Bei Swiss Caps geht die Angst um

KIRCHBERG. Die 190 Mitarbeitenden des Kirchberger Pharmaunternehmens haben eine Änderungskündigung erhalten. Wollen sie ihre Stelle behalten, müssen sie laut Gewerkschaft Unia neu 42 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten. Zudem werden Grenzgänger neu in Euro bezahlt.

Hans Suter
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Im Gegensatz zu anderen Unternehmen in der Region soll bei Swiss Caps die Arbeitszeit unbefristet von 40 auf 42 Stunden erhöht werden. (Bild: Hans Suter)

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen in der Region soll bei Swiss Caps die Arbeitszeit unbefristet von 40 auf 42 Stunden erhöht werden. (Bild: Hans Suter)

«Gratisarbeit und Lohnabbau mit Eurolöhnen» nennt die Gewerkschaft Unia die Massnahmen der Swiss Caps AG in Kirchberg. Davon betroffen sind laut Unia auch zwei Schwesterbetriebe in Muttenz und Sisseln. Seitens des Unternehmens seien die Massnahmen mit der Frankenstärke und der Notwendigkeit von Kostensenkungen begründet worden. Für eine Stellungnahme war gestern kein Mitglied der Kirchberger Standortleitung erreichbar.

Angst vor Jobverlust

Ob und wie viele Mitarbeitende sich gegen diese Massnahmen wehren, weiss Erich Kramer nicht. Der Industriesekretär der Unia Ostschweiz sagt jedoch: «Bei einem Besuch haben wir festgestellt, dass bei den Angestellten die Angst um ihre Arbeitsplätze sehr gross ist.» Im Jahr 2009 habe Swiss Caps 80 Stellen in Kirchberg abgebaut. «Das wirkt nach.» Swiss Caps stellt Tabletten, Kapseln und Dragées für die pharmazeutische Industrie her und gehört zum deutschen Aenova-Konzern mit Sitz in Pähl bei München (siehe Box). Wie viele der Mitarbeitenden qualifizierte oder hochqualifizierte Arbeit leisten, ist laut Kramer unklar. Er geht davon aus, dass es sich um Spezialistentätigkeiten handelt. Der Umstand, dass es in der Region nur wenige Firmen in der Pharmabranche gebe, verstärke die Angst vor Jobverlust.

Eurolöhne für Grenzgänger

Bei Swiss Caps arbeiten laut Unia etliche deutsche Grenzgänger. «Diese wurden im Mai vor die Wahl gestellt, ab 1. August neue Löhne in Euro zu akzeptieren oder die Kündigung zu erhalten», sagt Kramer. Den neuen Löhnen werde ein fixer Eurokurs von 1.17 Franken zugrunde gelegt. Der tatsächliche Umrechnungskurs liegt derzeit bei etwa 1.05 Franken. «Dadurch erleiden die Betroffenen einen Lohnverlust von rund zehn Prozent», sagt Kramer. Die Gewerkschaft Unia fordert die Rücknahme der Eurolöhne. «Diese sind illegal. In der Schweiz müssen Löhne in Franken bezahlt werden, auch an Grenzgänger», sagt Kramer. Eurolöhne würden zudem gegen das Diskriminierungsverbot verstossen. «Alle Angestellten einer Firma müssen gleich behandelt werden. Mit tieferen Löhnen für die Grenzgänger können rasch die inländischen Arbeitsplätze in Gefahr kommen», schreibt die Unia in einer Mitteilung.

Unia hofft auf Klage

«Bei Swiss Caps gibt es keinerlei sozialpartnerschaftliche Strukturen», sagt Kramer. Er hofft deshalb, dass sich einer oder mehrere Angestellte zur Wehr setzen und es so zu einem Gerichtsentscheid kommt.

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