BAZENHEID: Wenn Abfall zum Rohstoff wird

Im Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) wird im 24-Stunden-Betrieb an 365 Tagen im Jahr gearbeitet. Das Unternehmen entsorgt den Abfall von 180 000 Menschen und 4000 Gewerbebetrieben.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Nachtmenschen: Alfons Scherrer, Michael Höftberger und Bruno Scheiwiller (von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Nachtmenschen: Alfons Scherrer, Michael Höftberger und Bruno Scheiwiller (von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

Die Kehrichtverbrennung, heute bekannt als Energiepark, die im Jahr 2016 ihr 50-Jahr-Firmenjubiläum feierte, sammelt Abfall in 35 Gemeinden. Von Gossau bis Wil übers Toggenburg bis ins südliche Thurgau. Hinzu kommen überregionale Partnerorganisationen. Sie verfügt über drei Öfen, die im Dreischichtbetrieb Tag und Nacht überwacht werden. Mit der entstehenden Wärme wird Strom und Fernwärme produziert. Von Letzterem profitieren ab der kommenden Heizperiode die ersten Fernwärmebezüger in Bazenheid.

In der Nacht ist es weniger hektisch

Beim Besuch sitzen Alfons Scherrer, Michael Höftberger und Bruno Scheiwiller im Kommandoraum. Jeder hat in dieser Schicht, die um 20 Uhr begann und um 4 Uhr endet, seinen Bereich, den er überwachen muss. Michael Höftberger, er gehört seit zwei Jahren zum ZAB-Team, ist für die Müllzufuhr verantwortlich. Zudem schweift sein Blick immer wieder auf einen der acht Bildschirme, auf denen er die ganze Anlage vor sich hat. «Ich schaue für den Feuerungsbereich. Zum einen geht es darum, dass immer genügend Leistung vorhanden ist, zum anderen muss der Müll nach den vorgegebenen Richtlinien verbrennen», erklärt Bruno Scheiwiller, der seit einem Vierteljahrhundert dem ZAB die Treue hält. Seit acht Jahren ist Alfons Scherrer dabei. Er trägt in dieser Schicht für die Bereiche Abwasserbehandlung und Eindampfung Verantwortung. Die Arbeitsbereiche werden täglich gewechselt. Jeder muss im Dreierteam alles können.

«Ich arbeite dann sogar lieber, der Betrieb verläuft geordneter, wenn keine Anlieferungen anfallen und die Hektik des Tages der Ruhe der Nacht Platz macht», antwortet Bruno Scheiwiller auf die Frage, ob man sich an Nachtarbeit gewöhnt. Das zustimmende Nicken seiner zwei Kollegen lässt darauf schliessen, dass sie gleicher Meinung sind. Von Ruhe kann aber nicht immer die Rede sein. In unregelmässigen Abständen meldet ein Alarm eine Störung. Meistens kann das Problem im Kommandoraum gelöst werden, falls nicht, gilt es, der Ursache vor Ort auf den Grund zu gehen. Was kann alles defekt sein? «Das geht von Schläuchen über Pumpen bis zu lecken Ventilen. Die Ursachen sind vielschichtig und können dazu führen, dass ein Anlageteil oder gar eine Ofenlinie abgestellt werden muss», erklärt Scherrer.

Die Nachtschicht verfügt über die nötigen Kompetenzen und trägt die Verantwortung. «Es ist schon vorgekommen, dass ein Ofen ausser Betrieb genommen werden musste.» Während Michael Höftberger bei der Müllzufuhr den Kommandoraum nie verlässt, sind Bruno Scheiwiller und Alfons Scherrer mehrmals in der Nacht mit dem Rundgangzettel unterwegs und kontrollieren die Turbine, das Abwassergebäude, die Rauchgas-Endreinigung sowie die Wirbelschichtlinie. Zu beanstanden gab es in jener Nacht nichts, zumindest nicht bis zu jenem Zeitpunkt, als sich der schreibende Gast verabschiedete. Da stand den drei Herren aber noch mehr als die Hälfte der acht Stunden bevor.