BAZENHEID: «Fliegen ist wie ausbrechen»

Mirjam Holenstein arbeitet seit 14 Jahren bei der Edelweiss Air. In ihrer Funktion als Chef de Cabine gehören unregelmässige Arbeitszeiten zum Alltag – auch nachts.

Beat Lanzendorfer
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Mirjam Holenstein (Zweite von links) bespricht am Briefing mit ihrer Cabin Crew Nathalie Rutschi, Virginie Lemnos und Debora Brügger den Flugablauf nach Santorini (von links). (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Mirjam Holenstein (Zweite von links) bespricht am Briefing mit ihrer Cabin Crew Nathalie Rutschi, Virginie Lemnos und Debora Brügger den Flugablauf nach Santorini (von links). (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

«Ich habe meinen Traumjob gefunden. Die Arbeit mit Menschen bereitet mir sehr viel Spass. Fliegen ist wie Ausbrechen aus dem Alltag. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mich so schnell wie möglich an die örtliche Zeit anzupassen, so dass mir die Zeitverschiebung keine Probleme bereitet», antwortet Mirjam Holenstein auf die Frage, was die Faszination des Fliegens ausmacht. Und weiter: «Ich arbeite gerne nachts und unregelmässig, denn es kommen auch Dienste an Wochenenden hinzu.»

Im Flieger und im Büro

Die 43-jährige kaufmännische Angestellte – sie absolvierte ihre Lehre bei der Kirchberger Gemeindeverwaltung – hat ihre Erfüllung im Jahr 2003 gefunden, als sie auf ihre Bewerbung zur Flight Attendant bei der Edelweiss Air einen positiven Bescheid erhielt. «Drei Jahre war ich nur fliegend unterwegs. Dann erhielt ich die Möglichkeit, mit einem 30-Prozent-Pensum in der Einsatzplanung einzusteigen.» Sie ist dafür verantwortlich, die Einsatzpläne des Kabinenpersonals zu erstellen – über 400 Frauen und Männer. «Mittlerweile hat sich das Verhältnis verschoben. Etwa 70 Prozent entfallen auf das Büro, die übrige Zeit bin ich weiterhin im Flieger unterwegs.»

Gut vorbereitet ist halb geflogen

Beim Besuch dieser Zeitung war die Bazenheiderin als Chef de Cabine für einen Flug auf die griechische Insel Santorini eingeteilt. Zu ihren Aufgaben gehört das Briefing mit ihren Mitarbeiterinnen vor dem Flug: Wie viele Personen fliegen mit, sind Kinder dabei, wer wünscht vegetarische Verpflegung, welche Passagiere leiden an einer Allergie? Diese und andere Fragen werden eine Stunde vor dem Start besprochen. Zum Briefing zählt auch das «Emergency-Briefing», bei dem auf ein Notfallszenario speziell eingegangen wird. Das Thema am Besuchstag hiess «Öffnen der Türen im Normalfall – Öffnen der Türen im Notfall». Anschliessend geht die Crew durch den Sicherheitscheck, fährt mit dem Bus zum Flugzeug und bereitet es auf den Flug vor. «Wenn die Passagiere den Flieger betreten, muss die Vorarbeit geleistet sein.» Edelweiss Air setzt für ihre Destinationen innerhalb Europas Airbusse des Typs A320 ein, welche über eine Kapazität von bis zu 174 Passagieren verfügen. Auf Langstrecken kommen die Airbusse A330 und A340 zum Einsatz. Diese bieten Platz für bis zu 315 Fluggäste. Wegen der unterschiedlichen Grösse der Flugzeuge braucht es auf den Langstreckenflugzeugen mehr Personal. «Vier Flugbegleiterinnen oder -begleiter bei einer Kurzstrecke, neun bis zehn bei der Langstrecke», erklärt Mirjam Holenstein. «Plus Kapitän und Co-Pilot.»

Einen Heiratsantrag im Flugzeug gemacht

Sie lacht und erzählt von einem Erlebnis, das ihr in Erinnerung geblieben ist: «Ein Fluggast hat seiner Verlobten über das Bordmikrofon einen Heiratsantrag gemacht. Weil er uns vorher informierte, konnten wir ihr nach ihrem Ja sofort einen Champagner offerieren.» Flugangst, das Bedürfnis zu rauchen oder den Passagieren den Durchstart erklären, sind nur einige Beispiele, die zu Diskussionen führen können. «Ein Lächeln hilft dabei fast immer», meint sie. «Auch beim Babyhüten, wenn der Papi oder das Mami uns ihre Kleinen in den Arm drücken.»

Die unregelmässige Arbeitszeit hat nicht nur Nachteile: «Ich komme viel in der Welt umher, und bei Langstreckenflügen haben wir meist ein paar Tage Aufenthalt.» Wie zuletzt jener nach Calgary, als sie die Zeit nutzte und mit einer Kollegin die Rocky Mountains erkundete. Angesprochen auf ihre Lieblingsdestination, braucht sie nicht lange zu überlegen: «Malediven, dort zu tauchen, ist traumhaft.»

Das Leben abseits der Wolken gestaltet sie häufig mit sportlichen Aktivitäten. Velofahren, Biken, Joggen, Wandern oder Skifahren. Sie gehört auch zu den positiv Verrückten, welche Anfang Juli beim Gigathlon in Zürich teilnahmen. «Wir von der Edelweiss Air waren mit zwei Teams am Start – es war genial. Der Appetit auf die Fortsetzung ist schon jetzt vorhanden.» Der Appetit auf den kommenden Flug auch. Es ist Zeit, sich zu verabschieden, die Maschine nach Santorini wartet nicht.