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BAZENHEID: «Schön, wenn etwas läuft»

Franz Patelli arbeitet seit 16 Jahren im Fürstenland als Postauto­chauffeur. Dazu gehören auch Einsätze in der Nacht und an Wochenenden.
Beat Lanzendorfer
Franz Patelli am Steuer eines Postautos. Seine Touren umfassen das ganze Fürstenland von Gossau bis nach Wil. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Franz Patelli am Steuer eines Postautos. Seine Touren umfassen das ganze Fürstenland von Gossau bis nach Wil. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

Franz Patelli hat um 16 Uhr sein Postauto in Oberbüren abgeholt. Der Bazenheider fährt heute die Linie Jonschwil–Wil–Niederhelfenschwil–Wil–Jonschwil–Uzwil–Oberbüren–Niederhelfenschwil. Nach drei Stunden Fahrt hat er sich die 50-minütige Pause verdient. Danach geht es von Oberbüren weiter Richtung Uzwil–Henau–Wil. Die Tour führt von der Äbte­stadt zurück nach Uzwil, wo beim Bahnhof um 22 Uhr der vereinbarte Treffpunkt ist. Wie nicht anders zu erwarten, trifft der Lenker des gelben Gefährts pünktlich ein. Muss er auch, in elf Minuten soll es weiter Fahrtrichtung Bichwil gehen.

In der Nacht kehrt Ruhe ein

Um diese Zeit ist am Bahnhof nicht mehr allzu viel los, bei der Abfahrt sitzen sieben Fahrgäste im Postauto. Zwei Stationen weiter kommt ein Paar hinzu. Während es bisher ruhig im Postauto war, ist die Unterhaltung der beiden Nachtschwärmer nicht zu überhören. Die zwei wollen noch nach Flawil in eine Bar, die erst kürzlich eröffnet worden ist. Apropos Flawil: Beim Bahnhof muss Franz Patelli auf den um 22.34 Uhr von Zürich kommenden Zug warten.

Die Wartezeit wird für ein Gespräch genutzt. «Mir bereitet die Arbeit in der Nacht keine Mühe. Klar, musste ich mich am Anfang daran gewöhnen. Ich fahre gerne Postauto und finde die Begegnungen mit anderen Menschen spannend. Es ist schön, wenn etwas läuft», erklärt der 53-Jährige. Und weiter: «Jetzt im Sommer, wenn die Menschen abends häufiger unterwegs sind, ist immer Betrieb. In kalten Winternächten kann es aber durchaus vorkommen, dass ich gegen das Ende meiner Touren allein unterwegs bin.» Die unregelmässige Arbeitszeit, dazu gehören auch Wochenenddienste, hat nicht nur Nachteile: «Ich habe frei, wenn andere arbeiten.» Nach der kurzen Unterhaltung hat sich das Postauto weiter gefüllt. Fünf jüngere Frauen haben Platz genommen – zwei sind in eine Unterhaltung vertieft, die anderen drei beschäftigen sich mit ihren Smartphones. Nach der neuerlichen Weiterfahrt setzt Regen ein, dafür ist das Verkehrsaufkommen niedriger.

Bald ist Magdenau erreicht, kurz darauf Wolfertswil. Franz Patelli hält an den Stationen nur an, wenn jemand Einlass begehrt oder aussteigen möchte. In Degersheim bei der Post verabschiedet er seine Fahrgäste, darunter auch die fünf Frauen – Endstation. Zwei Minuten später geht es am Bahnhof vorbei zurück nach Uzwil. Der Chauffeur und sein schreibender Gast bewältigen diese Strecke allein. «Das ist um diese Zeit häufig so. Anders präsentiert sich die Situation am Morgen, dann ist das Postauto in der Regel voll besetzt», erzählt Franz Patelli. Abfahrt ist immer eine Minute nach der vollen Stunde. Die Fahrtzeit wird mit 23 Minuten angegeben. «Es gilt, in Flawil den Zug nach Zürich zu erwischen, der den Bahnhof immer 26 Minuten nach der vollen Stunde verlässt. Von Flawil geht es retour nach Uzwil, hier endet die Fahrt mit dem Postauto kurz vor Mitternacht.

Für den Chauffeur ist der Arbeitstag noch nicht zu Ende. Er muss weiter nach Henau und Wil und wird irgendwann in der Nacht wieder hier vorbeikommen. Seine Schicht endet um 1 Uhr mit dem Waschen und dem Tanken seines Gefährts in Oberbüren. Franz Patelli ist Vater zweier erwachsener Kinder. Er wohnt mit Ehefrau Karin in Bazenheid, wo er in jungen Jahren bei der Garage Ammann Automechaniker gelernt hat. In der Rekrutenschule bot sich ihm die Gelegenheit, die praktische Lastwagenprüfung zu erwerben. «Die theoretische Prüfung musste ich nach dem Militär noch mündlich ablegen.» Später kam die Car­prüfung hinzu.

Jedes Postauto legt jährlich 80 000 Kilometer zurück

Nach einem mehrjährigen Abstecher zur Bus-Halter AG Hinterthurgau-Wil (heute Wil Mobil AG) entschloss er sich vor 16 Jahren für den Wechsel zum Postautounternehmen Schmidt AG in Oberbüren. Dieses deckt mit seinen 18 Postautos das Fürstenland ab. In 26 verschiedenen Diensten fahren sie – 13 am Morgen, 13 am Nachmittag/Abend – von Gossau bis Wil. Nach Auskunft von Franz Patelli beträgt die jährlich zurückgelegte Strecke eines Postautos der Schmidt AG rund 80 000 Kilometer. Wenn er nicht auf Achse ist, hat er ein tierisches Hobby. Er hat zusammen mit Sohn Silvio 34 Schafe. «Ein schöner Ausgleich zum Beruf.»

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