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Bei Anrufen aus London droht dem PC Gefahr

Vergangene Woche kam es in einem Toggenburger Haushalt zu anhaltendem Telefonterror. Die betroffene Person möchte anonym bleiben, ihr ist die ganze Sache peinlich. Die Masche ist nicht neu: Fremde wollen Zugriff auf Computer erschleichen.
Martina Signer
Insbesondere ältere Menschen, die sich mit Computern nicht so gut auskennen, sind in Gefahr, auf die Masche der Betrüger hereinzufallen. (Bild: Hannes Thalmann (St. Gallen, 5. Februar 2010))

Insbesondere ältere Menschen, die sich mit Computern nicht so gut auskennen, sind in Gefahr, auf die Masche der Betrüger hereinzufallen. (Bild: Hannes Thalmann (St. Gallen, 5. Februar 2010))

Vergangene Woche kam es in einem Toggenburger Haushalt zu anhaltendem Telefonterror. Die betroffene Person möchte anonym bleiben, ihr ist die ganze Sache peinlich. Die Masche ist nicht neu: Fremde wollen Zugriff auf Computer erschleichen.

Das Telefon klingelt. Und klingelt und klingelt. Bis die Frau Mitte 50 draussen im Garten aufhorcht, dauert es einen Moment. Sie bereitet die Beete auf den Winter vor, und die Bise macht ihr bei der Arbeit zu schaffen. Sie wäre froh über eine Ablenkung. Ein nettes Gespräch mit der Schwester oder ihrer Tochter käme ihr gelegen. Also geht sie rasch zur Hintertür, entledigt sich der Gummistiefel und der Gartenhandschuhe, rennt ins Wohnzimmer – und der Klingelton verstummt. Verärgert blickt sie auf die Anruferkennung und sieht eine ellenlange Telefonnummer, die sie nicht kennt. Während sie noch an einen lästigen Werbeanruf glaubt, klingelt es erneut. Sie hebt ab und wird in gebrochenem Deutsch darauf hingewiesen, dass ihr Computer von Viren befallen ist. Er, so der Anrufer, könne ihr ganz einfach helfen, wenn sie ihm Zugriff auf ihren PC gebe.

Die Frau ist auf Anhieb beunruhigt. Ein Virus? Auf ihrem Computer? Was werden die Töchter sagen, wenn sie schon wieder den Techniker ins Haus holen muss? Virus. Das klingt ganz schön schlimm. Dabei googelt sie doch so gerne. Sucht Informationen über Schädlinge im Garten, erkundet Wanderrouten vor dem Ausflug und freut sich, wenn die Tochter sie nach Reisezielen in der Schweiz fragt, nach denen sie sogleich im Internet recherchiert. Viel mehr macht sie mit dem Computer nicht. Sie kennt weder Firewalls noch weiss sie, was der Begriff Software bedeutet, und mit einem Virus hatte sie es bis jetzt nur während einer Grippe zu tun. Völlig verunsichert von dem Gerede des Anrufers, der sich als Mitarbeiter von Microsoft aus London ausgibt, steigt sie mit dem schnurlosen Telefon bereits die Treppe zum Büro hoch. Doch je mehr der Anrufer faselt, desto skeptischer wird die Frau. Sie fragt ihn, was das denn für ein Virus sei. Er weicht aus und sagt, sie bekämen in London von ihrem Rechner Tausende Fehlermeldungen. Und, dass ihr Computer damit ein riesiges Chaos verursache, das es dringend zu beheben gelte. Der Frau wird es zu viel. Sie ist verwirrt und möchte das Gespräch nicht fortsetzen. Sie verabschiedet sich höflich und legt mitten in den Drohungen des Anrufers einfach auf. Eingeschüchtert geht sie zurück ins Wohnzimmer und will gerade wieder zur Tür hinaus in den Garten, als das Telefon erneut klingelnd auf sich aufmerksam macht. Die gleiche Nummer. Die Hausfrau will ihrem Ärger nun Luft machen und dem Anrufer die Meinung sagen. Also hebt sie wiederum ab.

Der Anrufer ist erbost, sein Ton wird lauter, eindringlicher, und immer wütender erklärt er ihr, womit sie es hier zu tun hat. Einem Virus, der ihre gesamte Festplatte – sie weiss nicht, was dieses Wort bedeutet – ein für allemal zerstören kann. Jetzt gibt sie nach. Sie will den Leuten da oben in London mit ihren Fehlermeldungen keine Überzeit bescheren. Sie leistet den Anweisungen des Anrufers Folge und setzt sich an den PC. Mit einem Knopfdruck fährt der Rechner hoch. Der Anrufer beruhigt sich wieder und faselt von Sicherheit, Firewalls und einer Fernwartungssoftware, die sie schnellstmöglich herunterladen soll. Eingeschüchtert gibt die Frau ihr Passwort ein und will gerade eine Suchmaschine öffnen, als ihr plötzlich klar wird, dass sie vielleicht gerade jetzt betrogen wird. Sie legt auf und wählt die Nummer ihrer Tochter, die sich mit diesen Sachen besser auskennt. Diese beruhigt ihre aufgelöste Mutter. «Mami, wenn du keinen Zugriff auf deinen Computer freigegeben hast, ist alles in Ordnung. Schalt den PC wieder aus und geh in den Garten.»

Die Mutter ist beruhigt. Etwas. Könnte es nicht sein, dass sie bereits mit dem Eingeben des Passworts einen dummen Fehler begangen hat. «Nein, Mami. Alles okay. Glaub mir», redet die Tochter sanft auf ihre Mutter ein. Die Frau wird zwar an diesem und sogar noch am nächsten Tag mit mehr Telefonterror belästigt – die gleiche Nummer klingelt immer wieder durch – doch sie lässt sich nicht mehr darauf ein. Die Nummer hat sie sich notiert, da aber nichts Schlimmes geschehen ist, belässt sie es dabei und erstattet keine Anzeige bei der Polizei.

Wie eine kurze Recherche im Internet zeigt, ist die Masche alles andere als neu. Das wahre Ziel solcher Telefonate ist es, die Opfer dazu zu bewegen, Manipulationen an ihren Computern vorzunehmen, Software herunterzuladen oder infizierte Webseiten zu besuchen. Dies geschieht mit der Absicht, sich unerlaubt Zugriff auf die fremden Rechner zu erschleichen. Die Frau hat also richtig reagiert, auch wenn es anders hätte ausgehen können.

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