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BAZENHEID: Entwicklung falsch eingeschätzt

Ein Provisorium, das die Schulraumnot lindern soll, wurde zum Rechtsfall. Die Gemeinde habe nicht rechtzeitig geplant. Nun plant sie auf zehn Jahre hinaus und rechnet mit einer Zunahme der Schülerzahlen um 67 Prozent.
Beat Lanzendorfer
Die Schulraumplanung in Bazenheid führt zu Diskussionen. Vorne rechts die Primarschule Neugasse, hinten links die Oberstufe. (Bild: PD)

Die Schulraumplanung in Bazenheid führt zu Diskussionen. Vorne rechts die Primarschule Neugasse, hinten links die Oberstufe. (Bild: PD)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@ toggenburgmedien.ch

Die Gemeinde Kirchberg plant in den nächsten Jahren Schulhausneubauten und -umbauten für rund 43 Millionen Franken. Weil sie die Kosten nicht auf einmal stemmen kann, sollen die Bauten gestaffelt realisiert werden. Priorität hat Bazenheid, wo der Engpass am grössten ist und für die beiden Projekte Oberstufe Flurstrasse und Primarschule Neugasse in diesem Jahr 17,6 Millionen Franken an Urnenabstimmungen freigegeben werden sollen. Mit den 1,3 Millionen, welche das Provisorium an der Neugasse im letzten Jahr gekostet hat, beläuft sich die Gesamtsumme auf 18,9 Millionen Franken.

Für eben dieses Provisorium verzichtete die Gemeinde Kirchberg auf eine Ausschreibung, aus Dringlichkeitsgründen wie sie erklärte. Dagegen und damit gegen die folgende Auftragsvergabe hat die Weber Holzbau AG, Kirchberg, Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingelegt und in der Folge Recht erhalten. Nach Meinung des Verwaltungsgerichts wäre bei rechtzeitiger Planung genügend Zeit vorhanden gewesen, statt eines «freihändigen Verfahrens» ein «offenes Verfahren» durchzuführen (unsere Zeitung berichtete).

Im Mittelpunkt stehen die Bevölkerungszahlen

Bei einer solchen Planung im Mittelpunkt stehen die Bevölkerungszahlen. 2006, im Jahr der Eröffnung der Umfahrungsstrasse, zählt das Dorf Bazenheid 3470 Einwohner. Vier Jahre später werden 3560 ausgewiesen. In jenem Jahr ist im revidierten Richtplan unter der Rubrik Schulen der Eintrag vermerkt, die Oberstufe Bazenheid sei um jeden Preis zu erhalten. Hintergrund dieser Aussage: Der Kanton verlangt an Oberstufen mindestens 150 Schüler. Bazenheid lag damals unter diesem Wert und erfüllt die Vorgaben des Kantons streng ausgelegt erst ab dem Schuljahr 2018/19.

Eine markante Erhöhung der Einwohnerzahlen ist erstmals von 2010 auf 2011 feststellbar, als die Bevölkerung in Bazenheid um 250 Personen zunimmt. Jährliche Wachstumsraten zwischen 80 und 120 sind ab sofort die Regel. Diese Bevölkerungszunahme schlägt sich jedoch nicht sofort auf die Schülerzahlen nieder. Im Gegenteil: Zählten die Bazenheider Schulhäuser im Jahr 2005 noch 527 Schüler, verringerte sich dieser Wert auf 473 im Jahr 2010. Laut Schulpräsident Orlando Simeon ist dies darauf zurückzuführen, dass in diesem Zeitraum geburtenstarke Jahrgänge die Schule verliessen. Das Dorf erreichte die Werte von 2005 erst wieder im Jahr 2015 (522).

Um die künftige Entwicklung besser abschätzen zu können, gab die Schulgemeinde 2015 eine Studie bei der Schällibaum AG, Ingenieure und Architekten, Wattwil, in Auftrag. Diese belegt, dass im Schuljahr 2027/28 780 Jugendliche und Kinder die Bazenheider Schulen besuchen werden. Dies bedeutet eine Zunahme von 67 Prozent gegenüber dem Tiefststand im Jahre 2013.

Zum Vergleich: Der Höchststand in Kirchberg geht auf das Jahr 2005 zurück. Damals wurden 624 Schülerinnen und Schüler gezählt. Seither erfolgte eine stetige Abnahme, 2027/28 wird sich der Wert bei etwa 536 Schülerinnen und Schüler einpendeln.

Der Grund für die jüngste und für die kommende Zunahme der Schülerzahlen dürfte in der hohen Bautätigkeit liegen. Zwischen 2010 und 2015 entstanden in Bazenheid 47 Einfamilienhäuser, 116 Mietwohnungen sowie 121 Eigentumswohnungen, was einem Total von 284 Wohneinheiten entspricht. Im Jahre 2016 sind weitere 38 Wohneinheiten hinzugekommen.

Zahl der Zuzüger schwierig zu eruieren

Hätten die Verantwortlichen ob dieser Zahlen hellhörig werden müssen? Dazu Orlando Simeon: «Anhand der Geburtenzahlen kann ich heute sagen, wer in vier Jahren in den Kindergarten kommt. Die Zahlen der Zuzüger sind schwieriger zu eruieren.» War die Entwicklung anhand der Bautätigkeit nicht vorhersehbar? «Bis zu meinem Amtsantritt hat die Schulgemeinde jeweils auf vier Jahre hinaus geplant. Da sehen die Zahlen tatsächlich nicht so dramatisch aus. Allerdings bin ich in der ersten Woche meines Amtsantrittes mit dem Antrag einer Kindergärtnerin konfrontiert worden, dass auf das kommende Schuljahr eine zusätzliche Klasse benötigt wird. Deshalb planen wir den Schulraum nun mit den Zahlen der Zehnjahres-studie der Firma Schällibaum.»

Dass zuvor nur auf vier Jahre geplant wurde, erklärt Alfons Schönenberger, Simeons Vorgänger im Amt des Schulratspräsidenten, so: «Für eine verlässliche Planung müssen die Kinder schon auf der Welt sein.» Die rege Bautätigkeit in Bazenheid sei 2006, als das Schulhaus Neugasse geplant wurde, nicht absehbar gewesen. Zudem sei dieses Schulhaus nie als Schulraumerweiterung geplant gewesen, das habe man auch immer so kommuniziert. «Es ging um den Ersatz von provisorischen Schulräumen.» Man könne ein Schulhaus nicht auf Vorrat grösser bauen, ohne zu wissen, ob man dafür einmal Bedarf habe.

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