Beizenfasnacht am Aussterben: Nur ein Lokal in Uzwil ist noch dekoriert

Das Restaurant Rose hat als einziges Lokal im Raum Uzwil dekoriert, und dies bereits zum fünfzigsten Mal.

Philipp Stutz
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Marijanka und Beat Holenstein haben ihr Lokal mit viel Arbeitsaufwand und Fantasie umgestaltet.

Marijanka und Beat Holenstein haben ihr Lokal mit viel Arbeitsaufwand und Fantasie umgestaltet.

Bild: Philipp Stutz

Rund 60 Stunden haben Beat und Marijanka Holenstein ins aufwendige Dekorieren des Lokals investiert, wobei sie zeitweise von Helfern unterstützt wurden. Bereits zwischen Weihnachten und Neujahr haben sie begonnen, das Restaurant umzugestalten. Dabei haben sie Spiegel montiert, Clownmasken platziert und bunte Folien an Decken und Wänden angebracht.

Arbeitsbewilligungen fürs Servierpersonal mussten bereits zuvor eingeholt werden. «Das ist jeweils mit ordentlichem Papierkram verbunden», sagt Holen­stein. Zwei bis drei junge Frauen aus Berlin sind engagiert worden, die hier gerne ihr Einkommen etwas aufbessern. Das Personal hat seine Kostüme selbst mitgebracht und ist schnell mit den hiesigen gastronomischen Gepflogenheiten vertraut geworden. «Gefragt ist ein aufgestelltes Team, das zu allen Gästen freundlich ist und sich mit ihnen unterhält», sagt Beat Holen­stein. Er hat beobachtet, dass während der Woche weniger Leute unterwegs sind als an Wochenenden. Vor allem die Generation der 18- bis 25-Jährigen fehle weitgehend.

Fantasie und Wirklichkeit klaffen auseinander

In den Siebzigerjahren erlangte die Ostschweiz den legendären Ruf als Hochburg der Beizenfasnacht. Weit über die Region hinaus kamen Neugierige angereist, um dekorierte Gaststätten und knapp bekleidetes weibliches Servierpersonal zu besuchen. Damals blieben Sitzplätze in dekorierten Restaurants rar. Das Ganze besass den Anstrich einer «libidinösen Fleischbeschau», wie Kolumnist Fritz Studli einmal geschrieben hat. Die Fasnacht verkam zum Sündenpfuhl, zumindest in der Fantasie der virilen Gäste. Die Wirklichkeit aber blieb meist wesentlich nüchterner.

Auch in Oberuzwil hatten zu jener Zeit mehrere Restaurants dekoriert: etwa das «Hörnli», «Bierhaus» und «Landhaus». Und natürlich die «Rose». Sie ist das einzige Lokal in ganz Uzwil und Oberuzwil, das diese Tradition aufrechterhalten hat. Seit 1970 haben die närrischen Tage hier Tradition. Dafür verantwortlich waren Cécile und Sepp Holen­stein. Deren Sohn Beat, der das Lokal 1997 übernahm, hat die Beizenfasnacht weitergeführt. Und ist der Erste in der Region, der sein Lokal jeweils dekoriert. Dieses Jahr war bereits am 9. Januar Dekorationseröffnung. «Wir sind mit dem Geschäftsgang bisher zufrieden», ziehen er und Gattin Marijanka eine Zwischenbilanz. Ob sie diese Tradition weiterführen wollen, lässt das Wirtepaar offen. «Das steht in den Sternen», sagt Marijanka Holenstein.

Unüblicher Tagesrhythmus mit wenig Schlaf

Die «Rose» ist ein Dorfrestaurant mit treuen Stammgästen. Holenstein betont, dass der Gastwirtschaftsbetrieb in üblichem Rahmen weiterlaufe. «Znüni und Mittagessen gehö­ren zum täglichen Angebot. Und wenn es mal spät beziehungsweise früh wird, muss ich trotzdem um neun Uhr morgens in der Küche stehen.» Gattin Marijanka pflichtet ihm bei:

«Es ist eine strenge Zeit, verbunden mit einem unüblichen Tagesrhythmus und wenig Schlaf.»

Doch wenn das Restaurant gut besetzt sei und die Stimmung steige, verrinne die Zeit wie im Nu.

Gesetzliche Vorgaben erschweren das Wirten

Beat Holenstein verhehlt nicht, dass in den vergangenen Jahren eine gewisse Stammtischkultur verloren gegangen ist. Das sei unter anderem auf gesellschaftliche Veränderungen zurückzuführen. Erschwerend kämen gesetzliche Faktoren hinzu, wie etwa das Rauchverbot. «Das hat der Gastronomie zusammen mit der Senkung der Promillegrenze enorm geschadet.»

Holen­stein versteht mit Bezug auf das Rauchverbot bis heute nicht, weshalb er als Hauseigentümer nicht selbst über die Nutzung der eigenen Liegenschaft entscheiden darf. «Uns sind die Hände gebunden.» Auch ärgert er sich darüber, dass er seine kleine Gartenwirtschaft mit Sitzplätzen auf der Terrasse an der Lelechtenstrasse aufgrund einer Einsprache nicht weiterführen konnte. Es gab Probleme wegen des Strassenabstands.

Die «Rose» zählt zu den älteren Restaurants im Dorf und ist 1880 erbaut worden. Nun habe er darauf zu achten, dass die Nachtruhe mit Rücksicht auf später entstandene Wohnliegenschaften während der Fasnachtszeit nicht gestört wird, sagt der «Rose»-Wirt. Darauf werde in der Bewilligung der Gemeindeverwaltung explizit hingewiesen.

Zurück zur Dekoration. Sie nennt sich «Spieglein, Spieglein an der Wand…». Die Fasnacht hält einem tatsächlich einen Spiegel vor. Und darin erkennen wir uns selbst.