Beizensterben setzt sich fort

Das Gampi-Pub in Niederuzwil, während Jahren beliebter Treffpunkt, ist geschlossen. Das ehemalige Restaurant wird umgenutzt – in den Räumen entsteht eine Wohnung. Damit geht das Beizensterben in Niederuzwil weiter.

Philipp Stutz
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Das Gampi-Pub an der Bienenstrasse in Niederuzwil hat seine Türen für immer geschlossen. (Bilder: Philipp Stutz)

Das Gampi-Pub an der Bienenstrasse in Niederuzwil hat seine Türen für immer geschlossen. (Bilder: Philipp Stutz)

NIEDERUZWIL. Im Gampi-Pub ging's einst hoch zu und her. Es war ein Treffpunkt in Niederuzwil von jedermann. Vor allem Junggebliebene gaben sich ein Stelldichein. Doch das ist lange her. Bei den letzten Pächtern lief es nicht mehr rund. Die neuen Eigentümer, die Vetsch Immobilien AG in Zürich, haben beschlossen, das Gebäude zu sanieren. Das Restaurant bleibt für immer geschlossen.

Umnutzen statt abreissen

«Die Liegenschaft wird nicht abgerissen, sondern umgenutzt», sagt Manuel Vetsch von der Vetsch Immobilien AG. Es sei zunehmend schwierig, geeignete Pächter zu finden, begründet er die Schliessung des Restaurants. Zumal heute die Anforderungen im Bereich der Gastronomie gestiegen seien. Auch fühlten sich Nachbarn durch den Lärm, der rund um eine Gaststätte verbreitet werden könne, nicht selten belästigt.

Wohnung statt Restaurant

Nun wird die Fassade des Gebäudes saniert, ebenso wie die bisherigen zwei Wohnungen in den oberen Stockwerken. Im Erdgeschoss, das einst das Restaurant beherbergte, entsteht eine Viereinhalb-Zimmer-Wohnung. Alle drei Wohnungen werden vermietet. Und auch für die grosse Parkfläche nördlich des Gebäudes werden Interessenten gesucht. Die neuen Eigentümer hoffen, die Baubewilligung bald zu erhalten.

Das Gampi-Pub nannte sich einst schlicht Restaurant Gambrinus. Kurt und Astrid Willborn erwarben die Liegenschaft im Jahr 1983 und führten das Restaurant fortan als «Gampi-Pub» weiter. «Es war eine Quartierbeiz», erinnert sich Jolanda Hohl, die das Restaurant zwischen 1980 und 1983 gepachtet hatte. Hauptsächlich Handwerker seien zum Znüni erschienen.

Jassen und Darts

Gäste aller Altersschichten hätten hier verkehrt – auch Gemeinderäte. Anzumerken bleibt, dass der Besuch eines Restaurants manch heutigem Exekutivmitglied nicht schaden könnte, um dort Volkes Stimme zu hören. Von der Jukebox erklang Musik, Darts wurde gespielt, Jassrunden wurden geklopft, Geburtstage gefeiert. Vor allem beim Frühschoppen am Samstagmorgen ging's nicht selten hoch zu und her. Dave Hauser, früherer Pächter und selbst aktiver Fussballer, setzte bei solchen Sportanlässen den Röhren-Fernseher in Betrieb. Und spendierte je nach Spielverlauf seinen Gästen eine Runde. Jolanda Hohl erinnert sich an die schöne Gartenwirtschaft mit ihren schattenspendenden Bäumen. «Jedes Mal, wenn ich beim Gampi-Pub vorbeigehe, weckt dies Erinnerungen in mir.» Sie bedauert die Schliessung des Restaurants.

Beizensterben ohne Ende

Und so setzt sich das Beizensterben in Niederuzwil weiter fort. Steht doch der «Schuppä 3», früher «Vamos» und «James' Pub» genannt, seit Jahren leer. Das war einst ein regionaler Treffpunkt der Jugend gewesen. Auch das Hotel-Restaurant Löwen, vor noch nicht allzu langer Zeit aufwendig renoviert, hält seit Monaten geschlossen.

Pizzerien und Kebab-Buden sind in Niederuzwil zwar bald an jeder Ecke auszumachen. Doch ansonsten nimmt sich das gastronomische Angebot zunehmend bescheidener aus.

Jolanda Hohl Wirtete von 1980 bis 1983 auf dem Restaurant Gambrinus

Jolanda Hohl Wirtete von 1980 bis 1983 auf dem Restaurant Gambrinus

Seit Jahren nicht mehr geöffnet: Der «Schuppä 3».

Seit Jahren nicht mehr geöffnet: Der «Schuppä 3».