Beim zweiten Anlauf soll es klappen: Wiler Stadtrat bringt Stellen für Medienpädagogik erneut vors Parlament

Im Dezember lehnte das Wiler Stadtparlament die Schaffung einer Fachstelle Medienpädagogik ab. Nun versucht es der Stadtrat erneut.

Gianni Amstutz
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Schon heute arbeiten Schüler in Wil mit Tablets im Unterricht. Medienkompetenzen werden in Zukunft noch wichtiger.

Schon heute arbeiten Schüler in Wil mit Tablets im Unterricht. Medienkompetenzen werden in Zukunft noch wichtiger.

Bild: PD

Diese Vorlage könnte zu keinem passenderen Zeitpunkt vors Parlament kommen. Der Stadtrat hat Bericht und Antrag betreffend Weiterentwicklung der Informatik an den Schulen der Stadt Wil dem Stadtparlament überwiesen. Darin betont er mehrmals die Wichtigkeit von Medienkompetenzen für Schülerinnen und Schüler.

In Zeiten, in denen der Unterricht teilweise vor dem PC stattfindet und auch die Organisation übers Internet läuft, bekommt das eine ganz neue, unerwartete Bedeutung. Ohne IT-Technologien wäre Homeschooling, wie es sicher noch bis zum 11.Mai durchgeführt wird, nicht möglich.

Stadt Wil möchte mehr machen als das Minimum

Rund zwei Millionen Franken will die Stadt Wil in den Ausbau der Informatik investieren. Hauptkostenpunkt sind dabei die Geräte, die für die Schülerinnen und Schüler angeschafft werden.

Der Stadtrat geht dabei etwas weiter als vom Kanton vorgeschrieben. So werden für die Primarschüler beispielsweise die doppelte Anzahl iPads, für Oberstufenschüler gar die vierfache Menge vom Minimalstandard angeschafft. Damit ist in der Primarschule eine 1:2-Abdeckung gewährleistet, in der Oberstufe hat jeder Schüler sein eigenes Gerät.

Die Mehrkosten im Vergleich zur obligatorischen Minimalvariante betragen dabei 280'000 Franken. Der Stadtrat rechtfertigt diese Zusatzkosten mit dem pädagogischen Nutzen, der durch die Anschaffung zusätzlicher Geräte erwiesen sei.

Anderseits nehme der Kanton St.Gallen eine Anpassung der Standards vor, wobei davon auszugehen sei, dass diese nach oben angepasst und sich damit mit den Inhalten des ICT- und Medienkonzepts der Schulen der Stadt Wil grossmehrheitlich decken werden.

Zusätzliche Stellen dürften zu reden geben

Neben der Anschaffung von Geräten geht es bei der Umsetzung des Medienkonzepts aber auch um personelle Fragen. Dies – das ist in Wil so sicher wie das Amen in der Kirche – führt im Parlament immer zu hitzigen Diskussionen.

Alle Lehrpersonen sollen in den nächsten Jahren in diesem Bereich weitergebildet werden. Die Kosten dafür sollen mit dem dafür zur Verfügung stehenden Weiterbildungsetat finanziert werden – vorerst. Es müsse geprüft werden, den Budgetrahmen leicht zu erhöhen, schreibt der Stadtrat.

Dies, weil die Bildung und Kompetenzen der Lehrpersonen in diesem Bereich kontinuierlich erneuert und weiterentwickelt werden müssten. Da diese Massnahme in einem ersten Schritt budgetneutral umgesetzt wird, dürfte sich das Parlament nicht querstellen.

Weitaus mehr Widerstand wird der Antrag zur Schaffung von 100 Stellenprozent für die Medienpädagogik auslösen. Wieso das jetzt schon feststeht? Weil das Stadtparlament an der Budgetsitzung im vergangenen Dezember erst die Schaffung einer Fachstelle Medienpädagogik mit einem 80-Prozent-Pensum abgelehnt hat.

Dieses Mal ist jedoch einiges anders. Es soll keine zentrale Fachstelle geschaffen werden, sondern Lehrkräfte mittels Zusatzausbildung zu Medienpädagogen weitergebildet werden und danach nebst ihrer Lehrtätigkeit als solche fungieren.

Insgesamt drei Lehrpersonen, je eine auf den Stufen Kindergarten, Primarschule und Oberstufe, sollen diese Weiterbildung absolvieren. «Einige Voten im Parlament haben eine Änderung in diese Richtung verlangt», sagt Schulratspräsidentin Jutta Röösli.

Es fehlen nur zwei Stimmen

Viel braucht es denn auch nicht, um die Mehrheitsverhältnisse zu kippen. Bei der Abstimmung im Dezember, die mit 19 Nein- zu 17 Ja-Stimmen endete, fehlten nur zwei Stimmen. Röösli hofft mit dem eingeschlagenen Weg einige Parlamentarier zum Umdenken zu bewegen.

Eine Professionalisierung und damit die Schaffung von Stellen in der Medienpädagogik ist für sie unverzichtbar. Oder wie es im Bericht ans Parlament heisst: «Damit die Schulentwicklung den Anforderungen genügen kann, muss die Digitalisierung besser koordiniert werden.»

Bisherige Ressourcen und Anstrengungen reichten dafür nicht aus. Die jährlich Kosten für die Medienpädagogik beliefen sich auf 110'000 bis 156'000 Franken. Ob das Parlament dazu bereit ist, bleibt abzuwarten.