Bei Renovation von Haus in der Altstadt: Älteste Fresken Wils entdeckt

Der Prix Casa geht in diesem Jahr an das Haus an der Marktgasse 48. Dieses hat es wortwörtlich in sich.

Gianni Amstutz
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Die Wandmalerein stammen aus dem 14. Jahrhundert. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Wandmalerein stammen aus dem 14. Jahrhundert. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das hätte vor dem Umbau des Gebäudes an der Marktgasse 48 wohl niemand erwartet. Nicht einmal dessen Besitzer Josef Leo Benz. Der Architekt zeichnete sich auch für den Bau des Lindenhofschulhauses verantwortlich und begleitete die erste Bauetappe der Sanierung des Hof zu Wil. Doch was er bei der umfassenden Sanierung seines Hauses in der Altstadt erlebte, war auch für den erfahrenen Architekten eine Überraschung.

Bei der Schichtenfreilegung im Innern des Gebäudes kamen ornamentale Wandmalereien aus dem 14.Jahrhundert zum Vorschein. «Das sind die ältesten, derzeit bekannten, weltlichen Malereien in Wil», freut sich Josef Leo Benz. Diese Fresken hätten dazu gedient, die Wohnlichkeit in den Herrenstuben zu erhöhen, erklärt er.

Aufgrund dieses historischen Fundes überrascht es wenig, dass die Renovation der Marktgasse 48 am Dienstagabend mit dem Prix Casa 2019 ausgezeichnet wurde. Wil Tourismus verleiht diesen Preis jedes Jahr für besonderes Engagement zum Erhalt von historischen Gebäuden. Sowohl Walter Dönni, Präsident von Wil Toursimus, als auch Renato Tamburlini, Leiter Hochbau, sprachen von einer beispielhaften Renovation, die wie für den Prix Casa geschaffen sei. Die Entscheidung sei der Jury in diesem Jahr deshalb einfach gefallen, sagt Dönni.

Vor 30 Jahren mit Umbau begonnen

Dass das Haus an der Marktgasse dereinst mit dem Prix Casa ausgezeichnet werden würde, hatte vor 30 Jahren, als die ersten Arbeiten am Haus begannen, niemand geahnt. Ursprünglich sei nur eine provisorische Instandstellung geplant gewesen, sagt Josef Leo Benz. Doch dann kam mit der Zeit immer mehr Verborgenes zum Vorschein. Der Umbau verzögerte sich jedoch aufgrund fehlender Bewilligungen, Benz’ beruflicher Arbeitsbelastung und weiterer Gründe immer wieder. Umso glücklicher ist der Bauherr nun mit dem Endergebnis.

Das Haus wachgeküsst

Dabei war das Objekt eher unscheinbar, Renato Tamburlini sprach in seiner Laudatio gar von einem hässlichen Entlein. «Das Haus musste wachgeküsst werden.» Nur dank einer umsichtigen und akribischen Aufarbeitung der Geschichte des Gebäudes, die bis ins 12.Jahrhundert zurückreicht, sei dies möglich gewesen.

Unscheinbar war das Gebäude auch deshalb, weil es mit seiner Breite von nur rund vier Metern von aussen zwischen den anderen Häusern glatt übersehen werden könnte. Gleichzeitig weist es eine Tiefe von 20 Metern auf: keine leichten Voraussetzungen für die Gestaltung des Wohnraums im Gebäude.

«Marktgasse 48 ist in der Gegenwart angekommen»

Von links: Preisträger Josef Leo Benz, Wil-Tourismus-Präsident Walter Dönni sowie Reto und Susanne Benz, die inzwischen im Haus an der Marktgasse 48 wohnen. (Bild: Gianni Amstutz)

Von links: Preisträger Josef Leo Benz, Wil-Tourismus-Präsident Walter Dönni sowie Reto und Susanne Benz, die inzwischen im Haus an der Marktgasse 48 wohnen. (Bild: Gianni Amstutz)

Dass mit Josef Leo Benz ein Mann vom Fach als Bauherr am Werk war, dürfte für den Erfolg der Renovation entscheidend gewesen sein. «Ein Altstadtbau ist ein Kulturgut», sagte er. Diese gehöre seinem Besitzer nur für eine gewisse Zeit. Als Besitzer müsse man das anvertraute Kulturgut bewahren, um es auch für künftige Generationen zu erhalten. Eine Aufgabe, die Josef Leo Benz offensichtlich bravourös gelungen ist. Er selbst sagt: «Die Marktgasse 48 ist mit diesem Umbau in der Gegenwart angekommen.»