Begeisterungsstürme in der Tonhalle

Die letzte Samstagabendvorstellung der Saison in der Tonhalle begeisterte das Publikum. Eine Standing-Ovation gab es für alle Mitwirkenden, einen besonderen Applaus für Gerd Silberbauer in der Hauptrolle des Stücks «Die Schachnovelle».

Andrea Schlegel
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Auf dem Passagierdampfer zwischen New York und Buenos Aires trifft sich eine bunt gemischte Gesellschaft. Der Industrielle McConnor fordert den Schachweltmeister Mirko Czentovi zu einer Partie Schach heraus. Bereits der Einstieg entlockte dem Schachnovellen-Publikum am Samstagabend in der Tonhalle immer wieder ein Lachen. Die pointierten Dialoge und auch die Gestik begeisterten schon von Beginn weg.

Geniales Spiel

Die Spannung steigt, als Doktor Bertram sich in eine Partie einmischt. Bereits da wird das innere Thema des Stückes spürbar. Doktor Bertram ist dem Schachspiel hilflos ausgeliefert. In der Folge bittet Doktor Hartel Doktor Bertram darum, eine Partie von Grund auf gegen den Schachweltmeister zu spielen. Bertram erzählt Hartel, wie er zum Schachspiel gekommen ist.

Seine tragische Vergangenheit holt ihn dabei immer wieder ein, die Grenzen zwischen dem Erlebten und dem Jetzt verwischen stetig. Mit Hilfe des preisgekrönten Bühnenbildes wird dies besonders deutlich gestaltet. Sprach Bertram eben noch mit Hartel, gleitet er in einen Monolog ab, und die Bühnenmitte wird zu seinem Arrestzimmer im Hotel des Gestapo-Hauptquartiers. Das Spiel von Gerd Silberbauer als Doktor Bertram begeisterte.

Seine in irrwitzigem Tempo vorgestossenen Monologe rissen den Zuschauer mit, atemlos strebt er selber beim Zuhören mit. Leidet, wenn Bertram mit aller Gewalt der Worte versucht, den Wärter zu einem Gespräch zu zwingen. Freut sich, als es ihm gelingt, mit dem gestohlenen Schachbuch eine Tätigkeit zu finden. Und atmet auf, wenn er zwischendurch immer mal wieder in die Gegenwart zurückkehrt, die ganze Bühne in Licht taucht und Bertram kurz ins Gespräch mit Hartel zurückkehrt.

Applaus brandete zwischen einzelnen Szenen auf, der Sog des genialen Spiels Silberbauers riss mit. Nach dem Verlust des Schachbuches verliert Bertram sich im Schachspiel in seinem Kopf, deklamiert, wer weiss sei, wer schwarz, eine Partie ich gegen ich. Der Zusammenbruch folgt, ein Spitalaufenthalt, der in die Freiheit und damit auf den Dampfer führt. Nie wieder soll er sich dem Schachspiel hingeben, war die ärztliche Weisung. Er erklärt sich trotzdem bereit, gegen Czentovic anzutreten – nur das eine Mal.

Plötzlich wird das Schachspielen zu einem Spiel für zwei. Eine Seite kann Bertram nicht direkt beeinflussen.

Begeisterung

«Das Programm ist diese Saison besonders gelungen», befand eine Besucherin beim Verlassen der Tonhalle. «Ein ganz tolles Stück», schwärmte ein anderer Besucher, als die Lichter nach dem zweiten Akt wieder angingen. Die Bühnenfassung dieses Stückes schuf Helmut Peschina, der an diesem Abend im Publikum weilte.

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