu, dass Geschäfte nicht durch zu lange Beschallung gestört würden.

«Falls die Standorte gemäss Vorgaben gewechselt werden, können zurückhaltend eingesetzte Verstärker geduldet werden.»

Shopping Wil ist für Augenmass

Der Stadt ist bekannt, dass sich nicht immer alle Strassenmusikanten an die vorgegebenen Zeiten und Standorte halten. «Mit Shopping Wil werden deshalb neue, klar definierte Standorte geprüft. Nach Möglichkeit sollen diese auch markiert werden», sagt Sieber. Es laufe aber erst die Evaluationsphase.

Jürg Wipf, Präsident Shopping Wil

Jürg Wipf, Präsident Shopping Wil

Bild: PD

Shopping Wil setzt sich laut dessen Präsident Jürg Wipf für Augenmass ein.

«Man kann das Reglement eins zu eins auslegen. Das ergibt dann aber eine sehr starre Geschichte. Setzt man sich aber komplett darüber hinweg, ist das nicht im Sinne der Kunden und der Geschäfte.»

Schliesslich gebe es auch Musikanten, die sich an das Reglement halten. Die wichtigsten Punkte sind für Wipf die Qualität der Musik und den regelmässigen Wechsel des Standortes. «Die beste Musik ist ermüdend, wenn man sie über längere Zeit hören muss.»

Polizei sprach dieses Jahr einen Platzverweis aus

Hanspeter Krüsi, Kantonspolizei St.Gallen

Hanspeter Krüsi, Kantonspolizei St.Gallen

Bild: PD

Die Kontrolle der Strassenmusikanten erfolgt grösstenteils durch die örtliche Polizei. Diese erhält von der Stadtkanzlei jeweils eine Kopie der Bewilligung und des Ausweises, ist von Hanspeter Krüsi, Kommunikationsleiter der Kantonspolizei St.Gallen zu erfahren. Dieses Jahr seien es bereits 60 gewesen.

«Die meisten Interventionen ergeben sich, wenn sich die Musikanten am falschen Ort aufhalten.»

So erhalte die Polizei jährlich zirka fünf bis acht Meldungen von Geschäften, dass die Musikanten sich entweder zu lange am gleichen oder am falschen Ort aufhalten. Hinzu kämen jeweils vier bis sechs Musikanten, welche keine Bewilligung vorweisen können. Diese würden angewiesen bei der Stadt eine solche zu beantragen. Im laufenden Jahr habe die Polizei bisher nur eine Person weggewiesen.