Beef-Veranstalter nehmen Kritik des Vereins gegen Tierfabriken an der Mutterkuhhaltung gelassen

Das OK ist zufrieden mit der Beef – trotz Flugblattaktion des Vereins gegen Tierfabriken. Der Feststimmung konnte der Protest nichts anhaben. Eine Rückkehr nach Wil können sich die Organisatoren gut vorstellen.

Gianni Amstutz
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An der Beef wurde die Mutterkuhhaltung präsentiert. Der Verein gegen Tierfabriken betrachtet diese wie auch in allen anderen Formen der Herstellung tierischer Produkte als Tierquälerei. (Bild: Christoph Heer)

An der Beef wurde die Mutterkuhhaltung präsentiert. Der Verein gegen Tierfabriken betrachtet diese wie auch in allen anderen Formen der Herstellung tierischer Produkte als Tierquälerei. (Bild: Christoph Heer)

Am Wochenende prägten Kühe und ihre Kälber das Bild auf der Oberen Bahnhofstrasse. Die Beef, eine Veranstaltung zum Thema Mutterkuhhaltung und Landwirtschaft, lockte zahlreiche Wiler in die Einkaufsstrasse. Unter die Besucher und tierischen Gäste mischten sich aber auch Mitglieder des Vereins gegen Tierfabriken (VgT). Mit dem selbsterklärten Ziel, Tieren eine Stimme zu geben, machten sie mit einer Flugblattaktion auf negative Seiten der Mutterkuhhaltung aufmerksam. «Die Mutterkuhhaltung wird oft idealisiert. Doch auch hinter dieser Art der Fleischproduktion steckt viel Leid», sagt Erwin Kessler, Präsident des VgT.

Von der Haltung her sei die Mutterkuhhaltung zwar besser als andere Formen, dies sei aber nur eine Seite der Medaille. So würden Tiere der Herde entrissen, was andere traumatisiert zurücklasse. Denn Kühe pflegten ein enges soziales System, sagt Kessler. Er kommt zum Schluss: «Eine tierfreundliche Haltung gibt es nicht.» Es gebe Schlimmeres als die Mutterkuhhaltung, doch mit der Aktion wollte der VgT zeigen, dass sich die Leute nicht durch ein Qualitätslabel damit trösten sollten, das geringere Übel gewählt zu haben. Kessler spricht sich denn auch für eine vegane Ernährung aus. Alles andere sei «unverantwortlich und tierquälerisch». Obwohl es auch negative Reaktionen auf die Aktion gab, ist Kessler überzeugt: «Wir konnten viele Konsumenten zum Nachdenken anregen.»

Standards höher als bei anderen Haltungsformen

OK-Präsident Thomas Butz nimmt die Aktion des VgT gelassen zur Kenntnis. «Für uns ist das kein Problem.» Die Kritik an der Mutterkuhhaltung weist er aber entschieden zurück. Von Tierfabriken könne sowieso keine Rede sein. «Unsere Betriebe haben durchschnittlich 16 Tiere, sind also weit entfernt von Massenproduktion.» Zudem seien die Standards wesentlich höher als bei anderen Haltungsformen. So werde das Kalb nicht von seiner Mutter getrennt und wachse im Herdenverbund auf. Auch der Einsatz von wachstumsfördernden Zusatzstoffen oder gentechnisch veränderten Futtermitteln sei verboten. Im Sommer seien die Kühe mehrheitlich auf Weiden im Winter im Laufstall mit Zugang zum Laufhof im Freien. Die Aktion des VgT sei denn auch von vielen Besuchern belächelt worden und die Flyer seien schnell im Mülleimer gelandet.

So zieht Thomas Butz ein positives Fazit. «Wir sind äusserst zufrieden. Die zwei Tage in Wil haben unsere Erwartungen übertroffen.» Dies trifft aber nicht auf die Besucherzahlen zu. Mit 30000 Gästen haben die Organisatoren gerechnet. Letztlich waren es rund 25000. Dies sei wohl dem durchzogenen Wetter am Samstag geschuldet gewesen.

Austausch mit Bevölkerung gefördert

Butz sieht in der geringeren Besucherzahl auch Vorteile. «Es gab mehr Austausch zwischen den Landwirten und den Gästen.» Damit habe man das Ziel der Veranstaltung erreicht, einer städtischen Bevölkerung die Mutterkuhhaltung und Landwirtschaft näherzubringen, bilanziert der OK-Präsident. Auch die Podiumsdiskussion sei beim Publikum gut angekommen, wie Rückmeldungen zeigten. Zusammen mit dem Rahmenprogramm mit Buebeschwinget und Bauernmarkt habe man eine gute Kombination gehabt, die für jeden etwas geboten habe.

Ist die Beef nach zwei erfolgreichen Austragungen also bald erneut zu Gast in Wil? Planungen diesbezüglich gebe es noch keine, sagt Thomas Butz. Er könne sich aber sehr gut vorstellen, dass die Beef angesichts des Echos aus der Bevölkerung ein weiteres Mal nach Wil komme. Schliesslich habe sich das Konzept bewährt, den ländlich geprägten Anlass auch in Städten auszutragen.