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Beinahe im sicheren Hafen: Kantischüler bauen seetaugliche Katamarane

Angeleitet vom Schwarzenbacher Hobbybootsbauer Franz Fischli haben 14 Schüler der Kanti in Bülach zwei Segelboote gebaut. Die Katamarane sind vom Schifffahrtsamt Kreuzlingen geprüft und seetauglich. Jetzt fehlt nur noch das liebe Geld.
Annina Quast
Die Jungfernfahrt des selbst gebauten Katamaran war erfolgreich. (Bild: PD)

Die Jungfernfahrt des selbst gebauten Katamaran war erfolgreich. (Bild: PD)

14 Schüler der Kantonsschule Zürcher Unterland (KUZ) und ein grosses Vorhaben: Zwei Segelkatamarane sollen eigenhändig von A bis Z gebaut werden. Dies ist nun, nach langem Organisieren, Werkeln und Fehler ausbessern, gelungen. Vor kurzem haben die Boote die grösste Prüfung bestanden: Die Seepolizei Kreuzlingen hiess die beiden Katamarane gut, somit sind die Boote nun offiziell zugelassen. Jetzt fehlt nur noch der Feinschliff, bevor die Katamarane bei der Bootstaufe diesen Samstag eingeweiht werden.Der Bau fand im Rahmen des sogenannten «Projektorienttierten Lernens» statt, das jedes Jahr in Form von Projektwochen an der KUZ angeboten wird. Unterstützt wurden die Schüler von zwei Lehrern sowie Hobbybootsbauer Franz Fischli aus Schwarzenbach. Fischli baute bereits fünf Boote selber, deshalb stammen auch Entwurf und Bauplan von ihm.

Keine technischen Vorkenntnisse der Schüler

Er war in Frankreich mit zwei seiner selbstgebauten Segelboote unterwegs, als er von dem Projekt der Schüler aus dem Zürcher Unterland hörte. Eine Lehrerin der Kantonsschule berichtete Franz Fischli vom anstehenden Bootsbau – und von der Suche nach Unterstützung durch einen Fachmann. So entschied Franz Fischli – unter anderem auch Kommunikationschef des Flawiler «Kulturpunkt» – sich dieses Jahr nicht für das Winterthurer Begegnungsfestival Afro-Pfingsten einzusetzen, sondern den Lernenden aus Bülach als Coach zur Seite zu stehen. «Ich finde es toll, wenn Jugendliche engagiert sind. So etwas unterstütze ich gern», betont er. Die Idee bestand darin, dass die Lernenden ein Projekt vom Anfang bis zum Ende aufgleisen, durchziehen und verwirklichen. «Ein Boot haben ist das eine. Eines zu bauen ist etwas ganz anderes. Die Jungs hatten keine technischen Vorkenntnisse, das war eine der grossen Herausforderungen. Vor allem, weil sich einige Schüler relativ schnell in das Handwerk einfanden, andere hatten im Gegensatz dazu nie zuvor einen Hammer gesehen», erklärt Franz Fischli die Ausgangslage.

Der seit 1981 in Schwarzenbach wohnhafte Grafiker und Texter kam durch die Liebe zum Wassersport zum Eigenbau von Segelbooten. «Ich stelle mich gerne solchen Herausforderungen. Empirisch tastete ich mich dann an den Bau von Booten heran.» Aus demselben Grund nahm er sich auch der Aufgabe an, mit 14 Kantonsschülern zwei seetüchtige Boote zu bauen. «Der Moment, als die jungen Leute nach bestandener Prüfung des Schifffahrtamts Kreuzlingen aus dem Wasser kamen, war die ganze Mühe wert. Die Freude der Jungs war riesig und meine somit auch», sagt Fischli.

Ganz ohne Geld geht’s nicht

Jetzt wird nur noch etwas am Design gearbeitet, die Schüler sind stolz, das Projekt zu Ende gebracht zu haben. Doch ein wichtiger Punkt fehlt noch: die Sicherstellung der Finanzierung. Vor allem das Material verursachte erhebliche Kosten. Die Kantonsschule stellt für die Projekte kein Budget zur Verfügung, auch nicht für allfällige beigezogene Fachpersonen. Dies vor allem aus einem Grund: Die ausgeführten Projekte reichen vom einfachen Wandern bis zum aufwendigen Bootsbau.

Für die Umsetzung des Bootsbauprojekts war ein Betrag von 9000 Franken veranschlagt. Das Geld wurde eingesetzt und ist verbraucht. Da sich eine solche Summe nicht über den Verkauf von Kuchen erwirtschaften lässt, entschieden sich die Jugendlichen, auf die Möglichkeit des Online-Crowdfundings zurückzugreifen. Dabei können alle, die das Projekt finanziell unterstützen möchten, einen beliebigen Beitrag beisteuern.

Das Crowdfunding läuft noch 21 Tage. Rund die Hälfte des notwendigen Betrags konnte bereits generiert werden. Trotzdem «fehlt noch so einiges», wie Franz Fischli sich ausdrückt. «Wenn wir nicht die gesamte Summe zusammenkriegen, fliesst das gespendete Geld wieder zurück an die Gönner», sagt er. Dies verlange das System des Crowdfundings. Die finanzielle Verantwortung für das Projekt liegt derzeit noch bei den verantwortlichen Lehrpersonen und bei Franz Fischli. Sie alle haben das den Bau der Boote gemeinsam vorfinanziert.

Aus der Idee wird Realität

Nach der Bootstaufe, die mit einem Grillfest und Probefahrten gefeiert wird, sucht man einen Göttiverein für die Boote. So sollen die Jugendlichen weiterhin Zugang zu ihren Bauwerken haben. Gleichzeitig können die Boote vermietet werden. Trotz der Tatsache, dass noch eine grosse Finanzierungslücke besteht, bereut es Franz Fischli nicht, das Projekt begleitet zu haben – im Gegenteil: «Ich glaube, viele Schüler haben wirklich was fürs Leben gelernt. Und zwar über die technischen und handwerklichen Aspekte hinaus. Die Erkenntnis, dass und wie aus einer Idee Realität werden kann, ist einfach eine tolle Erfahrung.»

Hinweis
Die Bootstaufe der beiden Segelkatamarane findet am Samstag, 30. Juni, auf der Landi-Wiese in Zürich statt. Gespendet werden kann auf https://wemakeit.com/projects/schueler-bauen-segelboote

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