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BAZENHEID: Fragen des Lebens

Nach neun Jahren kehrte der Komiker Claudio Zuccolini auf die Bühne des Kulturtreffs Bräägg zurück.
Michael Hug

Warum liegen im Ferienhotel stets Schokolädchen auf dem Kopfkissen? Warum packen Frauen immer alles in Plastikboxen? Warum stehen alte Leute den anderen auf dem Bahnhof immer im Weg? Fragen des Lebens, eminent wichtige, aber meist eben doch unbeachtete Fragen stellt Claudio Zuccolini in seinem Komik-Programm «Warum?».

Antworten dazu findet er nicht, niemand kann ihm plausible Gründe für das Verhalten der Menschheit darlegen. Und so fragt er halt weiter: «Warum gibt es Leute, die Pommes Frites immer mit den Fingern essen?» Die Sache mit den Schokolädchen auf dem Kopfkissen: «Warum bringen die Eltern uns als Kinder penibel bei, dass man beim Zubettgehen die Zähne putzt, und dann legen sie einem im Hotel diese Bettmümpfeli aufs Kopfkissen?» Keine Antwort. Die Sache sei schon schlimm genug, aber es kann noch übler kommen: «Noch schlimmer, als wenn du sie isst, ist, wenn du sie vergisst.»

Das gibt dann Erklärungsbedarf beim spanischen Zimmermädchen am nächsten Tag. Schwierig, ihm klar­zumachen, dass das nur Schokolade im Leintuch ist, da hilft auch der Schlecktest nicht. Mit seinen Fragen und Erläuterungen dazu evoziert Zuccolini Gedankenspiele in den Köpfen seines Publikums. Er spricht die Dinge stets nie ganz aus, den Rest muss sich muss der Zuschauende selber denken.

«Zuccos» Stil ist nicht jedem geheuer. Knochentrocken plaudert der Komiker von der Bühne herunter, 90 Minuten lang ohne Unterlass (ausser der Pause). Ohne effektheischende Gestik, ohne besondere Mimik und ohne jegliche Requisiten gestaltet der Bündner, der manchen auch aus dem «Kassensturz» oder aus der «Maggi»-Werbung bekannt ist, einen Unterhaltungsabend, der voll auf ihn konzentriert ist.

Frech, aber nie zu weit unter der Gürtellinie

Die Linie, wo es durchgeht, hat das Publikum schnell gefunden. Es ist die simple Klaviatur des Humors. Frech, aber nie zu weit unter die Gürtellinie, derb, aber nie vulgär, einfach, aber nicht einfältig. Auf der anderen Seite der Humorbandbreite gescheit, aber nicht auf allzu hohem Niveau. «Warum hat sich der liebe Gott bei der Schöpfung nicht mehr Zeit gelassen? Ich meine sechs Tage, warum gerade sechs Tage, niemand hat ihm gesagt, dass er nur sechs Tage hat. Er hätte doch, wie ein Handwerker, nach dem Wochenende nochmals alles in Ruhe durchgehen können, da und dort Nachbesserungen machen können.» Natürlich wäre die Welt dann besser geworden, auch Zuccolinis Welt, und viele Fragen, die er jetzt hat, hätte er nie stellen müssen.

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

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