Begegnungen zwischen Menschen und Autos

Sommerflaute und Regenwetter – eine Paarung, die das pulsierende Leben aus den Strassen vertreibt, das Pflaster dem motorisierten Verkehr überlässt. Entsprechend gut besetzt sind am Mittwoch die Parkfelder entlang der Flawiler Bahnhofstrasse.

Andrea Häusler
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Sommerflaute und Regenwetter – eine Paarung, die das pulsierende Leben aus den Strassen vertreibt, das Pflaster dem motorisierten Verkehr überlässt. Entsprechend gut besetzt sind am Mittwoch die Parkfelder entlang der Flawiler Bahnhofstrasse. Da und dort huschen Menschen mit hochgeschlagenen Kapuzen oder bunten Schirmen über die Strasse – barfüssig in Sandalen oder mit herbstlich anmutenden Stiefeletten. Die unterschiedliche Kleiderwahl fällt auf, verblüfft. Während die einen im ärmellosen T-Shirt zähneklappernd, aber mit eiserner Konsequenz den Hochsommer-Temperaturen von vergangener Woche nachtrauern, setzen andere auf kuschlige Sweatshirts und Faserpelz.

Von der KB zur Post

Die Frau, die ihren schwarzen Van vor der örtlichen Niederlassung der Kantonalbank parkiert, trägt weder das eine noch das andere; dafür ein Postpaket. Den Schirm aufgespannt, die Handtasche unter den Ellbogen und das Päckli unters Kinn geklemmt, sperrt sie die Wagentür zu. Es regnet noch immer. Wasser tropft von den Bäumen. Schräg passiert die Frau die Bahnhofstrasse: den Kopf unter dem weissen Schirm mit roter Werbeaufschrift, das Postgebäude im Visier. Der Automobilist, der sich in langsamer Fahrt nähert, bremst ab, jener hinter ihm Sekundenbruchteile später. Hinter dessen Scheibenwischern ist eine enervierte Handbewegung auszumachen und ein kaum wahrnehmbares Kopfschütteln dazu.

Fahrbahn gehört Fussgängern

Die Frau geht unbeirrt weiter, die Automobilisten setzen die Fahrt fort. Unwillkürlich werden Gemeinderat Erwin Thalmanns Worte ins Gedächtnis gerufen, als er sich im Zusammenhang mit der geplanten Stromtankstelle über die Bahnhofstrasse als Begegnungszone geäussert hatte: «Es gibt kein eigentliches Trottoir. Die Fussgänger haben gegenüber den Autos überall Vortritt. Sie können also auch auf der Fahrbahn gehen. Ich beobachte jedoch, dass das noch zu wenig gelebt wird.» Tja, wirklich erstaunlich ist das nicht.