Begabung ist die Liebe zur Sache

Im Klangatelier von Anita Mamie findet man neben einem Klavier auch weitaus ungewöhnlichere Instrumente wie die Indianerflöte, ein Didgeridoo, das Clavichord und ein Liegemonochord, das für die Klangtherapie gebraucht wird.

Vivien Steiger
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Die Musikerin Anita Mamie unterrichtet unter anderem Clavichord, Didgeridoo und Alphorn. (Bild: vs.)

Die Musikerin Anita Mamie unterrichtet unter anderem Clavichord, Didgeridoo und Alphorn. (Bild: vs.)

DEGERSHEIM. Die selbständige und freischaffende Musikerin Anita Mamie unterrichtet ganz nach ihrem Motto «vom Urklang zum Kulturklang» die unterschiedlichsten Instrumente wie Erdklang- und Indianerflöte, Didgeridoo, Alphorn, Maultrommel, Clavichord und Klavier. Nebenbei betreibt sie Klangtherapie auf dem Liegemonochord (Klangbett). Die ursprünglich aus Schaffhausen stammende Anita Mamie machte ihre Ausbildung am Lehrerseminar und entschied sich danach für ein Musikstudium an den Musikhochschulen Zürich und Hamburg.

Gegengewicht zum Schulsystem

Anita Mamie lebte sechs Jahre in der Innerschweiz auf dem Stoos. «Durch die Abgeschiedenheit und die Natur habe ich mich verändert und zu den Urinstrumenten wie dem Clavichord gefunden. Ich wollte die Natur und die Kultur verbinden», sagte sie. Nach diesem Wunsch richtet sie auch ihren Musikunterricht. «Die Kinder können ihre Musikstücke selbst auswählen. Niemand muss etwas spielen, das ihm nicht gefällt», erzählte Anita Mamie, und weiter: «Ich möchte ein Gegengewicht zum gängigen Schulsystem geben und mehr die Gefühls- und Intuitionsebene ansprechen.» Zum musiktherapeutischen Unterricht gehören auch ihre kleinen Hunde, die mit ihrer Anwesenheit die Stimmung lockern sollen. Die Klangtherapie lässt sie regelmässig in den Unterricht einfliessen.

Sich selbst sein können

«Klangtherapie ist heilsam, entspannend und belebend zugleich, die Kinder lieben es», sagte Anita Mamie. Klangmassagen finden auf einem Liegemonochord, einer Art Klangbett mit rundem Klangkörper, statt, der mit 51 Saiten bespannt ist. Dabei sitzt sie am Boden, damit sich der Klient nicht beobachtet fühlt und ruhig atmen kann. «Das Clavichord ist die Urmutter aller Tasteninstrumente», erzählte Anita Mamie, «es war schon im Mittelalter verbreitet.» Der Ton des Clavichords ist sehr leise. «Man muss etwa zehn Minuten hineinhören. Danach erscheinen einem die wunderbarsten Klangfarben», sagte sie. Die Musikerin versucht mit Musikpädagogik die Menschen dazu zu bewegen, mehr individuell etwas zu machen und sich selbst zu sein. «Man kann sein, was man sein will, und nicht, was andere wollen, dass man ist», lautet ihr Grundgedanke.

Musik voller Hoffnung

Die Indianerflöte gefällt Anita Mamie von ihren Instrumenten besonders gut. «Sie hat nur fünf Töne, gestimmt in Moll-Pentatonik.» Zu dieser Flöte gibt es eine Legende, in der sich ein Jäger im Wald verirrte und dort übernachten musste. In der Nacht hörte er Musik voller Hoffnung und Liebe, und es erschien ihm ein Vogel. Am nächsten Morgen folgte er einem Specht, der auf einer Zeder landete und Löcher in einen Ast pickte. Als Wind aufkam und durch den hohlen Ast blies erklang die Musik von neuem. Der Specht führte ihn nach Hause und der Jäger baute die erste Indianerflöte.

Das Didgeridoo zentriert laut Anita Mamie die Menschen und ist wirksam gegen das Schlafapnoe-Syndrom (Atemstillstand während des Schlafs). «Es ist ein Therapie-Instrument schlechthin», sagte sie. «Um ein Didgeridoo spielen zu können, braucht man etwas Geduld und den Glauben, dass man es schaffen kann. Ein gutes Instrument ist dabei ebenso wichtig wie die Liebe zum Klang, ganz nach dem Spruch «Begabung ist die Liebe zur Sache.»